Bei den Husten- und Erkältungspräparaten handelt es sich um Wirkstoffe zur Linderung von Symptomen an Trachea und Bronchien: Antitussiva sollen den Hustenreiz vermindern, Expektoranzien und Mukolytika das Abhusten erleichtern.
Pflanzliche Arzneimittel zur symptomatischen Therapie von Husten und Auswurf werden seit der Antike bis heute eingesetzt.
Mit wenigen Ausnahmen (beispielsweise Opiate als Antitussiva) sind die Wirkstoffe dieser Indikationsgruppe nicht verschreibungspflichtig. Der G-BA hat strenge Regelungen zum Erstattungsausschluss für diese Indikationsgruppe beschlossen: Für die Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff gilt die Regel, dass sowohl die verschreibungsfreien als auch die verschreibungspflichtigen Medikamente nur bei Kindern bis zum vollendeten 12. Lebensjahr und bei Jugendlichen mit Entwicklungsstörungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr erstattungsfähig sind. Sehr viele fixe Wirkstoffkombinationen sind hingegen bei Husten – unabhängig vom Alter – für alle Versicherten von der Erstattung ausgeschlossen (G-BA 2010).
Expektoranzien sollen das Abhusten erleichtern, indem sie den Abtransport des übermäßig gebildeten Bronchialschleims fördern. Entsprechend der ATC-Klassifikation werden die Therapieansätze der chemisch definierten Expektoranzien sowie der pflanzlichen Expektoranzien unterschieden. Zu den chemisch definierten Expektoranzien zählt beispielsweise das Guaifenesin, das bereits in den 1950er Jahren entwickelt wurde.
Mukolytika sollen zähen Bronchialschleim flüssiger machen und dadurch den Abtransport und das Abhusten erleichtern. Hier ist einerseits das Acetylcystein zu nennen, dessen mukolytische Eigenschaft seit den frühen 1960er Jahren bekannt sind. Seit 1965 steht Bromhexin zur Verfügung, ein Derivat von Vasicin, das ein Alkaloid des Indischen Lungenkrauts (Adhatoda vasica) ist. Seit 1979 ist das Ambroxol als Metabolit des Bromhexins in Deutschland auf dem Markt.
Unter den Antitussiva sind drei Therapieansätze zu unterscheiden: Die Opium-Alkaloide, andere chemisch definierte Antitussiva sowie pflanzliche Antitussiva. Mit Codein wurde 1833 das erste als Antitussivum verwendete Opium-Alkaloid aus dem Schlafmohn (Papaver somniferum) isoliert. Weitere wichtige Opium-Alkaloide bzw. Derivate sind das Dihydrocodein sowie das Noscapin. Bei letzterem besteht kein Abhängigkeitspotenzial wie beim Codein.
Neben den genannten Wirkstoffgruppen stehen eine Reihe verschiedenster Kombinationen zur Verfügung, beispielsweise Expektoranzien mit Antibiotika oder Analgetika mit Expektoranzien, deren Einsatz aber als umstritten gilt.
Der Verbrauch von Husten- und Erkältungspräparaten ging zwischen 1996 und 2010 auf etwa ein Fünftel des Ausgangswertes zurück. Ein besonders markanter Einbruch wurde 2004 beobachtet, als die meisten der überwiegend rezeptfreien Präparate für Erwachsene aus der Erstattungspflicht der GKV herausfielen. Vor diesem Hintergrund werden die Mittel zur Anwendung bei Husten und Erkältung mit durchschnittlich 2,5 DDD, die jedem Versicherten der GKV 2010 verordnet wurden, als selten angewendete Arzneimittel eingestuft. Im Jahr 2005 konnte noch einmal ein leichter Verbrauchsanstieg verzeichnet werden, der möglicherweise auf die hohe Influenzaaktivität zu Beginn des Jahres 2005 zurückgeführt werden kann. Nach 2005 ging der Verbrauch wieder leicht zurück und lag zwischen 2006 und 2009 bei rund 200 Mio. DDD jährlich. 2010 war ein erneuter stärkerer Rückgang des Verbrauchs zu beobachten. Zwischen 2008 und 2010 gab es geringfügige Änderungen zwischen den Verbrauchsanteilen einzelner Therapieansätze: Rund 44 % des Verbrauchs entfielen in den letzten drei Jahren konstant auf die Mukolytika. Der Anteil der Opium-Alkaloide und Derivate erhöhte sich im Beobachtungszeitraum als einziger deutlich und machte 2010 gut 23 % des Verbrauchs aus. An dritter Stelle folgten mit nahezu unverändertem Anteil die pflanzlichen Expektoranzien. Die Anteile der übrigen Therapieansätze nahmen dagegen ab, die Kombinationspräparate und die pflanzlichen Antitussiva zusammengenommen um etwa ein Drittel im Vergleich zu 2008. Bei den Kombinationspräparaten ist im Wesentlichen die Kombination aus Doxycyclin und Ambroxol mit 88 % Verbrauchsanteil des Therapieansatzes relevant.
Innerhalb des größten Therapieansatzes der Gruppe, den Mukolytika, teilten sich im betrachteten Zeitraum nur zwei Wirkstoffe – Acetylcystein und Ambroxol – die Anteile am Verbrauch. Diese haben sich kaum verändert und betrugen 2010 für Acetylcystein 66 % und für Ambroxol 33 %.
Nach dem Nationalen Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) hatten 88,5% aller Kinder und Jugendlichen zwischen 0 und 17 Jahren in den letzten 12 Monaten mindestens einen grippalen Infekt (Bergmann et al. 2008). Die Inzidenz von Erkältungen lag 1996 in den USA bei 79 %. Während bei Kindern mit jährlich sechs bis acht Episoden zu rechnen ist, kommen bei Erwachsenen durchschnittlich zwei bis vier Episoden vor (Padberg und Bauer 2006). Für die Indikationsgruppe der Husten- und Erkältungspräparate können keine Angaben zu Bedarf und Angemessenheit der Versorgung gemacht werden.
Die Wirkstoffe des Indikationsgebietes werden allein zur symptomatischen Therapie – überwiegend des Hustens – vor allem bei Erkältungskrankheiten (grippale Infekte), aber auch bei bakteriellen Infektionen der oberen Atem-wege oder bei Influenza eingesetzt. Zur Häufigkeit dieser Erkrankungen insgesamt lässt sich kaum etwas sagen. Sie unterliegt erheblichen jährlichen Schwankungen, verursacht beispielsweise durch die Influenzaaktivität. Ab-gesehen davon geht nicht jede der genannten Erkrankungen mit einer Symptomatik einher, die den Einsatz von Husten- und Erkältungspräparaten erforderlich macht. Zudem werden die Wirkstoffe seit 2004 überwiegend nur noch bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren von der GKV erstattet, sodass sich die Bedarfsermittlung auf diese Altersgruppe beschränken müsste.
Die meisten Komponenten der Ausgabenänderung 2010 zeigten – wie schon im Vorjahr – kaum Bewegung. Am auffälligsten ist die negative Verbrauchs-Komponente im Jahr 2010, die zu Einsparungen in Höhe von fast 24 Mio. Euro führte, was auch der Änderung der Ausgaben insgesamt entspricht.
Für den verbrauchsbedingten Ausgabenrückgang 2010 waren vor allem Präparate aus dem Therapieansatz der Opium-Alkaloide und Derivate sowie der Mukolytika verantwortlich. Die Analog-Komponente führte 2010 zu einer Ausgabenerhöhung, während sie 2009 die Ausgaben geringfügig senkte. Aufgrund der zahlreichen Wirkstoffe, die zu der Indikationsgruppe gehören, können diese Effekte nicht sicher bestimmten Wirkstoffen zugeordnet werden.
Bergmann E, Eis D, Ellert U et al. (2008) Lebensphasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Ergebnisse des Nationalen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Berlin: RKI.
G-BA (2006) Anlage III der Arzneimittelrichtlinie, zuletzt geändert am 19.02.2010. URL: http://www.g-ba.de/downloads/83-691-172/AM-RL-III-Verordnungseinschr%C3%A4nkung-2010-02-19.pdf (15.04.2010).
Padberg J, Bauer T (2006) Erkältungskrankheiten. Dtsch
Med Wschr 20; 131: 2341–2349.