Besondere Entwicklungen bei den Mitteln zur Behandlung von Viruserkrankungen J05 Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung

Veröffentlicht am: 14.12.18

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health)

In der Teil-Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der chronischen Hepatitis C hat es in den letzten Jahren durch die Einführung der DAA (direkt wirkende antivirale Wirkstoffe) eine sehr dynamische Entwicklung mit extremen Umwälzungen gegeben. Der Verbrauchsanteil von Fixkombinationen stieg 2017 sprunghaft an von 48,1 % im Vorjahr auf nun 80,4 %. Entsprechend gingen die Anteile aller anderen Therapieansätze zurück. Am geringsten ging der Anteil der Nukleoside im betrachteten Zeitraum zurück (von 23,4 auf 11,2 %). Einziger Vertreter dieses Therapieansatzes ist Ribavirin, das weiterhin eine Rolle als Kombinationspartner für die neuen DAA spielt.

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health)

Die bei Hepatitis C eingesetzten Wirkstoffe werden zwar unterschiedlichen Therapieansätzen zugeordnet, dennoch ist es sinnvoll, die Wirkstoffe gemeinsam zu betrachten, da sie einerseits in unterschiedlichen Kombinationen untereinander eingesetzt werden und andererseits sich die Entwicklung der letzten Jahre einfacher unter Betrachtung aller verfügbaren Wirkstoffe erklären lässt. Lediglich Peginterferon alpha wird hier nicht berücksichtigt, da es einerseits zu einer anderen Indikationsgruppe (L03) gehört und außerdem nicht mehr als Therapiestandard anzusehen ist (Sarrazin et al. 2017).

Am auffälligsten ist im betrachteten Zeitraum 2015–2017 der Anstieg der Verbrauchsanteile der beiden im Jahr 2015 eingeführten Fixkombinationen Sofosbuvir/Velpatasvir und Elbasvir/Grazoprevir auf 24,6 bzw. 21,8 % im Jahr 2017. Damit entfallen insgesamt 46,4 % des Verbrauchs auf diese beiden Kombinationen. Eklatant ist außerdem der Rückgang der Einzelwirkstoffe Sofosbuvir und Daclatasvir mit Anteilen von nur noch 2 bzw. 0,9 %. Relevante Anteile finden sich bei den Einzelwirkstoffen im Jahr 2017 nur für Ribavirin (22,2 %) und Dasabuvir (5,4 %). Dasabuvir wird mit Ombitasvir, Paritaprevir und Ritonavir sowie ggf. zusätzlich mit Ribavirin verabreicht. Die übrigen Fixkombinationen können ohne weiteren Kombinationspartner angewendet werden.

Die Entwicklungen zeigen eine sehr dynamische Marktentwicklung, bei der es nur wenige Jahre nach Einführung des ersten DAA der zweiten Generation (Sofosbuvir) zu einer kompletten Umwälzung gekommen ist und einige Wirkstoffe nach nur wenigen Jahren praktisch bedeutungslos sind. Dazu gehören Daclatasvir und Simeprevir, deren Verbrauchsanteile 2017 bei nur noch 0,9 bzw. 0,1 % lagen. Die beiden 2011 eingeführten Proteasehemmer Boceprevir und Telaprevir sind inzwischen praktisch vom Markt verschwunden.

Ursache für die tiefgreifenden Veränderungen sind die zahlreichen Neueinführungen seit 2014, durch welche sich die therapeutischen Möglichkeiten grundlegend verändert haben. Da die neuen Wirkstoffe einen Verzicht auf Interferon und teilweise auch Ribavirin ermöglichen, die Therapiezeiten kürzer, Wirksamkeit und Verträglichkeit sehr viel besser sind, erfolgte eine rasche Umstellung der angewendeten Therapieschemata. Dieses Vorgehen entspricht der aktuellen S3-Leitlinie zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Infektion, in der die Anwendung von DAA als Therapiestandard empfohlen wird (Sarrazin et al. 2017).

Literatur