Versorgungssituation bei Brustkrebs- und Prostatakrebsmitteln L02 Endokrine Therapie (zytostatische Hormone)

Veröffentlicht am: 09.09.17

Quelle: IGES nach RKI und GEKID (2015) Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin.

Das Robert Koch-Institut und die Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland schätzen die Inzidenz von Brustkrebs bei Frauen für das Jahr 2016 auf 65.500 (RKI und GEKID 2015). Dies entspricht rund 58.400 Erkrankten in der GKV. Für Prostatakrebs wird für 2016 eine Inzidenz von rund 66.900 Fällen in Deutschland geschätzt, dies entspricht rund 55.900 Patienten in der GKV. Für 2016 ist also in der GKV mit etwa 114.300 Neuerkrankungen von Brust- oder Prostatakrebs in der GKV zu rechnen.

Im Zeitraum zwischen 2005 und 2008 wurde in Deutschland ein Mammografiescreening eingeführt. Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden seitdem im Intervall von 2 Jahren angeschrieben und aktiv zu einer Mammografie-Früherkennungsuntersuchung eingeladen. Mit Einführung dieses Screeningprogramms stieg die Inzidenz (rohe Rate) für Brustkrebs in den ersten Jahren deutlich an, ging 2009 zurück und war zwischen 2010 und 2013 stabil (Zentrum für Krebsregisterdaten 2017). Für 2016 wird eine weiter abnehmende Inzidenz prognostiziert (RKI und GEKID 2016). In der Einführungsphase des Screeningprogramms wurde die Diagnose Brustkrebs offensichtlich häufiger als in den Jahren zuvor gestellt. Ein Rückgang der Brustkrebsinzidenz wurde auch in anderen Ländern festgestellt, z. B. den USA oder Norwegen. Es konnte in verschiedenen Analysen gezeigt werden, dass der Rückgang der Brustkrebsinzidenz mit dem Rückgang der postmenopausalen Hormontherapie korreliert (z. B. Katalinic et al. 2009, Ravdin et al. 2007, Suhrke und Zahl 2015, Weedon- Fekjær et al. 2010).

Für Prostatakrebs hat die Anzahl der Neuerkrankungen aufgrund verbesserter und vermutlich regelmäßiger bzw. breiter angewendeter Diagnostik bis 2007 kontinuierlich zugenommen. Die Anzahl der Neuerkrankungen blieb anschließend bis 2011 relativ konstant und ging sowohl 2012 als auch 2013 zurück (Zentrum für Krebsregisterdaten 2016). Das Alter der Patienten bei Erstdiagnose und die altersstandardisierten Sterberaten sind in den letzten Jahren leicht rückläufig, da auch frühere Krankheitsstadien vermehrt erkannt werden (RKI und GEKID 2016, Rohde et al. 2009).

Inwieweit bei Patienten mit Brust- oder Prostatakrebs ein Bedarf für eine Therapie mit zytostatischen Hormonen besteht, kann kaum geschätzt werden, da es zu viele unbekannte Variablen gibt, insbesondere in Bezug auf die Progredienz der Erkrankung bei Diagnosestellung. An dieser Stelle sei daher lediglich dargestellt, wie viele Patienten mit den zytostatischen Hormonen ambulant hätten behandelt werden können, wenn angenommen wird, dass für die Therapie an jedem Tag des Jahres je 1 DDD eines zytostatischen Hormons erforderlich ist.

Mit den Arzneimitteln zur endokrinen Therapie des Prostatakarzinoms hätten 2016 rund 150.000 Männer behandelt werden können. Die Zahl der behandelbaren Patienten ist in den letzten fünf Jahren nur geringfügig angestiegen, 2016 um 0,6% im Vergleich zum Vorjahr. Die Angaben zu den behandelbaren Patienten stellen nur eine grobe Schätzung dar, da einerseits ein Teil der Patienten nicht über ein ganzes Jahr behandelt wird und andererseits Patienten mit mehr als einem Wirkstoff behandelt werden können, sodass der tägliche Bedarf ggf. höher als 1 DDD ist.

Mit den bei Brustkrebs eingesetzten Mitteln hätten im Jahr 2016 rund 253.000 Patientinnen behandelt werden können. Damit ist die Anzahl behandelbarer Patientinnen verglichen mit den Vorjahren erneut leicht angestiegen (um 2,5%). Sie übersteigt die Zahl der Neuerkrankungen bei Weitem, allerdings ist die Zahl der Neuerkrankten nicht identisch mit der Prävalenz (s. o.). Zu berücksichtigen ist außerdem, dass die adjuvante Therapie nicht bei allen Frauen mit Mammakarzinom indiziert ist. Besteht jedoch eine Indikation, so wird die Therapie in der Regel für 5, evtl. auch für 10 Jahre durchgeführt (Leitlinienprogramm Onkologie 2012).

Literatur zur Versorgungssituation bei Brustkrebs- und Prostatakrebsmitteln

  • Robert Koch-Institut (RKI), Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) (Hrsg.) (2015). Krebs in Deutschland 2011/2012. Berlin.
  • Zentrum für Krebsregisterdaten im RKI (2016) www.krebsdaten.de/abfrage. (Abfrage vom 25.08.2017)
  • Katalinic A, Lemmer A, Zawinell A, Rawal R, Waldmann A (2009) Trends in hormone therapy and breast cancer incidence – Results from the German Network of Cancer Registries. Pathobiology 76: 90–97
  • Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und Deutschen Krebshilfe e. V. (Hrsg.). Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Langversion 3.0. 2012, http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07-abgelaufen.pdf (25.08.2017)
  • Ravdin PM, Cronin KA, Howlader N, Berg CD, Chlebowski RT, Feuer EJ, Edwards BK, Berry DA (2007) The decrease in breast-cancer incidence in 2003 in the United States. N Engl J Med 356: 1670–1674
  • Rohde V, Weidner W, Katalinic A (2009) Decrease in prostate cancer incidence and mortality in Germany – effects of opportunistic PSA screening or more? Urol Int 83: 134–140
  • Suhrke P, Zahl PH (2015) Breast cancer incidence and menopausal hormone therapy in Norway from 2004 to 2009: a register-based cohort study. Cancer Med 4: 1303–1308
  • Weedon-Fekjær H, Bakken K, Vatten LJ, Tretli S (2012) Understanding recent trends in incidence of invasive breast cancer in Norway: age-period-cohort analysis based on registry data on mammography screening and hormone treatment use. BMJ 344:e299