Die Komponenten der Ausgabenveränderungen für Arzneimittel der GKV im Jahr 2024

Veröffentlicht am: 22.12.25

Am stärksten hat die Verbrauchskomponente – vor allem von Krebs- und Immuntherapeutika– die Mehrausgaben im GKV-Arzneimittelmarkt beeinflusst und somit Therapiegebiete mit ungedecktem Bedarf betroffen. Diese Zunahme wurde durch eine Komponente abgefedert: So konnten Einsparungen durch eine verstärkte Verordnung (neuer) Generika und Biosimilars generiert werden. Die Preiskomponente, die üblicherweise Einsparungen erreicht, konnte im Jahr 2024 jedoch nicht wirken, da sie von dem Sondereffekt des wieder abgesenkten Herstellerabschlags überlagert wurde. Der Arzneimittel-Atlas untersucht zehn verschiedene Komponenten, welche die Ausgabenveränderungen für die Versichertengemeinschaft bei Arzneimitteln bestimmen. Dabei geht es um Effekte, die auf veränderte Verordnungsmengen oder Preise, aber auch auf strukturelle Veränderungen wie Markteintritt neuer Wirkstoffe oder Generika zurückzuführen sind.

Der Arzneimittel-Atlas untersucht zehn verschiedene Komponenten, welche die Ausgabenveränderungen für die Versichertengemeinschaft bei Arzneimitteln bestimmen. Dabei geht es um Effekte, die auf veränderte Verordnungsmengen oder Preise, aber auch auf strukturelle Veränderungen wie Markteintritt neuer Wirkstoffe oder Generika zurückzuführen sind.

Das Bild der Veränderung weicht im Jahr 2024 für einige Komponenten vom Vorjahr ab.

IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health)

Die wichtigsten Komponenten im Einzelnen:

Verbrauchskomponente: Diese Komponente erreichte im Jahr 2024 einen Wert von 2,57 Milliarden Euro. Es war erneut die Komponente mit dem stärksten Einfluss auf das Ausgabenwachstum. Der Wert war um 329,61 Mio. Euro niedriger als im Vorjahr.

Verbrauchsbedingter Ausgabenanstieg war vor allem bei diesen Indikationsgruppen zu finden:

  • Immunsuppressiva (L04): vor allem durch Immunsuppressiva gegen Psoriasis (Risankizumab und Bimekizumab), Rheumatoide Arthritis (besonders Upadacitinib und Adalimumab), Multiple Sklerose (hauptsächlich Ofatumumab und Ocrelizumab)
  • Antineoplastische Mittel (L01): vor allem durch die bei verschiedenen Krebserkrankungen eingesetzten Checkpoint-Inhibitoren Pembrolizumab und Durvalumab, das bei Brustkrebs indizierte Abemaciclib sowie der bei Multiplem Myelom verwendete Wirkstoff Daratumumab.
  • Andere Mittel für das Nervensystem (N07): vor allem durch Tafamidis (bei Transthyretin-Amyloidose) und Omaveloxolon (bei Friedreich-Ataxie).

Innovationskomponente (Therapieansatz- und Analogkomponente) Sie hatte einen Wert von 2,00 Milliarden Euro. Die Innovationskomponente weist durch die stetige Einführung neuer Arzneimittel einen höheren Anstieg im Vergleich zum Vorjahr auf, wo sie 1,58 Mrd. Euro betrug. (Therapieansatzkomponente: 1,52 Mrd. Euro, Analogkomponente: 1,48 Mrd. Euro).

Innovationsbedingter Ausgabenanstieg zeigte sich vor allem bei diesen Indikationsgruppen:

  • Antineoplastische Mittel (L01): in erster Linie durch Immunonkologika in Form der PD-1/PDL-1-Inhibitoren, durch CDK-Inhibitoren sowie durch bestimmte Antikörper und Wirkstoffkonjugate.
  • Antidiabetika (A10): vor allem durch neuere Antidiabetika, insbesondere die SGLT2-Inhibitoren Empagliflozin und Dapagliflozin.
  • Endokrine Therapie (L02): vor allem durch die Antiandrogene Apalutamid, Enzalutamid und Darolutamid zur Behandlung des Prostatakarzinoms.

Preiskomponente: Sie ergab einen Wert von 1,12 Milliarden Euro. Die Komponente führte 2024 zu erheblichen Mehrausgaben. Im Jahr 2023 lag der Wert noch bei – 1,47 Mrd. Euro.

Der Anstieg erklärt sich maßgeblich durch die befristete Wiederabsenkung des Herstellerabschlags nach temporärer Erhöhung von 7 auf 12 Prozent im Jahr 2023. Durch das Auslaufen der Maßnahme kam es im Vergleich zum Vorjahr zu geringeren gesetzlichen Rabatten und daher zu preisbedingten Mehrausgaben.

Die größte Rolle bei den Mehrausgaben, die durch die Absenkung des Herstellerabschlags bedingt waren, spielten antithrombotische Mittel (B01) und Antidiabetika. Einsparungen wurden trotz dieses Sondereffekts durch die antineoplastischen Mittel (L01) erzielt – hier hauptsächlich durch Preisverhandlungen. Die höchste Preiskomponente überhaupt fand sich bei den Impfstoffen insbesondere bei den Impfstoffen gegen Herpes zoster, wo erneut die Preise angehoben wurden.

Generikakomponente: Sie zeigte einen Wert von minus 357,8 Mio. Euro. Diese Komponente war die Strukturkomponente mit dem größten Einspareffekt im Jahr 2024.

Am stärksten trugen diese Indikationsgruppen dazu bei, weil vermehrt neuere Generika bzw. Biosimilars verbraucht wurden:

  • Immunsuppressiva (L04): hauptsächlich durch Fingolimod, Lenalidomid, Ustekinumab und Tocilizumab
  • Antidiabetika (A10): vor allem durch Sitagliptin-haltige Generika
  • Antineoplastische Mittel (L01): unter anderem durch Pemetrexed, Bevacizumab und Trabectedin