Mittel mit dämpfender Wirkung auf das Zentralnervensystem (Psycholeptika) N05 Psycholeptika

Veröffentlicht am: 21.01.19

Als Psycholeptika werden Arzneimittel bezeichnet, die überwiegend hemmend auf bestimmte Abläufe im zentralen Nervensystem wirken.

Pharmakotherapeutische Übersicht zu den Psycholeptika*
Teil-IndikationsgruppeTherapieansatzWirkstoff (Einführung**)
Neuroleptika und AntipsychotikaTypische, niedrig- bis mittelpotente Neuroleptika wirken schwach antipsychotisch und ausgeprägt sedierendLevomepromazin
Perazin
Thioridazin
Melperon
Pipamperon
Chlorprothixen
Zuclopenthixol
Sulpirid
Prothipendyl
Typische, hochpotente Neuroleptika wirken antipsychotisch und können typische, extrapyramidal-motorische Störungen verursachenFluphenazin
Perphenazin
Haloperidol (1958)
Bromperidol
Benperidol
Droperidol
Flupentixol
Fluspirilen
Pimozid
Atypische Neuroleptika wirken antipsychotisch verursachen seltener extrapyramidal-motorische StörungenSertindol (1997)
Ziprasidon (2002)
Lurasidon (2014)
Loxapin
Clozapin (1970er)
Olanzapin (1996)
Quetiapin (2000)
Asenapin (2010)
Amisulprid (1999)
Risperidon (1994)
Aripiprazol (2004)
Paliperidon (2007)
Tiaprid wirkt bei bestimmten BewegungsstörungenTiaprid
Lithium wirkt prophylaktisch bei Manien und DepressionenLithium (1949)
Anxiolytika und SedativaBenzodiazepine wirken im ZNS dämpfend durch Verstärkung des hemmenden Transmitters GABADiazepam (1963)
Chlordiazepoxid (1960)
Medazepam
Oxazepam
Dikaliumclorazepat
Lorazepam
Bromazepam
Clobazam
Prazepam
Alprazolam (1984)
Flurazepam
Nitrazepam
Flunitrazepam (1979)
Triazolam (1979)
Lormetazepam (1980)
Temazepam (1981)
Midazolam (1984)
Brotizolam (1985)
Andere AnxiolytikaHydroxyzin
Buspiron (1985)
Andere SedativaChloralhydrat
Clomethiazol
Dexmedetomidin (2011)
Diphenhydramin
Doxylamin
Promethazin
Benzodiazepin verwandte Mittel wirken ähnlich wie BenzodiazepineZopiclon (1991)
Zolpidem (1991)
Zaleplon (1999)
Melatonin-Rezeptor-Agonisten wirken schlafförderndMelatonin (2008)
Tasimelteon (2016)
* Genannt sind alle Wirkstoffe, die zwischen 2013 und 2017 mindestens in einem Jahr verfügbar waren. ** Bei Einführung vor 1978 kann das Jahr der tatsächlichen Einführung in Deutschland abweichen, da es dazu ggf. keine einheitlichen Angaben gibt. Quelle: IGES, eigene Recherchen

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Teil-Indikationsgruppen

Zur Indikationsgruppe der Psycholeptika gehören zwei Teil-Indikationsgruppen. Die Neuroleptika und Antipsychotika werden zur Behandlung der Schizophrenie sowie anderer wahnhafter Störungen eingesetzt. Einige der Wirkstoffe finden auch Anwendung bei Unruhe- und Verwirrtheitszuständen.

Die Anxiolytika und Sedativa umfassen Wirkstoffe, die hauptsächlich angstlösend sowie beruhigend und schlafanstoßend wirken und daher bei entsprechenden Störungen eingesetzt werden.

Therapieansätze

Wichtigste Therapieansätze bei den Neuroleptika und Antipsychotika sind die typischen und atypischen Neuroleptika. Kennzeichnend für die typischen Neuroleptika ist die Nebenwirkung der extrapyramidal-motorischen Störungen, die sich – für den Patienten unkontrollierbar – in teilweise bizarren Bewegungsabläufen äußern, die der Patient nicht kontrollieren kann. Sie treten dosisabhängig auf und können irreversibel sein. Bei den atypischen Neuroleptika treten diese motorischen Störungen seltener auf. Die typischen Neuroleptika werden zusätzlich nach ihrer antipsychotischen Potenz (niedrig, mittel, hoch) differenziert: Bei den niedrig- bis mittelpotenten Neuroleptika finden sich ausgeprägt sedierende Eigenschaften, die bei den hochpotenten Neuroleptika sehr viel geringer ausgeprägt sind. Bei den typischen, hochpotenten Neuroleptika ist das Risiko extrapyramidal-motorischer Störungen größer.

Wichtigster Therapieansatz der Anxiolytika und Sedativa sind die Bezodiazepine. Sie verstärken die Wirkung von GABA, dem wichtigsten hemmenden Botenstoffs im Zentralnervensystem. Benzodiazepine wirken angstlösend (anxiolytisch), sedativ-hypnotisch (beruhigend und schlafanstoßend), antikonvulsiv bzw. antiepileptisch und muskelrelaxierend. Wegen der antikonvulsiven Wirkung sind einige Benzodiazepine auch relevant für die Behandlung von Krampfanfällen. Als weiterer Therapieansatz sind die Benzodiazepin-verwandten Mittel zu nennen. Sie wirken ähnlich wie die Benzodiazepine, doch nutzt man hier bei der Anwendung vor allem die sedierenden und hypnotischen Wirkungen.