Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2016 im Überblick

Veröffentlicht am: 09.09.17

Im Jahr 2016 kam es zu einem Anstieg der Ausgaben um 4,1 % (bzw. 1.434 Mio. Euro) auf 36.270 Mio. Euro in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel nach der Jahresstatistik (KJ1) des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Damit war der Anstieg geringer als im Vorjahr (4,4%).

Der Analyse des Arzneimittel-Atlas liegen die Nationalen VersorgungsInformationen (NVI) von INSIGHT Health zugrunde. Nach dieser Marktabgrenzung stiegen die Ausgaben für Fertigarzneimittel und Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln um 3,8 % (bzw. 1.279 Mio. Euro) auf 34.658 Mio. Euro.

Für die Ausgabenentwicklung gab es verschiedene Treiber:

  • Verbrauchsbedingte Steigerungen gab es vor allem im Bereich der Immunsuppressiva und der antineoplastischen Mittel. Bei neuen Wirkstoffen zur Behandlung des Hepatitis C kam es hingegen zu einem deutlichen Verbrauchsrückgang. Für den gesamten GKV-Markt war der verbrauchsbedingter Ausgabenanstieg daher nicht mehr so hoch wie in den beiden Jahren zuvor und lag bei 1.029,3 Mio. Euro. Dies war deutlich geringer als im Vorjahr. Von diesem Anstieg waren schätzungsweise 324 Mio. Euro auf den starken Anstieg (1,0 %) der Versichertenzahlen zurückzuführen.
  • Stärksten Treiber an innovativen therapeutischen Ansätzen waren Proteinkinase-Hemmer und immunonkologische Arzneimittel zur Krebsbehandlung. Auffällig waren auch direkt wirkende Faktor-Inhibitoren (NOAKs: neue orale Antikoagulanzien) zur Vorbeugung der Thrombenbildung und neue Fixkombinationen zur Behandlung von Hepatitis C und HIV. Insgesamt führten neue innovative therapeutische Ansätze zu einem strukturell bedingten Ausgabenanstieg von 1.071,1 Mio. Euro.
  • Die Einsparungen durch die Verschreibung günstigerer Packungen, insbesondere Generika, und die Abgabe rabattierter Arzneimittel lagen bei 391,2 Mio. Euro. Die Kompensation auf die positiven Ausgabeneffekte war damit deutlicher niedriger als im Vorjahr.
  • Von 2015 nach 2016 gab es zwar keine gesetzlichen Änderungen mit direktem Einfluss auf die Preise, doch mehrere bestehende Maßnahmen führten 2016 zu Einsparungen. Neben dem allgemeinen Preiswettbewerb insbesondere Rabattverträge und Preisverhandlungen im Rahmen der frühen Nutzenbewertung. Insgesamt kam es zu einem preisbedingten Ausgabenrückgang von 430,6 Mio. Euro.
BMG (KJ1), IGES-Berechnungen

Im Arzneimittel-Atlas erfolgt die Darstellung der Ausgabenentwicklung für Fertigarzneimittel auf Basis der Erstattungspreise und für die Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln auf Basis der Taxwerte. Das heißt, alle von Herstellern und Apotheken gewährten Abschläge und Rabatte nach § 130, § 130a Abs. 1, 1a, 3a, 3b und 8, § 130b und § 130c SGB V wurden berücksichtigt. Lediglich die Zu- und Aufzahlungen der Patienten konnten nicht eingerechnet werden, da sich Informationen über erlassene Zuzahlungen wegen Überschreitung der Belastungsgrenze nach § 62 SGB V nicht der einzelnen Verordnung zuordnen ließen. Die Ausgaben ergeben sich dabei aus den ausgewiesenen Taxpreisen, d. h. hier sind die spezifischen Abschläge und Vergütungen für Zubereitungen berücksichtigt, soweit sie dem einzelnen Arzneimittel zugeordnet werden konnten. Pauschale Vergütungen an die Apotheker für die Herstellung von Zubereitungen sind nicht eingerechnet. Die hier berichteten Erstattungspreise (und Taxpreise) spiegeln somit den arzneimittelbezogenen Betrag wider, welcher von den Krankenkassen erstattet und von den Patienten gezahlt wurde. Vereinbarungen über Erstattungsbeträge nach § 130b SGB V wurden auf Basis des Informationsstands zum 01.03.2017 berücksichtigt. Es wurde davon ausgegangen, dass alle Rabatte nach § 130b, die bis zum 01.03.2017 gemeldet wurden, ab dem 13. Monat nach Markteintritt geleistet wurden.