Innovationen bei Mitteln zur Behandlung von Viruserkrankungen J05 Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung

Veröffentlicht am: 14.12.18

Neueinführungen zwischen 2013 und 2017.
JahrWirkstoffTherapieansatzAnwendung
2013Emtricitabin, Tenofovirdisoproxil, Elvitegravir und CobicistatNukleosidische, nukleotidische Inhibitoren der reversen Transkriptase (NRTI)HIV/Aids
2014SofosbuvirNS5B-HemmerChronische Hepatitis C
2014DolutegravirIntegrasehemmerHIV/Aids
2014SimeprevirProteasehemmerChronische Hepatitis C
2014DaclatasvirNS5A-HemmerChronische Hepatitis C
2014Ledipasvir und SofosbuvirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2015DasabuvirNS5B-HemmerChronische Hepatitis C
2015Ombitasvir, Paritaprevir und Ritonavir Kombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2016Elbasvir und GrazoprevirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2016Velpatasvir und SofosbuvirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2016Tenofoviralafenamid in insgesamt drei unterschiedlichen FixkombinationenNRTIHIV/Aids
2017TenofoviralafenamidNukleosideHepatitis B
2017Sofosbuvir, Velpatasvir und VoxilaprevirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2017Glecaprevir und PibrentasvirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2017Emtricitabin, Tenofoviralafenamid, Darunavir und CobicistatNRTIHIV/Aids
Quelle: IGES, eigene Recherche

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Zwischen 2013 und 2017 wurden insgesamt 17 neue Produkte zur systemischen antiviralen Therapie eingeführt. Diese enthalten 17 neue Wirkstoffe – wobei einzelne Wirkstoffe, wie z. B. Tenofoviralafenamid, mehrfach in verschiedenen Kombinationen zugelassen wurden und einige Kombinationen, insbesondere zur Anwendung bei chronischer Hepatitis C, zwei neue Wirkstoffe enthalten. Tenofoviralafenamid wurde außerdem für zwei verschiedene Anwendungsgebiete zugelassen. Der Großteil der Wirkstoffe, nämlich insgesamt 13, wird bei der chronischen Hepatitis C eingesetzt, vier neue Wirkstoffe erweitern das verfügbare Armamentarium zu Therapie von HIV/Aids, und das Tenofoviralafenamid wird zusätzlich zur Behandlung der Hepatitis B angewendet.

Die zur Therapie der chronischen Hepatitis C neu eingeführten Wirkstoffe wurden zunächst als Monopräparate zugelassen, die mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden müssen. Die nachfolgenden Produkte kamen ausschließlich als fixe Wirkstoffkombinationen auf den Markt: Ähnlich wie bei HIV/Aids ist es für die Viruselimination bei chronischer Hepatitis C erforderlich, eine Wirkstoffkombination zu verabreichen.

Bis auf den Integrasehemmer Dolutegravir wurden die neuen Wirkstoffe gegen das HIV alle in Form von Fixkombinationen zugelassen und ergänzen den bereits etablierten Therapieansatz der NNRTI (nichtnukleosidische Hemmstoffe der reversen Transkriptase). Alle Kombinationen enthalten Tenofovir, das in Form des Tenofovirdisoproxil bereits seit vielen Jahren zur Verfügung steht. Es wurde nun als Tenofoviralafenamid in unterschiedlichen Fixkombinationen auf den Markt gebracht. Sowohl Tenofoviralafenamid als auch Tenofovirdisoproxil sind Prodrugs, die im Organismus in die aktive Form, das Tenofovir, überführt werden. Bei Tenofoviralafenamid geschieht dies erst in den Zielzellen, sodass weniger Tenofovir entsteht, das im übrigen Organismus wirkt bzw. dort zu unerwünschten Wirkungen führt. Man erhofft sich dadurch eine bessere Verträglichkeit.