Ausgabenänderungen im Jahr 2016 durch Innovationen

Veröffentlicht am: 09.09.17

Die Komponente „Therapieansatz“ wird positiv, wenn zwischen Berichts- und Vorjahr innerhalb einer Indikationsgruppe der Verbrauchsanteil von Wirkstoffgruppen, die mehr kosten als der Durchschnitt aller Therapieansätze, in dieser Indikationsgruppe zunimmt. Die Komponente „Analog-Wettbewerb“ zeigt die Ausgabenveränderungen durch Verschiebungen der Verbrauchsanteile zwischen den Wirkstoffen eines Therapieansatzes an. Ist die Komponente positiv, hat sich der Anteil von teureren Wirkstoffen gegenüber dem Anteil niedrigpreisiger Wirkstoffe erhöht.

Die Verschiebung zwischen therapeutischen Ansätzen kann sowohl Gruppen von Analogwirkstoffen betreffen als auch Wirkstoffgruppen, die aktuell nur durch einen einzigen Wirkstoff definiert sind. Ebenso kann ein Therapieansatz Wirkstoffe umfassen, die einen analogen Wirkmechanismus aufweisen, die aber dennoch bei sehr unterschiedlichen Erkrankungen eingesetzt werden, wie z. B. die Proteasehemmer bei den antineoplastischen Mitteln.

Da neue Therapieoptionen zumeist patentgeschützt und damit teurer als etablierte Therapieoptionen sind, drückt die Summe der beiden Komponenten zusammen Ausgabensteigerungen durch den Einsatz neuer Arzneimittel aus.

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Wie bei den Erläuterungen zur verbrauchsbedingten Ausgabenentwickung ausgeführt, ist zusätzlich ein Teil der Verbrauchsteigerungen als Verlagerung hin zu neuen Therapieansätzen über Indikationsgruppen hinweg anzusehen. Im Jahr 2016 trug die Indikationsgruppe der antineoplastischen Mittel (L01) mit 372,9 Mio. Euro am stärksten zur Ausgabensteigerung durch diese Hauptkomponente bei. In der Gruppe der antineoplastischen Mittel nahm dabei insbesondere der Verbrauchsanteil der Proteinkinase-Hemmer und immunonkologischen Arzneimittel weiter zu. Auffallende Ausgabensteigerungen gab es des Weiteren in der Gruppe der antithrombotischen Mittel (B01) mit 197,6 Mio. Euro und der Gruppe der antiviralen Mittel zur systemischen Anwendung (J05) mit 108,0 Mio. Euro.

Grund für den Ausgabenanstieg durch Innovationen in der Gruppe der antithrombotischen Mittel waren weiterhin die steigenden Verbrauchsanteile der direkt wirkenden Faktor-Xa-Inhibitoren. In der Gruppe J05 fanden zum einen Verschiebungen zwischen den Therapieansätzen zur Behandlung der Hepatitis C statt, insbesondere zugunsten der seit Mitte Juli 2016 verfügbaren Fixkombination aus dem NS5B-Hemmer Sofosbuvir und dem NS5A-Hemmer Velpatasvir. Zusätzlich verschoben sich auch in der Teil-Indikationsgruppe HIV die Marktanteile insbesondere hin zu Fixkombinationen.

In Bezug auf Indikationsgruppen mit negativer Innovationskomponente war keine besonders auffällig. Die größten Einsparungen mit 11,5 Mio. Euro gab es in der Gruppe der anderen Mittel für den Respirationstrakt (R07). In dieser Indikationsgruppe kam für die Behandlung der zystischen Fibrose (Mukoviszidose) 2012 mit Ivacaftor der erste Wirkstoff auf den Markt, der auf zellulärer Ebene den Störungen entgegenwirkt, die durch ganz bestimmte seltene Mutationen im sogenannten CFTR-Gen hervorgerufen werden. Im Dezember 2015 wurde die Fixkombination Ivacaftor und Lumacaftor in Deutschland eingeführt. Die Kombination wird bei Patienten mit der häufigsten Mutation (delF508) eingesetzt, und die mittleren Kosten je DDD sind deutlich geringer als für Ivacaftor. Da der Verbrauch der Fixkombination erheblich stärker stieg als der von Ivacaftor allein, gingen zumindest die Ausgaben, die durch die Innovationskomponente bedingt waren, zurück.