Preisbedingte Ausgabenänderungen im Jahr 2016

Veröffentlicht am: 09.09.17

Der Apothekenabschlag für rezeptpflichtige Arzneimittel nach § 130 SGB V betrug im Betrachtungszeitraum 1,77 Euro je Verordnung. Abgeleitet aus den NVI-Daten leisteten die Apotheker insgesamt Rabatte in Höhe von 1.137,7 Mio. Euro.

Die Hersteller von Arzneimitteln unterlagen einer unterschiedlichen Art an Rabatten. Seit April 2014 gilt für Arzneimittel, die keinem Festbetrag unterliegen, ein Rabatt von 6 % (§ 130a Abs. 1 SGB V), wenn sie patentfrei sind, und 7 % (§ 130a Abs. 1a SGB V) bei bestehendem Patentschutz. Die pharmazeutischen Unternehmer leisteten auf dieser Grundlage im Jahr 2016 Rabatte in Höhe von 1.139,1 Mio. Euro.

Seit August 2010 gilt nach § 130a Abs. 3a SGB V ein Preismoratorium, das Anfang 2014 bis zum Jahresende 2017 verlängert wurde – ausgenommen sind allein Arzneimittel unter Festbetrag. Das Moratorium bedeutet, dass Preiserhöhungen in Form eines Rabatts an die GKV zurückerstattet werden müssen. Auf Basis dieser Regelung leisteten im Jahr 2016 die Hersteller Rabatte in Höhe von 283,5 Mio. Euro. Zusätzlich bewirkte das Preismoratorium, dass Preiserhöhungen der Listenpreise tendenziell ausblieben. Generische Arzneimittel leisteten zusätzlich 137,8 Mio. an Rabatten auf Grundlage des § 130a Abs. 3b SGB V. Dieser Rabatt beträgt 10 %, kann durch Preissenkungen bis auf Null reduziert werden. Schließlich waren die Hersteller von Impfstoffen nach § 130a Abs. 2 SGB V verpflichtet, einen zusätzlichen Rabatt zu leisten. Ziel der gesetzlichen Regelung ist es, Erstattungspreise für Impfstoffe auf dem Niveau der Länder Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien zu erreichen. Die Regelung gilt aber nur für Impfungen, die Pflichtleistungen nach § 20i Abs. 1 SGB V sind: Dies sind alle Impfungen entsprechend der Schutzimpfungsrichtlinie (G-BA 2016). Für Satzungsleistungen wird kein Rabatt geleistet. Satzungsleistungen und Pflichtleistungen waren auf Basis der für den Arzneimittel-Atlas zur Verfügung stehenden Daten nicht zu unterscheiden. Somit konnte für eine einzelne Verordnung nicht bestimmt werden, ob ein Abschlag gezahlt wurde. Für die Berechnung der Erstattungspreise galt die Annahme, dass immer ein Rabatt geleistet wurde, wenn er in der Apothekensoftware abgebildet war. Die errechneten Einsparungen von 79,5 Mio. Euro im Jahr 2016 sind somit eine Schätzung. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl der abgegebenen Impfstoffe für Impfungen entsprechend der Schutzimpfungsrichtlinie verwendet wurde, sodass die geschätzte Summe an Einsparungen voraussichtlich nur wenig über den tatsächlichen Einsparungen lag.

Bei den individuellen Rabattverträgen nach § 130a Abs. 8 bzw. § 130c SGB V ergaben sich zwei Effekte auf die Preiskomponente. Zum einen nahm die Höhe der geleisteten Rabatte weiterhin zu und damit auch die Rabattquote je Verordnung, und zum anderen stieg das Umsatzvolumen unter Rabatt. Beides hatte einen senkenden Effekt auf die Preiskomponente (HYPERLINK siehe Abschnitt 2.6 für Details).

Die geleisteten Rabatte im Anschluss an die frühe Nutzenbewertung nach § 130b SGB V werden seit dem 1. April 2014 direkt im Abgabepreis des pharmazeutischen Unternehmers (ApU) berücksichtigt. Es ergibt sich somit ein zusätzlicher Einspareffekt durch geringere Vergütungen für Großhandel und Apotheken.

Da es keine grundlegenden gesetzlichen Änderungen gab, stieg die Vergütung der Hersteller unter Berücksichtigung der zu leistenden Abschläge 2016 in einem ähnlichen Maße wie die Umsätze auf Basis der nominalen Abgabepreise. Die Umsätze nach ApU für Fertigarzneimittel stiegen 2016 um 3,6 % auf 25.018,5 Mio. Euro. Die Herstellervergütung nahm 2016 um 3,5 % zu und erreichte damit ein Volumen von 19.523,9 Mio. Euro.

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health), BMG (KJ1, KV45) und ABDA

Zwar waren die Preissenkungen insgesamt 2016 geringer als im Vorjahr, doch in einzelnen Indikationsgebieten kam es zu deutlichen Einsparungen. Die größten Einsparungen gab es mit 175,4 Mio. Euro in der Gruppe der Immunsuppressiva (L04). Dies war mehrheitlich die Folge des Abschlusses von Rabattverträgen für verschiedene TNF-alpha-Inhibitoren (Etanercept, Infliximab und Adalimumab). Die zweithöchsten preisbedingten Einsparungen in Höhe von 124,8 Mio. Euro wurden in der Indikationsgruppe der antiviralen Mittel (J05), insbesondere in der Teil-Indikation der Hepatitis C erreicht. Haupttreiber war dabei das Kombinationspräparat aus Sofosbuvir und Ledipasvir. Zum einem hatte es im Oktober 2015 eine Preissenkung infolge der frühen Nutzenbewertung gegeben, und zum anderen nahm die Zahl der Verordnungen im Rahmen eines Rabattvertrags zu. Bei den Antineoplastischen Mitteln (L01) gab es 2016 preisbedingte Einsparungen von 81,8 Mio. Euro. Der größte Faktor war dabei der Abschluss der Preisverhandlungen im Anschluss an die frühe Nutzenbewertung für Ibrutinib nach einer Indikationserweiterung. Unabhängig von der frühen Nutzenbewertung gab es ausgabenwirksame Preissenkungen für Trastuzumab und Bevacizumab.

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Bedeutsame preisbedingte Mehrausgaben gab es in der Indikationsgruppe der lipidsenkenden Mittel (C10) in Höhe von 18,3 Mio. Euro. Ursache dafür waren primär Umstellungen bei Rabattverträgen für den Wirkstoff Simvastatin, dadurch wurden einzelne verbrauchstarke Produkte des Jahres 2015 bezogen auf ihren durchschnittlichen Erstattungspreis teurer. Der gleiche Effekt war auch der Grund für die positive Preiskomponente von 15,5 Mio. Euro für die Gruppe der Beta-Adrenorezeptor-Antagonisten (C07). Dies betraf insbesondere einzelne Bisoprolol-Produkte.

Literatur