Ausgabenänderungen im Jahr 2016 durch technische Einsparungen

Veröffentlicht am: 09.09.17

Die Hauptkomponente „Technischen Einsparungen“ umfasst Verschiebungen in der Struktur aufgrund von Entscheidungen des Arztes über Darreichungsform, Wirkstärke, Packungsgröße und Parallelimporte. Über alle Indikationsgruppen summiert waren die strukturellen Effekte der technischen Einsparungen 2016 mit -13,3 Mio. Euro relativ klein.

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Bei den Darreichungsformen (z. B. werden bestimmte Wirkstoffe mehr in Tabletten- und weniger in Tropfenform verordnet) ergeben sich Verschiebungen überwiegend aus medizinischen Erwägungen. Bei der Frage der Wirkstärke und der Packungsgröße können auch Überlegungen zu einer kostengünstigeren Verordnung eine Rolle spielen, da in der Regel die Tagestherapiekosten bei einer großen Packung mit hoher Wirkstärke günstiger sind.

Bei Parallelimporten spielen sowohl Entscheidungen des Arztes als auch des Apothekers eine Rolle. Als Parallelimporte werden Arzneimittel bezeichnet, die von Importeuren in anderen europäischen Ländern zu einem geringeren Preis erworben und daraufhin in Deutschland unterhalb des Preises des Originalarzneimittels angeboten werden. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass die Apotheke ein importiertes Arzneimittel abgeben muss, wenn dessen Abgabepreis in Deutschland mindestens 15 % oder mindestens 15 Euro unter dem Preis der entsprechenden nicht importierten Arzneimittelspezialität liegt (§ 129 Abs. 1 SGB V).

Des Weiteren müssen Apotheker auch eine entsprechende Abgabequote erfüllen (Rahmenvertrag nach § 129 Abs. 2 SGB V [GKV-Spitzenverband 2016]). Für Ärzte entstehen daraus Vorteile, weil sie die ihnen zugeordneten Arzneimittelausgaben reduzieren können. Die Patienten sparen durch Parallelimporte möglicherweise Zuzahlungen oder eventuelle Aufzahlungen. Eine negative Parallelimportkomponente bedeutet daher in der Regel in einem von patentgeschützten Produkten dominierten Markt, dass in den einzelnen Indikationsgruppen der Verbrauchsanteil von Parallelimporten gestiegen ist. Nach dem Patentauslauf und dem Markteintritt von Generika können die durch die Parallelimportkomponente angezeigten Einsparungen aber auch Ausdruck eines geringeren Marktanteils von Parallelimporten sein. Dieser Effekt ergibt sich dadurch, dass der Preis für Generika in der Regel niedriger ist als der Preis für Parallelimporte und nach Einführung von Generika die Parallelimporte normalerweise durch Generika verdrängt werden.

Insgesamt waren die strukturellen Effekte der technischen Einsparungen relativ klein. Die größten Einsparungen zeigten sich mit 14,1 Mio. Euro für Immunsuppressiva (L04). Hintergrund dieser Entwicklung war, dass bei einzelnen TNF-alpha-Inhibitoren der Anteil von Reimporten sank. Zum einem schlossen Patenthalter Rabattverträge über ihre Produkte ab (insb. Adalimumab), zum anderen erhöhten Biosimilars für Etanercept und Infliximab ihre Marktanteile. Diese waren im Schnitt günstiger als die Reimporte. In der Gruppe der Psycholeptika (N05) hatte es 2015 große Einsparungen in Höhe von 57,8 Mio. Euro gegeben. Für das Jahr 2016 ergaben sich zusätzliche Einsparungen von 10,7 Mio. Euro. In beiden Jahren war der Einspareffekt mehrheitlich getrieben durch steigende Marktanteile von Generika gegenüber Parallelimporten infolge des Patentauslaufs von Aripiprazol.

Die größten technisch bedingten Mehrausgaben gab es mit 10,3 Mio. Euro in der Gruppe der antineoplastischen Mittel (L01). Größter Treiber waren dabei Verlagerungen hin zu teureren Wirkstärken bei dem Proteinkinase-Hemmer Ruxolitinib.

Literatur