Zusatzinformationen zu besonderen Entwicklungen bei den Diabetesmitteln A10 Antidiabetika Zu Diabetesmitteln gehören unterschiedliche Arzneimittel, die entweder die Insulinfreisetzung erhöhen oder durch andere Mechanismen den Blutzucker senken. Die Ausgaben der GKV für Antidiabetika lagen 2019 bei 2,2 Mrd. Euro.

Veröffentlicht am: 18.08.21

Bei den Antidiabetika ist seit 2017 ein beschleunigter Verbrauchszuwachs für die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei nicht-Insulinpflichtigem Diabetes zu beobachten: Während von 2012 bis 2016 die jährliche Zuwachsrate sich um 1% bewegte, stieg sie zwischen 2017 und 2020 von 1,8 auf 5,9%. Der Verbrauch von Insulinen zeigt dagegen seit 2017 eine langsame, aber eindeutig rückläufige Tendenz.

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health)

Diese Entwicklung ist sehr wahrscheinlich auf die Verfügbarkeit neuerer Therapieansätze zurückzuführen, die es ermöglicht bei Patienten mit Typ-2-Diabetes auf Insulin zu verzichten. Für die Patienten ist das prinzipiell von Vorteil, da Insulin bei Typ-2-Diabetes zwar zuverlässig den Blutzucker senken kann, aber Nachteile hat: Es kann Hypoglykämien auslösen und führt bei vielen Patienten zu einer Gewichtszunahme.

Ein Blick auf die Therapieansätze der Nicht-Insulin-Antidiabetika zeigt, dass Metformin weiterhin die Basis der Therapie bildet, wenn auch mit leicht sinkender Tendenz. Der Verbrauch neuerer Therapieansätze ist dagegen erheblich angestiegen, insbesondere für GLP-1-Rezeptor-Agonisten (Glutide) und SGLT2-Inhibitoren (Gliflozine). Der Verbrauch von Glutiden hat sich seit 2011 fast verfünffacht, die Gliflozine sind erst seit 2013 verfügbar und erreichten 2020 einen Verbrauch von fast 322 Mio. DDD. Zusammen mit den Glutiden entfällt mittlerweile fast die Hälfte des Verbrauchs von Nicht-Insulinen auf diese Therapieansätze. Der einstige Standard der Sulfonylharnstoffe spielt heute mit einem Verbrauchsanteil von 1% kaum noch eine Rolle.

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health)

Damit werden Patienten mit Typ-2-Diabetes, die kein Insulin benötigen, heute fast ausschließlich mit Wirkstoffen behandelt, die nicht hypoglykämisch wirken, d. h., die keine Unterzuckerung hervorrufen. Die spiegelt sich auch bei den Diabetes-Teststreifen wider: Die jährliche Menge von Blutzucker-Teststreifen, die von Apotheken abgegeben wurde, hat sich zwischen 2016 und 2020 um fast 340 Mio. verringert. Ihr Verbrauch war damit 2020 um ein Viertel geringer als noch 2016.