Entwicklung der Apothekenumsätze im Jahr 2016

Veröffentlicht am: 09.09.17

Der im Arzneimittel-Atlas betrachtete Gesamtmarkt umfasst 93 Indikationsgruppen. In der folgenden Tabelle sind die zehn Indikationsgruppen ausgewiesen, welche im Jahr 2016 die größte absolute Umsatzveränderung – sei es in Form eines Anstiegs oder Rückgangs – auswiesen.

Die zehn Indikationsgruppen mit der größten absoluten Umsatzveränderung (AVP) von 2014 bis 2016 (Fertigarzneimittel und Zubereitungen).
ATC 3IndikationsgruppeUmsatz (Mio. Euro)Umsatzänderung (Mio. Euro)Umsatzänderung (%)
2014201520162014 vs. 20152015 vs. 20162014 vs. 20152015 vs. 2016
Anstieg
L04Immunsuppressiva3.536,23.972,24.606,7436,0634,512,316,0
L01Antineoplastische Mittel3.594,23.957,54.533,6363,3576,110,114,6
B01Antithrombotische Mittel1.509,41.716,71.960,2207,3243,513,714,2
S01Ophthalmika717,81.021,21.142,6303,4121,442,311,9
J07Impfstoffe1.062,61.123,21.194,560,771,35,76,3
A10Antidiabetika2.243,42.352,32.422,2108,969,94,93,0
C10Lipidsenkende Mittel583,2596,9662,213,765,32,310,9
J06Immunsera und Immunglobuline332,1366,2430,734,064,610,217,6
A16Andere Mittel für das alimentäre System und den Stoffwechsel327,9380,2441,852,361,616,016,2
Rückgang
J05Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung1.704,02.416,11.918,0712,1-498,041,8-20,6
Sonstige Gruppen22.790,922.489,122.690,6-301,7201,5-1,30,9
Gesamt38.401,640.391,542.003,11989,91.611,65,24,0
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

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Die Indikationsgruppe der antiviralen Mittel zur systemischen Anwendung (J05) war 2014 und 2015 die Gruppe mit der größten Umsatzsteigerung. Im Jahr 2016 war sie hingegen mit Abstand die Gruppe mit dem größten Umsatzrückgang in Höhe von 498 Mio. Euro. Dieser Rückgang war insbesondere Folge der Marktentwicklung zur Behandlung der chronischen Hepatitis C. Gegenüber dem Vorjahr ging der Verbrauch 2016 in diesem Therapiegebiet um 37,0 % zurück. Zusätzlich kam es für das umsatzstärkste Präparat, die Wirkstoffkombination Sofosbuvir und Ledipasvir, Ende 2015 zu Preissenkungen aufgrund der Preisverhandlungen im Anschluss an die frühe Nutzenbewertung.

Mit Ausnahme der antiviralen Mittel sind die vier Indikationsgruppen mit den größten Umsatzsteigerungen die gleichen wie im Vorjahr. Die Indikation mit dem größten Umsatzanstieg war 2016 die Gruppe der Immunsuppressiva (L04). Die größten Treiber waren dabei Secukinumab (+134,8 Mio. Euro) zur Behandlung der Psoriasis, die Orphan Drug Lenalidomid (+65,5 Mio. Euro) zur Behandlung des Multiplen Myeloms und Adalimumab (+55,9 Mio. Euro) zur Therapie der rheumatoiden Arthritis. Aufgrund des Abschlusses von Rabattverträgen gingen die Ausgaben für Adalimumab zurück (siehe Thema Individualrabatte). Der zweitstärkste Umsatzanstieg betraf die Indikationsgruppe der antineoplastischen Mittel (L01), wobei die stärksten Treiber Wirkstoffe aus der neuen Gruppe der immunonkologischen Therapeutika waren. Der Wirkstoff Nivolumab wurde im Juli 2015 in Deutschland eingeführt und steigerte 2016 seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 170,6 Mio. Euro. Das Immuntherapeutikum Pembrolizumab ist seit August 2015 verfügbar und verzeichnete 2016 einen Umsatzanstieg von 58 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr. In der Gruppe der antithrombotischen Mittel (B01) war bei den gleichen Wirkstoffen wie im Vorjahr der größte Umsatzanstieg zu beobachten, nämlich bei den Faktor-Xa-Hemmern Apixaban und Rivaroxaban. Die Umsätze für Apixaban bzw. Rivaroxaban stiegen 2016 um 144,6 Mio. Euro bzw. 69,3 Mio. Euro. Auch für den dritten Faktor-Xa-Hemmer, Edoxaban, seit August 2015 auf dem deutschen Markt, gab es 2016 einen deutlichen Anstieg um 46,2 Mio. Euro. Der Umsatzanstieg für die Ophthalmika (S01) wurde weiterhin durch die VEGF-Antagonisten Aflibercept (+61,4 Mio. Euro) und Ranibizumab (+38,3 Mio. Euro) zur Behandlung der feuchten Makuladegeneration getrieben.

Der Umsatzanstieg der Impfstoffe (J07) von 35,1 Mio. Euro war Folge von Marktverschiebungen zwischen den Anbietern von Grippe-Impfstoffen. Diese Steigerungen auf Ebene der Listenpreise wurden dann mit entsprechenden Rabattverträgen bei der Erstattung kompensiert. Bei den Antidiabetika (A10) zeigte sich 2016 der größte Umsatzanstieg für das langwirkende Analoginsulin Insulin glargin (+64,9 Mio. Euro). Gleichzeitig gab es innerhalb dieses Therapieansatzes aber auch einen Umsatzrückgang von 31,9 Mio. Euro für Insulin degludec, da es Novo Nordisk vom Markt genommen hatte. Das orale Antidiabetikum mit dem größten Umsatzanstieg war 2016 der GLP1-Rezeptor-Agonist Dulaglutid (+31,6 Mio.). Bei den lipidsenkenden Mitteln (C10) stiegen 2016 insbesondere die Umsätze für Atorvastatin, und zwar sowohl für das Monopräparat (+21,6 Mio. Euro) als auch die Fixkombination mit Ezetimib (+31,6 Mio. Euro). In der Gruppe der Immunsera und Immunglobuline (J06) wurde der Umsatzanstieg insbesondere durch humane Immunglobuline getrieben, sei es zur intravasalen (+49,5 Mio. Euro) oder extravasalen (+11,2 Mio. Euro) Anwendung. Die Gruppe der anderen Mittel für das alimentäre System und den Stoffwechsel (A16) umfasst hauptsächlich Orphan Drugs zur Behandlung erblich bedingter Stoffwechselkrankheiten. Allein in den Jahren 2014 und 2015 waren fünf neue Wirkstoffe verfügbar geworden. Den größten Umsatzanstieg zeigte sich für Asfotase alfa (+11,4 Mio. Euro) zur Behandlung einer Störung im Knochenstoffwechsel (Hypophosphatasie).