Entwicklung der Indikationsgruppe

Zahlreiche Stoffe werden zur Verbesserung der immunologischen Abwehr eingesetzt. Einerseits handelt es sich um Extrakte aus Pflanzen oder Mikroben, aus denen auch Einzelstoffe isoliert werden. Andererseits kommen chemisch hergestellte Substanzen oder körpereigene Stoffe wie die im-munmodulierenden Interferone zum Einsatz. Die antivirale Eigenschaft der Interferone wurde 1957 im Rahmen von Untersuchungen an Zellkulturen beobachtet. Die Substanz wurde schnell zum Hoffnungsträger für die Heilung von Virusinfektionen oder Krebs, konnte jedoch nicht in großen Mengen gewonnen werden. Seit 1986 können Interferone gentechnisch hergestellt werden und stehen als Option für die Therapie von Multipler Sklerose, Hepatitis oder Krebs zur Verfügung. Entsprechend der unterschiedlichen Anwendung von Immunstimulanzien werden verschiedene Teil-Indikationsgruppen unterschieden.

Mittel bei Multipler Sklerose

Die Multiple Sklerose ist eine demyelinisierende Erkrankung des Nervensystems. Bedingt durch immunologische Prozesse kommt es zur Zerstörung der Nervenumhüllungen (Myelinscheiden), wodurch die Signalweiterleitung durch die Nervenzelle gestört wird. Zur Behandlung der Multiplen Sklerose werden die Interferone beta-1b und beta-1a eingesetzt, die 1996 bzw. 1997 in Deutschland eingeführt wurden. Wie Interferon beta bei Multipler Sklerose wirkt, ist nicht genau bekannt. Glatirameracetat ist seit 2001 in Deutschland zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose zugelassen. Die Substanz war bereits in den 1960er Jahren entdeckt worden. Auch der Wirkmechanismus von Glatirameracetat bei Multipler Sklerose ist unklar.

Interferone alfa

Die Interferone alfa werden überwiegend zur Behandlung von Hepatitis B und C eingesetzt. Darüber hinaus kommen sie bei verschiedenen Krebserkrankungen zum Einsatz, insbesondere bei Leukämien und Lymphomen. Interferon alfa-2a und Interferon alfa-2b wurden 1987 in Deutschland eingeführt, das Interferon alfacon-1 im Jahr 1999. Die Interferone müssen dreimal wöchentlich gespritzt werden. Eine Verbesserung in der Anwendung stellen daher die pegylierten Interferone Peg¬interferon alfa-2b und Peginterferon alfa-2a dar, die seit 2000 bzw. 2002 zur Verfügung stehen. Sie müssen nur einmal wöchentlich angewendet werden.

Koloniestimulierende Faktoren

Viele Zytostatika führen zur verminderten Bildung weißer Blutkörperchen (Neutropenie), wodurch die körpereigene Abwehr beeinträchtigt wird. Die koloniestimulierenden Faktoren für Granulozyten (G-CSF) bzw. Granulozyten und Makrophagen (GM-CSF) fördern die Bildung und Reifung bestimmter weißer Blutkörperchen, so dass die Abwehrschwäche überwunden werden kann. Die gentechnisch hergestellten G-CSF Filgrastim und Lenograstim wurden 1991 bzw. 1993 in Deutschland eingeführt. Pegfilgrastim steht seit 2003 zur Verfügung. Dieses pegylierte Filgrastim muss nur ein einziges Mal während eines Zytostatikazyklus gegeben werden, während Filgrastim über ein bis zwei Wochen täglich gespritzt werden muss. Molgramostim ist ein GM-CSF und kam 1993 auf den Markt. 2008 wurde für Filgrastim das erste Biosimilar eingeführt.

Weitere Teil-Indikationsgruppen

Einige weitere Teil-Indikationsgruppen spielen in der ambulanten Versorgung nur eine untergeordnete Rolle. Zu den TBC-Immunstimulatoren gehört der bereits in den 1920er Jahren als Tuberkuloseimpfstoff entwickelte BCG-Impfstoff. Er wird als Immunstimulator bei Blasenkrebs direkt in die Blase appliziert. 2010 wurde das bei Osteosarkom als Immunstimulator eingesetzte Mifamurtid eingeführt. Mifamurtid ist ein synthetischer Abkömmling des Muramyldipeptids. Das Muramyldipeptid ist ein Bestandteil der Zellwand von Mykobakterien, zu denen auch die Tuberkulose-Erreger gehören. Das natürliche Interferon beta, welches nicht identisch ist mit den Interferonen beta, die bei Multipler Sklerose eingesetzt werden, wurde 1984 auf den Markt gebracht und wird bei schweren Verläufen von Virusinfektionen, beispielsweise einer Virusenzephalitis, angewendet. Interleukin, seit 1990 auf dem Markt, kommt beim Nierenzellkarzinom zum Einsatz. Das seit 1993 erhältliche Interferon gamma dient der Therapie der chronischen Granulomatose, einem seltenen Immundefekt. Bei Immunschwäche werden außerdem Leukozyten eingesetzt. 2009 wurde Plerixafor als Mittel zur Stammzellmobilisation eingeführt. Damit lässt sich die Stammzellgewinnung verbessern, die zur autologen Transplantation bei bestimmten Blutkrebsarten durchgeführt wird.
Als weitere Teil-Indikationsgruppe sind die Umstimmungsmittel zu nennen. Dazu gehören verschiedene Bakterien, häufig solche, die im Darm heimisch sind. Umstimmungsmittel wie auch die pflanzlichen und komplementären Immunstimulanzien und -modulatoren werden unter der Vorstellung angewendet, dass sie das Immunsystem stärken.