Entwicklung der Indikationsgruppe

Allergenextrakte werden zur spezifischen Immuntherapie (SIT), auch Hyposensibilisierung genannt, eingesetzt. Allergene sind die Stoffe, die eine Allergie auslösen. Bei der subkutanen Immuntherapie (SCIT) werden die Allergene, gegen die ein Patient allergisch ist, in langsam steigender Dosierung unter die Haut gespritzt. Bei der sublingualen Immuntherapie (SLIT) werden sie in Form von Tropfen oder Tabletten unter die Zunge (sublingual) getropft bzw. gelegt.

Die Indikationsgruppe der Allergenextrakte gliedert sich in mehrere Teil-Indikationsgruppen, entsprechend den verschiedenen Allergenen, die eingesetzt werden.

Erste Formen der Immuntherapie gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Ring 2005). Etwa um 1900 wurden wässrige Pollenextrakte verwendet, um Patienten mit Heuschnupfen oder Asthma zu immunisieren (Finegold 2001). Im Jahre 1911 publizierte Leonard Noon Ergebnisse einer Untersuchung zur Wirksamkeit der Injektion von Pollenextrakten bei Heuschnupfen in der Zeitschrift The Lancet. Bereits in den 1950er Jahren konnte die Wirksamkeit von Pollenallergen-Extrakten in Studien belegt werden. Positive Studien mit weiteren Allergenen folgten, beispielsweise 1978 zur Immuntherapie mit Insektengiften, in den 70er Jahren zur SIT mit Allergenextrakten der Hausstaubmilbe oder in den 80er und 90er Jahren zur Anwendung von Extrakten bei Haustierallergien (nach Norman 1998).

Die anfänglich verwendeten Allergenextrakte enthielten die verschiedensten Verunreinigungen und sind mit den heute angewendeten, gereinigten Extrakten nicht mehr zu vergleichen. Schon Noon verwendete eine einfache Standardisierung der eingesetzten Allergenextrakte.

Neben den Methoden zur Reinigung und Standardisierung wurden auch solche zur Modifikation der Allergenextrakte entwickelt. Seit 1940 ist bekannt, dass die Bindung der Allergene an Aluminiumhydroxid zu einer Depotwirkung führt, sodass die Extrakte seltener gespritzt werden müssen. Später wurden Methoden zur chemischen Modifikation der Allergene entwickelt. So wurde 1970 eine Vorgehensweise beschrieben, um sogenannte Allergoide zu erzeugen. Im Vergleich zu den unbehandelten Allergenextrakten ist bei den Allergoiden die allergisierende Wirkung geringer, der immunisierende Effekt aber nur wenig vermindert. Dadurch ist es möglich, die Dauer der SIT zu verkürzen (nach Norman 1998).