Gegenüberstellung der Nutzenbewertungen von IQWiG und G-BA nach dem AMNOG

Veröffentlicht am: 30.10.20

Der G-BA kann zur Nutzenbewertung das IQWiG beauftragen. Im Allgemeinen erfolgt dies auch regelmäßig bei den meisten bewerteten Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen. Bei der Nutzenbewertung von Orphan Drugs im Sinne eines Orphan-Drug-Verfahrens wird das IQWiG nicht beauftragt (abgesehen vom ersten Orphan-Drug-Verfahren für Pirfenidon): Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben muss für Orphan Drugs der Zusatznutzen gegenüber einer zVT nicht durch vergleichende Studien demonstriert werden, sondern gilt durch die Zulassung prinzipiell als gegeben und es wird vom G-BA lediglich das Ausmaß des Zusatznutzens bestimmt. Sofern Orphan Drugs jedoch die jährliche Umsatzgrenze von 50 Mio. Euro überschreiten, müssen auch Orphan Drugs das Standardverfahren durchlaufen und das IQWiG wird mit der Nutzenbewertung beauftragt. In jedem Fall sind aber die Ergebnisse des IQWiG für den G-BA nicht bindend sind, sondern es obliegt die Entscheidung über das Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens ausschließlich dem G-BA.

Inhaltlich können sich die Bewertungsergebnisse der beiden Institutionen zum Zusatznutzen unterscheiden. Auch die Teilpopulationen können ggf. unterschiedlich abgegrenzt werden. Die folgende Analyse betrachtet den Vergleich der Bewertungen von IQWiG und G-BA hinsichtlich des Zusatznutzens.

Bis zum 31. Dezember 2019 hat der G-BA für insgesamt 434 Verfahren mindestens eine Patientenpopulation definiert und den Zusatznutzen bestimmt. Für 331 dieser Verfahren liegt auch eine Nutzenbewertung des IQWiG vor. Nachfolgend wird dargestellt, wie sich die Ergebnisse zur Nutzenbewertung für diese 331 Verfahren zwischen IQWiG und G-BA unterscheiden.

Seit 2011 wich der G-BA bezüglich der Patientengruppe mit der höchsten Zusatznutzenkategorie in 119 von 331 Verfahren von der Einschätzung des IQWiG ab, was einem Anteil von 36 % der betreffenden Verfahren entspricht. In 67 Verfahren (56 %) mit unterschiedlicher Bewertung schätzte der G-BA den Zusatznutzen der besten Subgruppe gegenüber der IQWiG-Nutzenbewertung als höher ein. In 52 Verfahren (44 %) dagegen attestierte der G-BA der jeweils besten Subgruppe des Verfahrens einen geringeren Zusatznutzen als das IQWiG. In 13 (19 %) der 67 Verfahren, die bei diesem Vergleich als vom G-BA höher bewertet klassifiziert wurden, war die höchste vom IQWiG vergebene Zusatznutzenkategorie ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen. Der G-BA bestimmte in diesen Fällen das Ausmaß des Zusatznutzens, jedoch kann dies nicht zwangsläufig als eine bessere Bewertung angesehen werden.

Hinsichtlich der Abweichungen des G-BA von den Nutzenbewertungen des IQWiG zeigt sich ein klarer Trend bei Betrachtung der Ergebnisverteilungen, wie in der unteren Abbildung dargestellt ist. Während das IQWiG in 23 Verfahren (6,9 %) mindestens für eine Patientengruppe einen erheblichen Zusatznutzen attestierte, erkannte der G-BA die höchste Zusatznutzenkategorie nur in zwei Fällen (0,8 %) an. Die Anzahl der Verfahren, in denen der G-BA einen beträchtlichen Zusatznutzen beschloss, lag dagegen mit 77 Verfahren (23,3 %) deutlich höher im Vergleich zum IQWiG mit 47 Verfahren (14,2 %). Gleichzeitig sah das IQWiG in 201 Verfahren (60,7 %) bei keiner Patientengruppe einen Zusatznutzen, der G-BA dagegen nur in 171 Verfahren (51,7 %). Damit zeigen die G-BA-Ergebnisse gegenüber denen des IQWiG tendenziell eine stärkere Häufung im mittleren Bereich der Zusatznutzenskala.

IGES nach Angaben des G BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung).