Verbrauchsbedingte Ausgabenänderungen im Jahr 2016

Veröffentlicht am: 09.09.17

Ursache für den geringen Anstieg war der starke Verbrauchsrückgang der Präparate zur Behandlung der chronischen Hepatitis C in der Gruppe der antiviralen Mittel zur systemischen Anwendung (J05). Ansonsten zeigte sich nur in wenigen der 93 bestehenden Indikationsgruppen ein bedeutsamer verbrauchsbedingter Ausgabenrückgang. Nach starken Rückgängen in den Vorjahren (u. a. 2015: 45,6 Mio. Euro) war es bei den Immunstimulanzien (L03) 2016 nur noch ein verbrauchsbedingter Ausgabenrückgang von 12,2 Mio. Euro. Ursache dafür war vor allem ein Rückgang des Verbrauchs für Mittel zur Behandlung der Multiplen Sklerose (MS). Ein gleichbleibender Rückgang von 14,7 Mio. Euro zeigte sich 2016 in der Indikationsgruppe von Wirkstoffen für eine Herztherapie (C01). Durch den vermehrten Einsatz von präventiven Maßnahmen wie Thrombozytenaggregationshemmern (B01) und cholesterinsenkenden Arzneimitteln (C10) besteht ein verminderter Bedarf an gefäßerweiternden Wirkstoffen bei einer manifestierten koronaren Herzerkrankung (KHK).

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Weiterhin zunehmend und die am stärksten verbrauchsgetriebene Gruppe waren wieder die Immunsuppressiva (L04). Ursachen dafür waren dabei zuvorderst die verbrauchsbedingten Ausgabensteigerungen bei den Teil-Indikationsgruppen von Mitteln zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis mit 199,1 Mio. Euro und der Psoriasis mit 143,7 Mio. Euro.

In der Teil-Indikationsgruppe MS gab es einen verbrauchsbedingten Ausgabenanstieg von 68,7 Mio. Euro. Die Wirkstoffe zur Behandlung der MS verteilen sich mittlerweile auf drei Indikationsgebiete, neben den Immunsuppressiva und den Immunstimulanzien noch auf die anderen Mittel für das Nervensystem (N07). Über alle drei Indikationsgruppen betrachtet stieg der Verbrauch in den jeweiligen MS-bezogenen Teil-Indikationsgruppen von 30,5 Mio. DDD auf 31,3 Mio. DDD. Es fand dabei insbesondere eine Verschiebung von älteren injizierbaren Wirkstoffen zu neueren, überwiegend oral anwendbaren statt.

Aufgrund der Methodik des Arzneimittel-Atlas wurde dabei ein Teil der strukturellen Verschiebungen als Verbrauchsveränderungen gewertet, weil die Teil-Indikationsgruppen auf der ATC-Klassifikation aufbauen und nur innerhalb dieser Gruppen Marktanteilsverschiebungen als strukturelle Verschiebungen gewertet werden. Neben dem bereits erwähnten verbrauchsbedingten Ausgabenanstieg bei den Immunsuppressiva führte der zunehmende Verbrauch von Dimethylfumarat (einziger Wirkstoff in der Teil-Indikationsgruppe MS innerhalb der Indikationsgruppe N07) zu einem Ausgabenanstieg von 1,1 Mio. Euro. Bei den Immunstimulanzien hingegen gab es in der Teil-Indikationsgruppe der MS-Therapeutika einen Ausgabenrückgang von 17,0 Mio. Euro aufgrund des gesunkenen Verbrauchs.

Auffällig war noch die Entwicklung in der Gruppe der antineoplastischen Mittel (L01). Die Ausgaben sind 2016 verbrauchsbedingt um 182,5 Mio. Euro gestiegen und damit stärker als im Vorjahr (148,7 Mio. Euro). Wichtigste Treiber waren zielgerichtete Therapien (z. B. Proteinkinase-Hemmer) und Immunonkologika.

Eine gewisse Rolle spielte bei der Verbrauchssteigerung auch die weiterhin relativ starke Zunahme an Versicherten in der GKV. Gegenüber dem Vorjahr stieg nach der amtlichen Statistik KM6 die Zahl der Versicherten 2016 um 1,0 %. In der Mitte des Jahres 2016 waren damit 71,0 Mio. Menschen in der GKV versichert. Die Ausgabensteigerung allein durch die höhere Zahl von Versicherten kann auf rund 324 Mio. Euro geschätzt werden.