Entwicklung der Indikationsgruppe

Entsprechend ihrer Anwendung werden in der Indikationsgruppe der Antiphlogistika und Antirheumatika die Teil-Indikationsgruppen der nichtsteridalen Antirheumatika sowie der Remissionsinduktoren bei rheumatoider Arthritis unterschieden.

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

Die NSAR sind Antiphlogistika, d. h. entzündungshemmende Wirkstoffe. Sie werden bei rheumatoider Arthritis, aber auch bei anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen oder schmerzhaften Gelenkbeschwerden sowie bei Rückenschmerzen eingesetzt. Einige der Wirkstoffe (z.B. Ibuprofen) finden auch allgemein als Schmerzmittel Verwendung.

Bis Mitte der 1960er Jahre stand in dieser Gruppe die 1899 synthetisierte Acetylsalicylsäure (ASS) zur Verfügung, die bei rheumatoider Arthritis in hohen Dosen einzunehmen war. Der 1953 eingeführte Wirkstoff Phenylbutazon konnte wegen der Gefahr der Agranulozytose nur begrenzt angewendet werden. Beide Wirkstoffe werden heute in der ATC-Klassifikation den Analgetika zugerechnet. Der Durchbruch moderner antiphlogistisch wirksamer Arzneimittel gelang 1960 mit der Synthese von Indometacin, das 1965 auf den Markt kam. Im Rahmen der Suche nach Alternativen zur Rheumatherapie mit Glucokortikoiden wurde 1960 Ibuprofen entdeckt und 1969 in Deutschland als Antirheumatikum zugelassen. Diclofenac wurde 1965 als Ergebnis einer systematischen Forschung auf Basis der bis zu diesem Zeitpunkt bekannten Antiphlogistika synthetisiert. Seit 1975 steht es dem deutschen Arzneimittelmarkt zur Verfügung. Eine Reihe weiterer Wirkstoffe des Therapieansatzes der konventionellen NSAR wurden mittlerweile entwickelt.

Ebenfalls Ergebnis systematischer Forschung war der Therapieansatz der Coxibe, die mit dem Wirkstoff Rofecoxib 1999 auf den Markt kamen. Ihm folgten Celecoxib (2000), Parecoxib (2002), Valdecoxib (2003) und Etoricoxib (2004). Die Coxibe waren mit dem Ziel einer besseren Magen-verträglichkeit als konventionelle NSAR wie Ibuprofen und Diclofenac entwickelt worden. Bereits im Jahr 2000 fiel in der VIGOR-Studie für Rofecoxib jedoch ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse (Herzinfarkte) im Vergleich zu Naproxen auf (Bombardier et al. 2000); dies wurde in der APPROVe-Studie bestätigt (Bresalier et al. 2005). Daher wurden im September 2004 Rofecoxib und im April 2005 Valdecoxib weltweit vom Markt genommen.

Von untergeordneter Bedeutung sind die Therapieansätze der anderen NSAR und Antirheumatika sowie von Wirkstoffkombinationen.

Remissionsinduktoren bei rheumatoider Arthritis (RA)

Die Remissionsinduktoren oder DMARD („disease modifying anti-rheumatic drugs“) wurden früher als Basistherapeutika bezeichnet. Die wichtigsten Vertreter dieser Gruppe sind Methotrexat und Sulfasalazin. Sulfasalazin wurde bereits in den 1940er Jahren in Schweden synthetisiert und bei rheumatoider Arthritis sowie bei Colitits ulcerosa eingesetzt. Zu der sehr heterogenen Gruppe der Remissionsinduktoren gehören außerdem Penicillamin und Goldpräparate wie Natriumaurothiomalat und Auranofin (1982 eingeführt).