Meilensteine bei Mitteln für das Nervensystem N07 Andere Mittel für das Nervensystem

Veröffentlicht am: 09.09.17

Bis 1960
  • 1954 Einführung von Pyridostigmin zur Therapie der Myasthenia gravis
1961-1980
  • Einführung von Distigmin in den 1970er-Jahren (Myasthenia gravis)
1981-2000
  • 1994 Methadon verschreibungsfähig für Substitution
  • 1996 Riluzol (amyotrophe Lateralsklerose)
  • 2000 Buprenorphin zur Opiatsubstitution zugelassen
2001-2000
  • 2005 Natriumoxybat (Narkolepsie mit Kataplexie)
  • 2010 Amifampridin (Lambert-Eaton-Syndrom)
Seit 2011
  • 2011 Tafamidis (Familiäre Amyloidpolyneuropathie)
  • 2014 Dimethylfumarat (Multiple Sklerose)
  • 2016 Pitolisant (Narkolepsie)

Aufgrund der Heterogenität der anderen Mittel für das Nervensystem gibt es für diese Indikationsgruppe keine zusammenhängende Entwicklung. An dieser Stelle sollen daher wichtige Ereignisse hervorgehoben werden.

Zu den ältesten Wirkstoffen in der Indikationsgruppe zählt das Pyridostigmin, das 1954 zur Behandlung der Myasthenia gravis eingeführt wurde. Pyridostigmin und das 1970 eingeführte Distigmin hemmen den Abbau von Acetylcholin, einem Botenstoff, der an der Skelettmuskulatur für die Signalübertragung an der sogenannten motorischen Endplatte sorgt. Bei der Myasthenia gravis ist dieser Vorgang gestört und wird durch Parasympathomimetika wie Pyridostigmin gebessert.

Das Methadon ist ein alter Wirkstoff, der bereits 1939 als synthetisches Opioid in Deutschland entwickelt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Wirkstoff – ein Gemisch aus L- und D-Methadon – als Schmerzmittel unter dem Namen „Polamidon“ vertrieben. Nur das L-Methadon ist wirksam. Nachdem es gelungen war, das Gemisch zu trennen, wurde ab 1965 nur noch L-Methadon unter dem Namen „L-Polamidon“ in den Verkehr gebracht. Ab 1974 war das Methadon als Gemisch nicht mehr verkehrs- und damit auch nicht verschreibungsfähig. Dies sollte bis 1994 so bleiben. Seitdem ist Methadon für die Opiatsubstitution wieder verordnungsfähig. In sogenannten „Methadon-Programmen“ wurden Opiatabhängige in Deutschland seit den 1970er-Jahren mit L-Methadon behandelt, allerdings mit dem Ziel der Abstinenz und nicht der Langzeitsubstitution. Diese etablierte sich erst seit Beginn der 1990er-Jahre in Deutschland (Gerlach 2004).

1996 wurde mit Riluzol erstmals ein Wirkstoff zur Behandlung der amyotrophen Lateralsklerose (ALS) eingeführt. Durch Riluzol wird die Überlebenszeit bei der unheilbaren Erkrankung verlängert (Schmidt 1996). Weitere Wirkstoffe zur Behandlung verschiedener, teilweise seltener Erkrankungen sind Natriumoxybat, Amifampridin und Tafamidis, die zwischen 2005 und 2011 auf den Markt gekommen sind. Sie werden eingesetzt bei Narkolepsie, dem Lambert-Eaton-Syndrom bzw. der familiären Amyloidpolyneuropathie vom Transthyretin-Typ (TTR-FAP).

2014 wurde Dimethylfumarat zur Behandlung der MS zugelassen und somit eine weitere oral anwendbare Therapieoption zum Einsatz bei der schubförmig remittierenden MS zur Verfügung gestellt. Fumarsäureester wie das Dimethylfumarat sind schon seit Längerem zur Behandlung der Psoriasis im Gebrauch.

2016 wurde mit Pitolisant ein Wirkstoff eingeführt, der spezifisch zur Behandlung der Narkolepsie entwickelt wurde. Interessant ist, dass Pitolisant als inverser Agonist wirkt. D.h., er hemmt nicht die Wirkung von körpereigenem Histamin am Rezeptor, sondern setzt durch Bindung an den Rezeptor dessen Aktivität herab. Voraussetzung führ das Prinzip des inversen Agonismus ist ein spontan aktiver Rezeptor, der auch in Abwesenheit eines Liganden aktiv ist.

Literatur zur Entwicklung von anderen Mitteln für das Nervensystem

  • Gerlach R. Methadon im geschichtlichen Kontext: Von der Entdeckung der Substanz bis zur Erhaltungsbehandlung. Münster: INDRO e.V. 2004, http://www.indro-online.de/methageschichte.pdf
  • Schmidt KA. Amyotrophe Lateralsklerose: Riluzol verzögert die Progression. Dtsch Arztebl 1996;93(49):A-3290