Veröffentlicht am: 26.06.26
| Teil-Indikationsgruppe | Verbrauch in Mio. DDD | ||||||||||
| 2007 | 2008 | 2009 | 2010 | 2011 | 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | |
| Neuroleptika, Antipsychotika | 279,2 | 285,2 | 294,4 | 304,5 | 312,5 | 315,0 | 320,2 | 328,8 | 332,7 | 337,6 | 337,1 |
| Anxiolytika, Sedativa | 315,9 | 315,1 | 301,5 | 286,6 | 276,1 | 259,1 | 246,1 | 242,8 | 233,7 | 223,8 | 215,7 |
| Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen | |||||||||||
Psycholeptika gehören zu den häufig verordneten Arzneimitteln, von denen jedem Versicherten im Jahr 2024 im Mittel 7,2 DDD verordnet wurden.
Der Verbrauch ging von 1999 bis 2004 kontinuierlich um ein Fünftel zurück. Zwischen 2004 und 2008 lag der Verbrauch stabil bei rund 600 Mio. DDD jährlich, von 2009 bis 2017 ging der Verbrauch wieder langsam, aber kontinuierlich zurück und seitdem ist jährlich ein sehr geringes, aber konstantes jährliches Wachstum von 0,2 % zu beobachten. Im Jahr 2024 lag der Verbrauch von Psycholeptika bei 559,8 Mio. DDD.
Die Verbrauchsentwicklung war jedoch in den Teil-Indikationsgruppen sehr unterschiedlich. Für die Anxiolytika und Sedativa ging im betrachteten Zeitraum ab 2014 das Wachstum bis 2019 jährlich um rund 4 % zurück, seit 2020 nur noch um etwa 1 %. Der Verbrauch von Neuroleptika stieg dagegen in den meisten Jahren geringfügig an. Die Ursachen für den Anstieg sind nicht eindeutig und vermutlich ist von mehreren Ursachen auszugehen. Vermutet werden Ausweitung der Indikation auf bipolare Störungen bei neueren Wirkstoffen sowie verbreiteter Off-Label-Use: Analysen von Routinedaten haben gezeigt, dass das gesamte Spektrum der sogenannten „F-Diagnosen“ der ICD-10-Kodes (Psychischen und Verhaltensstörungen) betroffen ist und auch alle Altersgruppen (Fritze et al. 2018). Betroffen sind alle Altersklassen. Bspw. ist die Anwendung von Neuroleptika bei Patienten mit Demenz weit verbreitet (Gertz et al. 2012, Thürmann 2017). Aber auch bei Kindern und Jugendlichen hat die Verordnung von Antipsychotika zugenommen (Dörks et al. 2023).
Auf die Neuroleptika entfielen 2024 65 % des Verbrauchs der gesamten Indikationsgruppe. Unter den Therapieansätzen der Neuroleptika wiederum dominierten 2024 die atypischen Neuroleptika mit einem Verbrauchsanteil von 70 %; 2014 erreichte ihr Anteil lediglich 58 %. Bei den Anxiolytika und Sedativa haben weiterhin die Benzodiazepine den höchsten Verbrauchsanteil, doch geht dieser weiterhin stetig zurück und lag 2024 bei 39,4 % – im Jahr 2024 waren es noch 52,3 %. Die Benzodiazepin-verwandten Mitteln erreichten in den letzten Jahren rund ein Drittel des Verbrauchsanteils, doch auch für diese ist ein langsamer Rückgang festzustellen. Ein deutliches Wachstum von Verbrauch und Verbrauchsanteilen war nur für die Melatonin-Rezeptor-Agonisten zu beobachten, deren Verbrauchsanteil 2024 bei 10,2 % lag. Von dem Orexin-Rezeptor-Antagonist Daridorexant wurden 2024 3,1 Mio. DDD verbraucht, was 1,7% des Gesamtverbrauchs von Anxiolytika und Sedativa entspricht.