A 16 Andere Mittel für das alimentäre System und den Stoffwechsel

Veröffentlicht am: 16.12.18

Teil-Indikationsgruppen bei Mitteln aus dem Bereich Ernährung und Stoffwechsel

Von den verschiedenen Teil-Indikationsgruppen sollen an dieser Stelle diejenigen vorgestellt werden, die in Bezug auf Verbrauch und Ausgaben die größte Bedeutung haben.

Ein Carnitinmangel kann verschiedene Ursachen haben: In seltenen Fällen wird zu wenig Carnitin im Körper gebildet; hier spricht man von primärem Carnitinmangel. Ein sekundärer Carnitinmangel ist Folge verschiedener Grunderkrankungen und kann z. B. bei Dialysepatienten auftreten.

Bei Patienten mit Morbus Fabry liegt ein angeborener Mangel des Enzyms Alpha-Galactosidase A vor. Bestimmte Bestandteile der Zellmembran, die Glykosphingolipide, werden dadurch vermindert abgebaut und lagern sich in den Geweben ab. Es kann zu Störungen der unterschiedlichsten Organe kommen, wie z. B. Hornhauttrübung, Störungen am Herzen, Einschränkung der Nierenfunktion oder Störungen des Nervensystems.

Auch bei Morbus Gaucher führt ein Gendefekt zu mangelnder Enzymaktivität, in diesem Fall der Beta-Glucocerebrosidase. Dadurch reichern sich Glucocerebroside in bestimmten Blutzellen an. Als Folgeerscheinung treten u. a. Entzündungsreaktionen, Schwellungen an verschiedenen Organen und bösartige Tumoren auf.

Ursache des Morbus Pompe ist ein angeborener Defekt des Enzyms Alpha-Glucosidase, das am Abbau des Glykogens in der Muskulatur beteiligt ist. Morbus Pompe gehört daher zu den Glykogenspeicherkrankheiten. Typisches Symptom der Erkrankung ist eine Muskelschwäche, die häufig auch das Zwerchfell betrifft und so die Atmung erschwert.

Therapieansätze bei Mitteln aus dem Bereich Ernährung und Stoffwechsel

Obwohl die Indikationsgruppe Arzneimittel zur Behandlung sehr unterschiedlicher Erkrankungen umfasst, sind einige Therapieprinzipien typisch.

Das häufigste Therapieprinzip ist die Enzymsubstitution. Dabei erhalten die Patienten regelmäßig Infusionen eines biotechnologisch hergestellten Enzyms, durch das die fehlende oder fehlerhafte Enzymaktivität ausgeglichen werden kann. Diese Substitution muss lebenslang erfolgen. Beispiele für dieses Therapieprinzip sind die Gabe von Agalsidase alfa oder beta, die bei Morbus Fabry den Mangel an Alpha-Galactosidase A ausgleichen, von Imiglucerase und Velaglucerase alfa bei Morbus Gaucher, Aglukosidase alfa bei Morbus Pompe oder von Idursulfase bei Mukopolysaccharidose Typ 2.

Das Therapieprinzip einer Enzymstabilisierung kann angewendet werden, wenn eine angeborene Stoffwechselerkrankung durch eine Störung der Enzymfunktion verursacht ist und nicht durch einen absoluten Enzymmangel. Ein Beispiel dafür ist das Migalastat, das bei Morbus Fabry eingesetzt werden kann, wenn bestimmte Mutationen der Alpha-Galactosidase A vorliegen. Migalastat lagert sich an die Alpha-Galactosidase A an und fungiert als „Faltungshelfer“. Das heißt, durch Migalastat wird die Konformation bzw. Faltung des Enzyms so verändert, dass es seine Funktionsfähigkeit teilweise wiedererlangt und Glykosphingolipide wieder abbauen kann. Man bezeichnet dieses Wirkprinzip auch als pharmakologischer Chaperon. Ein weiteres Beispiel ist das bei Phenylketonurie eingesetzte Sapropterin.

Bei vielen angeborenen Stoffwechselerkrankungen werden bestimmte Stoffwechselprodukte nicht abgebaut und führen zu Schäden im Organismus. Durch Enzymhemmung kann erreicht werden, dass toxische Stoffwechselprodukte vermindert gebildet werden. Ein Beispiel dafür ist das Nitisinon, dass bei Tyrosinämie Typ 1 zum Einsatz kommt. Bei der Erkrankung ist der Abbau der Aminosäure Tyrosin gestört, der normalerweise in mehreren enzymatischen Schritten erfolgt. Durch Nitisinon wird ein früher Schritt des Tyrosinabbaus gehemmt, sodass die toxischen Abbauprodukte nicht mehr oder vermindert gebildet werden. Weitere Beispiele für Enzymhemmer sind Miglustat und Eliglustat bei Morbus Gaucher.