Die Komponenten der Ausgabenveränderungen 2016 im Überblick

Veröffentlicht am: 09.09.17

Im Jahr 2016 betrugen die Arzneimittelausgaben für Fertigarzneimittel und Zubereitungen auf Basis der Erstattungs- und Taxpreise 34.658 Mio. Euro. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies einen Anstieg von 1.278,6 Mio. Euro.

Für zehn verschiedene Komponenten werden Ausgabenveränderungen für die Versichertengemeinschaft ermittelt, welche sich aus den Mengen-, Struktur- und Preisänderungen ergeben haben. Das Ergebnis der Komponentenzerlegung 2016 vs. 2015 wird der Entwicklung 2015 vs. 2014 gegenübergestellt.

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Das Bild der Veränderung weicht im Berichtsjahr 2016 für einige Komponenten vom Vorjahr ab. Am auffälligsten ist die Verbrauchskomponente – diese war im Jahr 2015 deutlich höher. Die Innovationskomponenten (Therapieansatz- und Analogkomponente) waren in der Summe zwar im Berichtsjahr ähnlich hoch wie 2015, aber 2016 fand stärker ein Wettbewerb zwischen Wirkstoffen innerhalb eines Therapieansatzes statt. Die Einsparungen durch die Preiskomponente waren 2016 deutlich niedriger als im Vorjahr.

Der Ausgabenanstieg, welcher durch die Verbrauchskomponente erklärt werden kann, fiel 2016 mit 1.029,3 Mio. Euro deutlich niedriger aus als im Vorjahr (1.786 Mio. Euro). Der steigende Verbrauch von Arzneimitteln war aber trotzdem weiterhin die stärkste positive Triebkraft auf die Ausgabenentwicklung. Ursache für den geringeren Anstieg war insbesondere ein Auslaufen des Nachholeffekts bei der Behandlung von Patienten mit Hepatitis C. Einen starken ausgabensteigernden Effekt hatte der Mehrverbrauch von Mitteln zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis. Einen nicht unerheblichen Anteil hatte sehr wahrscheinlich auch die gestiegene Zahl an Versicherten, die 2016 um 684 000 Personen zunahm. Dies hatte einen Effekt von schätzungsweise 324 Mio. Euro.

Die Komponente Therapieansatz, ein Indikator für Neuentwicklungen in der Therapie, wuchs mit einem Wert von 809,3 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahr (1.140,9 Mio. Euro) deutlich geringer. Im langjährigen Vergleich lag sie damit aber immer noch auf einem hohen Niveau.

Ein anderes Bild zeigt sich für die Komponente Analog-Wettbewerb. Im Jahr 2016 gab es einen Ausgabenanstieg von 261,8 Mio. Euro, nachdem die Komponente 2015 mit Mehrausgaben von 10,0 Mio. Euro nur einen minimalen Einfluss hatte. Hauptursache waren Marktverschiebungen zugunsten teurer Wirkstoffe zur endokrinen (L02) und antineoplastischen (L01) Krebstherapie.

Im Jahr 2016 gab es Ausgabensteigerungen von 24,1 Mio. Euro durch einen höheren Anteil teurer Darreichungsformen. Dieser Effekt war bei Analgetika (N02) zur Schmerztherapie am stärksten ausgeprägt. Im Jahr 2015 hatte die Komponente mit einem Wert von 30,2 Mio. Euro noch zu geringen Einsparungen geführt.

Die Komponente Wirkstärke blieb auch 2016 positiv und führte zu Mehrausgaben von 68,8 Mio. Euro (Vorjahr: 99,6 Mio. Euro) in der GKV. Dies bedeutete, dass in Summe über alle Indikationsgruppen die Ausgabensteigerungen durch Verschiebungen zu vergleichsweise teureren Wirkstärken höher waren als die Einsparungen durch umgekehrte Verschiebungen in anderen Indikationsgruppen. Der größte positive Effekt zeigte sich dabei bei den antineoplastischen Mitteln (L01).

In Bezug auf die Komponente Packungsgröße hielt der Trend zu größeren Packungen an. Für 2016 entfielen 73,4 % des Verbrauchs auf N3-Packungen. Gegenüber dem Vorjahr nahm der Einspareffekt ab. Im Jahr 2016 wurden Einsparungen von 39,2 Mio. Euro erzielt. Die Einspareffekte verteilten sich auf eine Vielzahl an Indikationen, am höchsten waren sie bei den Analgetika.

Der Effekt der Parallelimporte war 2016 ebenfalls niedriger als 2015. Sie trugen 2016 mit 66,9 Mio. Euro zu den Einsparungen bei, gegenüber 177,4 Mio. Euro im Vorjahr. Der Anteil von Parallelimporten nahm bei Arzneimitteln, die 2015 und 2016 patentgeschützt waren, aber von 15,0 % (2015) auf 13,8 % (2016) ab. Die Einspareffekte ergaben sich daher vielmehr daraus, dass Parallelimporte der Originale durch günstigere Generika bzw. Biosimilars ersetzt wurden (z. B. im Falle des TNF-alpha-Inhibitors Etanercept).

Die Generikakomponente erfasst die Einsparungen durch den Wechsel von teureren Originalen auf günstigere Generika bzw. Biosimilars. Die Komponente trug 2016 mit 141,4 Mio. Euro zu den Einsparungen bei und war damit im Gegensatz zu den Vorjahren nicht der größte strukturelle Einspareffekt. Die größten Einsparungen durch generischen Wettbewerb wurden bei den Psychoanaleptika (N06) erzielt (siehe Thema Generikaeinführungen).

Die Einsparungen ausgedrückt durch die Herstellerkomponente betreffen ebenfalls überwiegend Generika bzw. Biosimilars und fielen 2016 mit 218,3 Mio. Euro höher aus als im Vorjahr mit 187,3 Mio. Euro. Sie war damit 2016 die Strukturkomponente mit dem größten Einspareffekt. Es fand somit ein stärkerer Wettbewerb innerhalb der Generikahersteller statt als zwischen den Herstellern von Altoriginalen bzw. Parallelimporten und Generikaherstellern. Die größten Einsparungen aufgrund eines Herstellerwettbewerbs gab es in den Gruppen der Psycholeptika (N05) und Psychoanaleptika. Die Summe aus Generika-, Hersteller- und Restkomponente zeigt, dass sowohl 2016 als auch 2015 durch die vermehrte Abgabe von Produkten günstigerer Generikahersteller bei gleicher Therapie die stärksten Einsparungen erzielt werden konnten. Dabei spielten für die Einsparungen auch die Rabattverträge eine Rolle, denn der Wechsel von nicht rabattierten Arzneimitteln auf rabattierte mit günstigeren Erstattungspreisen führte zu entsprechenden strukturellen Einsparungen.

Die Preiskomponente war 2016 mit 430,6 Mio. Euro zwar deutlich negativ, aber die Einsparungen waren geringer als 2015 (776,4 Mio. Euro). Die höchsten Einsparungen durch Preissenkungen wurden dabei für Immunsuppressiva (L04) zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis durch den Abschluss von Rabattverträgen nach § 130a Abs. 8 SGB V erzielt. Diese wurden sowohl von Biosimilar- als auch den Originalherstellern abgeschlossen.