Verbrauch von Mitteln mit dämpfender Wirkung auf das Zentralnervensystem (Psycholeptika) N05 Psycholeptika

Veröffentlicht am: 21.01.19

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1999 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
Neuroleptika, Antipsychotika279,2285,2294,4304,5312,5315,0320,2328,8332,7337,6337,1
Anxiolytika, Sedativa315,9315,1301,5286,6276,1259,1246,1242,8233,7223,8215,7
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Psycholeptika gehören zu den häufig verordneten Arzneimitteln, von denen jedem Versicherten im Jahr 2017 im Mittel 7,7 DDD verordnet wurden.

Der Verbrauch ging von 1999 bis 2004 kontinuierlich um ein Fünftel zurück. Zwischen 2004 und 2008 lag der Verbrauch stabil bei rund 600 Mio. DDD jährlich, seit 2009 sinkt der Verbrauch wieder langsam, aber kontinuierlich. Im Jahr 2017 lag der Verbrauch von Psycholeptika bei 552,8 Mio. DDD. Dies entsprach einem Rückgang von rund 9 Mio. DDD im Vergleich zum Vorjahr und der seit vielen Jahren zu beobachtende Abwärtstrend setzte sich damit auch 2017 fort.

Die Verbrauchsentwicklung war jedoch in den Teil-Indikationsgruppen sehr unterschiedlich. Für die Anxiolytika und Sedativa zeigte sich zwischen 2007 und 2017 ein stetiger Verbrauchsrückgang von 315,9 auf 215,7 Mio. DDD, also um fast ein Drittel. Der Verbrauch von Neuroleptika stieg dagegen von 279,2 auf 337,1 Mio. DDD an, ein Zuwachs von rund 20 %. Erstmals war 2017 im betrachteten Zeitraum keine Verbrauchssteigerung für Neuroleptika zu erkennen. Den größten Anteil an der beobachteten Verbrauchssteigerung von Neuroleptika dürfte der zunehmende Bedarf in der Geriatrie haben, aufgrund der wachsenden Anzahl älterer Menschen in der GKV: Nach Angaben der KM6-Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit stieg zwischen 2004 und 2017 die Zahl der über 85-Jährigen in der GKV um rund 846.000, die Zahl der über 80-Jährigen um rund 1,497 Mio. Die Verordnungsprävalenz beispielsweise bei Demenzkranken ist dagegen kaum zurückgegangen (Schulze 2011), obwohl Warnungen zu einer erhöhten Sterblichkeit unter Neuroleptika-Therapie publiziert wurden (NN 2005). Etwa die Hälfte der Pflegeheimbewohner mit Demenz erhält ein Neuroleptikum (Gertz et al. 2012). Diese Zahlen werden durch aktuelle Zahlen bestätigt, wonach sich bei 43 % der Pflegeheimbewohner mit Demenz Neuroleptika in der Dauermedikation finden, dagegen nur bei 20 % derer ohne Demenz (Thürmann 2017).

Auf die Neuroleptika entfielen 2017 61 % des Verbrauchs der gesamten Indikationsgruppe. Unter den Therapieansätzen der Neuroleptika wiederum dominierten 2017 die atypischen Neuroleptika mit einem Verbrauchsanteil von fast 63 %; 2007 erreichte ihr Anteil lediglich 44 %.

Literatur

  • Gertz HJ, Stoppe G, Müller-Oerlinghausen B, Schmidt LG et al. (2012) Antipsychotika zur Behandlung neuropsychiatrischer Störungen bei Demenz. Nervenarzt 84: 370–373
  • NN (2005). Erhöhte Sterblichkeit unter „atypischen“ Neuroleptika bei Demenz. Arznei-Telegramm 36: 51–52
  • Schulze J (2011) Zur Versorgung von Demenzerkrankten mit Neuroleptika. In: Glaeske G, Schicktanz C: BARMER GEK Arzneimittelreport 2011. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse, Band 8 hrsg. von der BARMER GEK
  • Thürmann P (2017) Foliensatz anlässlich der Pressekonferenz zur Vorstellung des Pflege-Reports 2017 http://aok-bv.de/imperia/md/aokbv/presse/pressemitteilungen/archiv/2017/05_foliensatz_thuermann_pflege_report_2017.pdf (11.04.2018)