Individualrabatte nach Patentstatus

Veröffentlicht am: 09.09.17

Der Markt für Arzneimittel, die im Rahmen eines Rabattvertrags nach § 130a Abs.  8 bzw. § 130c SGB V abgegeben wurden, hatte 2016 eine noch mal erhöhte Dynamik. Der Rabattmarkt war von 2014 nach 2015 um 14,7 % gestiegen, von 2015 auf 2016 waren es nun noch einmal 17,4 %. Die Gesamtsumme des Rabattmarktes belief sich 2016 auf 14.487,2 Mio. Euro.

Bezogen auf den gesamten Fertigarzneimittelmarkt der GKV ist der Anteil rabattierter Arzneimittel an den Verordnungen hoch: Fast zwei Drittel aller Verordnungen (61,8 %) erfolgten 2016 im Rahmen von Rabattverträgen. Gemessen am Umsatz betrug der Anteil aber nur 37,5 %, weil bei Rabattverträgen weiterhin niedrigpreisige generische Wirkstoffe dominierten.

Anteil rabattierter Fertigarzneimittel am Fertigarzneimittelumsatz nach Patentstatus im Jahr 2016
KassenartUmsatz rabattierter Arzneimittel (Mio. Euro)Anteil am Gesamtumsatz (%)Anteil am gesamten Rabattmarkt (%)Verbrauch rabattierter Arzneimittel in DDD (Mio.)Anteil am Gesamtverbrauch (%)Anteil am gesamten Rabattmarkt (%)
Generika8.159,168,556,325.086,374,893,6
Biosimilar126,549,90,910,454,20,0
Altoriginal2.024,840,314,0743,224,22,8
Keine Generikasituation1.106,413,97,6523,712,02,0
Patent3.070,522,721,2447,118,81,7
Summe14.487,237,5100,026.810,761,8100,0
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

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Der stärkere Anstieg gemessen am Umsatz als am Verbrauch ist ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung von Rabattverträgen im patentgeschützten Bereich sowie biotechnologischen Wirkstoffen, deren Preise gemessen am Umsatz je DDD über dem Durchschnitt der GKV liegen.

Von der Gesamtsumme des Umsatzes unter Rabatt entfielen 71,2 % auf den sogenannten generikafähigen Markt, bestehende aus Generika, Biosimilars und Altoriginalen. Damit befanden sich im Jahr 2016 60,0 % des generikafähigen Marktes (inkl. Biosimilars) unter einem Rabattvertrag. Gegenüber dem Vorjahr (56,7 %) hatte sich die Quote damit deutlich erhöht. Der Markt der Biosimilars leistete dabei auch einen Beitrag zum Anstieg der Quote. Lag der Anteil gemessen am Umsatz der Biosimilars 2015 noch bei 17,8 %, so waren es 2016 immerhin wieder 49,9 % (die Quote hatte ihren höchsten Wert im Jahr 2012 mit 64,0 %). Diese Zunahme ist vor allem auf die Markteinführung von Biosimilars für Infliximab und Etanercept zurückzuführen. Die Krankenkassen hatten bevorzugt „Open House“-Verträge ausgeschrieben, d. h. jeder Hersteller konnte teilnehmen, solange er die Vertragsbedingungen erfüllte. Für die Biosimilars von Infliximab wurden 2016 89,8 % des Umsatzes im Rahmen von Rabattverträgen erzielt. Für das Referenzprodukt waren es immerhin 77,6 %. Im Falle von Etanercept erreichten Biosimilars eine Quote von 76,2 % und das Referenzprodukt 62,2 %. Bei Arzneimitteln, die 2015 und 2016 unter Patentschutz standen, stiegen die Umsätze unter Rabattvertrag von 2015 nach 2016 um 58,2 %. Das Segment hatte damit ein Volumen von 3.070,5 Mio. Euro. Der mit Abstand größte absolute Anstieg bei patentgeschützten Arzneimitteln zeigte sich 2016 für die Wirkstoff Adalimumab zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Hatte es 2015 noch keine Rabattverträge für den Wirkstoff gegeben, betrug das Rabattvolumen 2016 359,7 Mio. Euro. Dies war eine Quote von 37,1 % bezogen auf den Umsatz. Den zweitgrößten Anstieg gab es für Fingolimod, das zur Behandlung der Multiplen Sklerose eingesetzt wird. Das Rabattvolumen stieg um 110 Mio. Euro auf 124 Mio. Euro. Damit erhöhte sich der Anteil des Umsatzes unter Rabatt von 6,6 % auf 50,3 %.

Rabattverträge für patentgeschützte Wirkstoffe blieben somit auch 2016 attraktiv. Durch die „Exklusivität“ der Wirkstoffe ergeben sich zwar nur geringe Möglichkeiten, den Absatz auszuweiten. Aber neben der Sicherstellung der Wirtschaftlichkeit spielen weitere strategische Elemente eine Rolle. In Märkten mit einem hohen Anteil von Parallelimporten, bei Wirkstoffen, die kurz vor Patentablauf stehen, oder Verträgen, bei denen Ärzte eingebunden sind, können Rabattverträge helfen, Umsätze zu halten oder auszuweiten. In letzterem Fall könnten Ärzte auch einen Anreiz erhalten, anstelle eines bisher bevorzugt verordneten nicht rabattierten Wirkstoffs einen rabattierten Wirkstoff mit vergleichbarer therapeutischer Wirkung zu verordnen. Inwieweit sogenannte mehrdimensionale Verträge (z. B. Mehrwertverträge oder Risk/Cost-Sharing-Verträge) in der GKV von Bedeutung sind, lässt sich nicht abschätzen, da die Apothekensoftware keine Auskunft darüber gibt, welcher Typ von Rabattvertrag vorliegt. Bei einem mehrdimensionalen Vertrag können z. B. zusätzliche Leistungen durch den Hersteller enthalten sein oder der Hersteller übernimmt das Risiko bei ausbleibendem Therapieerfolg.