Betrachtung des Arzneimittelmarktes für Individualrabatte im Jahr 2016

Veröffentlicht am: 09.09.17

Die individuellen Rabattverträge nach § 130a Abs. 8 bzw. § 103c SGB V sind mittlerweile ein etabliertes Instrument in der Arzneimittelversorgung der GKV, das in seiner Bedeutung als Sparinstrument auch 2016 weiter zunahm.

Das Umsatzvolumen unter Rabatt stieg auch 2016 deutlich. Im Jahr 2016 wurden Arzneimittel mit einem Umsatz (nach Apothekenverkaufspreis) von insgesamt 14.487,2 Mio. Euro im Rahmen von Rabattverträgen abgegeben. Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Anstieg von 2.148,7 Mio. Euro. Da ein größeres Marktvolumen von Rabatten betroffen war, stieg auch das Volumen der geleisteten Rabatte.

Anteil rabattierter Fertigarzneimittel am Fertigarzneimittelumsatz und durchschnittlicher Rabatt nach Kassenart im Jahr 2016
Kassenart*Umsatz rabattierter Arzneimittel (Mio. Euro)Anteil am Gesamtumsatz (%)Verbrauch rabattierter Arzneimittel in DDD (Mio.)Anteil am Gesamtverbrauch (%)Durchschnittlicher Rabatt auf AVP (%)
EKK5.763,742,39.516,464,823,3
AOK5.350,935,711.083,664,130,2
BKK1.943,737,53.432,658,324,8
KBS505,441,61.147,468,725,4
IKK747,630,31.233,945,231,3
LKK176,044,0396,971,427,4
Ohne Zuordnung0,00,00,00,0
Summe14.487,237,526.810,761,826,6
* AOK: Allgemeine Ortskrankenkassen; BKK: Betriebskrankenkassen; EKK: Ersatzkrankenkassen; IKK: Innungskrankenkassen; KBS: Knappschaft inkl. See-Krankenversicherung; LKK: Landwirtschaftliche Krankenkasse; Ohne Zuordnung: Kostenträger unbekannt und sonstige Kostenträger Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

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Die Betrachtung des Rabattmarktes erfolgt im Gegensatz zur Komponentenzerlegung im Arzneimittel-Atlas auf Basis des Umsatzes, also der Apothekenverkaufspreise (AVP), und nicht auf Basis der Ausgaben (d. h. der Erstattungspreise), da die Einsparungen durch individuelle Rabattverträge bei den Ausgaben bereits berücksichtigt sind. Der Vergleich des Marktes mit und ohne Rabattverträge auf Basis der Ausgaben würde somit zu einer relativen Unterschätzung der Bedeutung von Rabattverträgen führen. Des Weiteren erfolgt die Betrachtung nur für den Bereich der Fertigarzneimittel, da die Rabatte nicht für Zubereitungen gelten.

Die Bestimmung des durchschnittlichen Rabatts für das Berichtsjahr erfolgte auf Basis der amtlichen Statistik KV45 (vorläufige Rechnungsergebnisse der GKV). Laut der Statistik KV45 (Stand 13.03.2017) des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) verbuchten die Kassen im Jahr 2016 3.852,3 Mio. Euro Rabatte durch individuelle Verträge – ein Anstieg von 5,4 % gegenüber dem Vorjahr. Bezogen auf die Umsätze individualrabattierter Arzneimittel in Höhe von 14.487,2 Mio. Euro im Jahr 2016 ergab dies einen Rabatt von 26,5 % auf den AVP. Aufgrund des stärkeren Anstiegs des Umsatzes unter Rabatt als der geleisteten Rabatte ging die Quote damit gegenüber dem Vorjahr zurück.

Da der individuelle Rabatt allein durch den Hersteller geleistet wurde, war aus seiner Sicht der prozentuale Abschlag je Verordnung noch höher. Gemessen am Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU) betrug der Umsatz unter Rabatt im Jahr 2016 8.204,7 Mio. Euro. Daraus resultierte ein durchschnittlich geleisteter Rabatt durch die Hersteller von 47,0 %.

Für die weitere Berechnung wurde berücksichtigt, dass sich zwischen den einzelnen Kassenarten deutliche Unterschiede bezüglich der gewährten Rabatte ergeben, sodass ein kassenartspezifischer durchschnittlicher Rabatt ermittelt und für die weiteren Berechnungen verwendet wurde (s. Tabelle oben).

Nach Kassenarten betrachtet, hatte die Landwirtschaftliche Krankenkasse (LKK) 2016 nach Umsatz den höchsten Anteil unter Rabatt (44,0 %). Beim Verbrauch war die Quote mit 71,4 % ebenfalls am höchsten. Bei den Innungskassen (IKK) war die Quote mit 30,3 % weiterhin am geringsten. Gleiches galt für den Verbrauch mit einer Quote von 45,2 %. Das geringe Niveau war weiterhin auf eine einzelne Kasse des IKK-Systems und eine Untererfassung in der Apothekensoftware zurückzuführen. Klammert man diese Kasse aus, dann hatten die übrigen IKKen 2016 eine Rabattquote von 62,8 % des Verbrauchs. Das größte Umsatzvolumen mit 5.763,7 Mio. Euro erreichten 2016 wieder die Ersatzkassen (EKK), nachdem 2015 noch die AOKen das größte Volumen hatten. Gemessen am Verbrauch blieben die AOKen auch 2016 die Kassenart mit dem größten Verbrauchsvolumen unter Rabatt, das bei 11 083,6 Mio. DDD lag.

Bei der Bestimmung der Einsparungen durch Rabattverträge muss bedacht werden, dass aus Sicht der Kassen Mehrkosten in Form erlassener Zuzahlungen anfallen. Diese betrugen im Jahr 2016 schätzungsweise 189,2 Mio. Euro (Dabei wurde berücksichtigt, dass ein rabattiertes Arzneimittel bereits im Rahmen eines Festbetrags von der Zuzahlung befreit sein konnte (§ 31 Abs. 3 SGB V). Dadurch reduzierte sich der wahre Einspareffekt für die Kassen auf 3.663,1 Mio. Euro.

Neben den beschriebenen direkten Einsparungen durch Rabattverträge gibt es auch indirekte Spareffekte, die sich aber nur schwer erfassen lassen. Beispielsweise entstehen Substitutionseffekte, wenn Ärzte wegen des geringeren Regressrisikos oder eines finanziellen Anreizes durch die Kasse den Patienten von einem teureren Wirkstoff auf einen rabattierten Wirkstoff umstellen. Diese finanziellen Anreize können die Kassen nach § 130a Abs. 8 Satz 5 SGB V gewähren. Diese strukturellen Effekte schlagen sich dann auch in der Generika- und Herstellerkomponente der Komponentenzerlegung nieder.

Es gibt aber auch Mehrkosten, die sich nicht wie die erlassenen Zuzahlungen zumindest teilweise fassen lassen. So fallen administrative Kosten für die Ausschreibung und das Management der Verträge an. Die Höhe dieser Kosten ist allerdings nicht bekannt.