Gegenüberstellung der Nutzenbewertungen von IQWiG und G-BA nach dem AMNOG

Veröffentlicht am: 16.12.18

Der G-BA kann zur Nutzenbewertung das IQWiG beauftragen. Bis zum 31. Dezember 2017 ist dies auch regelmäßig bei den meisten bewerteten Wirkstoffen und Wirkstoffkombinationen erfolgt. Bei der Nutzenbewertung von Orphan Drugs wird das IQWiG nicht beauftragt. Da die Ergebnisse des IQWiG für den G-BA nicht bindend sind, obliegt die Entscheidung über das Ausmaß und die Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens ausschließlich dem G-BA.

Inhaltlich können sich die Bewertungsergebnisse der beiden Institutionen zum Zusatznutzen unterscheiden. Auch die Teilpopulationen können ggf. unterschiedlich abgegrenzt werden. Die folgende Analyse betrachtet den Vergleich der Bewertungen von IQWiG und G-BA hinsichtlich des Zusatznutzens.

Von den 276 Verfahren, die bis zum 31. Dezember 2017 mit einem Beschluss zum Zusatznutzen abgeschlossen wurden, fand in 209 Verfahren eine Nutzenbewertung durch das IQWiG statt, die vom G-BA formal berücksichtigt wurde. Für das erste Orphan Drug, das den AMNOG-Prozess durchlief (Pirfenidon), wurde ebenfalls eine vollständige Nutzenbewertung vom IQWiG durchgeführt. Das IQWiG stufte den Zusatznutzen von Pirfenidon als nicht belegt ein, obwohl § 35a Abs. 1 Satz 10 einen Zusatznutzen von Orphan Drugs vorsieht. Daher ging der G-BA dazu über, entsprechend den gesetzlichen Vorgaben bei Orphan Drugs, einen Zusatznutzen prinzipiell als gegeben anzusehen und selbst lediglich das Ausmaß des Zusatznutzens zu bestimmen. Die Nutzenbewertung von Pirfenidon wird daher im Folgenden nicht berücksichtigt.

Seit 2011 wich der G-BA bezüglich der Patientengruppe mit der höchsten Zusatznutzenkategorie in 76 von 209 Verfahren von der Einschätzung des IQWiG ab, was einem Anteil von 36 % der betreffenden Verfahren entspricht. In 45 Verfahren (22 %) schätzte der G-BA den Zusatznutzen der besten Subgruppe gegenüber der IQWiG-Nutzenbewertung als höher ein. In 31 Verfahren (15 %) dagegen attestierte der G-BA der jeweils besten Subgruppe des Verfahrens einen geringeren Zusatznutzen als das IQWiG.

Hinsichtlich der Abweichungen des G-BA von den Nutzenbewertungen des IQWiG zeigt sich ein klarer Trend bei Betrachtung der Ergebnisverteilungen, wie in ‎Abbildung 3 dargestellt sind. Während das IQWiG in 17 Verfahren (8 %) mindestens für eine Patientengruppe einen erheblichen Zusatznutzen attestierte, erkannte der G-BA die höchste Zusatznutzenkategorie nur in zwei Fällen (1 %) an. Die Anzahl der Verfahren, in den der G-BA einen beträchtlichen Zusatznutzen beschloss, lag dagegen mit 56 Verfahren (27 %) deutlich höher im Vergleich zum IQWiG mit 31 Verfahren (15 %). Gleichzeitig sah das IQWiG in 125 Verfahren (60 %) bei keiner Patientengruppe einen Zusatznutzen, der G-BA dagegen nur in 104 Verfahren (50 %). Damit zeigen die G-BA-Ergebnisse gegenüber denen des IQWiG tendenziell eine stärkere Häufung im mittleren Bereich der Zusatznutzenskala.

IGES nach Angaben des G BA (http://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung).