Verbrauch von Antibiotika J01 Antibiotika zur systemischen Anwendung

Veröffentlicht am: 16.01.26

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen

Im Jahr 2023 wurden jedem Versicherten der GKV durchschnittlich 4,2 DDD an Antibiotika verordnet. Diese Arzneimittelgruppe wird daher den häufig angewendeten Arzneimitteln zugerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Pro-Kopf-Verbrauch geringfügig gestiegen: 2023 lag er bei 4,1 DDD.

Die Indikationsgruppe der Antibiotika zur systemischen Anwendung wird nur bei Bedarf, also bei Auftreten von bakteriellen Infektionen, für einen begrenzten Zeitraum eingesetzt. Abgesehen von jährlichen Schwankungen verlief die Verbrauchsentwicklung bis 2013 weitgehend stabil und lag im Mittel bei jährlich 350 Mio. DDD. 2013 wurde mit rund 376 Mio. DDD der höchste Verbrauch im betrachteten Zeitraum beobachtet. Seitdem ging der jährliche Verbrauch bis 2021 zurück. Bereits ab 2017 hat sich die rückläufige Entwicklung beschleunigt und war 2020 – in dem Jahr also, als die Coronapandemie begann – mit einem Rückgang von 24,1 % besonders ausgeprägt. Im Jahr 2021 wurde mit einem Verbrauch von 211,1 Mio. DDD der Tiefpunkt erreicht – der Verbrauch war um mehr als 40 % geringer als 1996. Seit 2022 steigt er wieder und erreichte 2024 einen Wert von 313 Mio. DDD, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 2,8 % entspricht.

Der Verbrauch stieg 2024 nicht für alle Therapieansätze gleichmäßig. Besonders hoch war das Wachstum für die Penicilline mit erweitertem Wirkspektrum (um 6,7 Mio. DDD bzw. 10%), die Kombinationen von Penicillinen (um 4,2 Mio. DDD bzw. 10%) und die Makrolide (um 3,6 Mio. DDD bzw. 11%). Der höchste Verbrauchsrückgang war 2024 für die Cephalosporine der 2. Generation mit 7,9 Mio. DDD bzw. 16 % im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten. Diese Veränderungen können dadurch bedingt sein, dass sich das Erregerspektrum im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Von größerer Bedeutung dürfte jedoch die Verfügbarkeit der jeweiligen Antibiotika gewesen sein, da diese regelmäßig von Lieferschwierigkeiten betroffen sind (Höer et al. 2025 https://www.iges.com/sites/igesgroup/iges.de/myzms/content/e6/e1621/e10211/e82672/e98690/e100901/e100903/attr_objs100905/IGES_ALBVVG_Evaluation_ger.pdf).

Der Therapieansatz der Penicilline mit erweitertem Wirkspektrum hatte 2024 mit 25 % den höchsten Anteil am Verbrauch, von dem 92 % auf Amoxicillin entfiel. An zweiter Stelle folgten die Cephalosporine der 2. Generation (14 %; davon Cefuroxim 82 %), anschließend die Kombinationen aus Penicillinen und Betalaktamase-Hemmern (14 %; davon Amoxicillin und Beta-Lactamase-Inhibitoren 97 %) sowie die Tetrazykline (11 %; davon Docycyclin 98 %).

Ambulant werden Antibiotika am häufigsten bei Infektionen der Atemwege sowie der Harnwege eingesetzt. Bei der Häufigkeit von Atemwegsinfektionen ist die Stärke der jährlichen Influenzaaktivität von Bedeutung. Häufig korrelierte daher in der Vergangenheit der Antibiotikaverbrauch mit der Influenzaaktivität. Bedingt durch die zunehmende Resistenzentwicklung hat sich der Blick auf die Antibiotikaanwendung gewandelt: Es gilt, Antibiotika rational und in jedem Falle leitliniengerecht einzusetzen. D. h., es kann in vielen Fällen auf eine Antibiotikagabe verzichtet werden (siehe z. B. KV Baden-Württemberg 2015). Für die zunehmend erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie sprach der kontinuierliche Verbrauchsrückgang seit 2014. 2020 und 2021 wurde der Effekt durch die Corona-Pandemie verstärkt: Die Vorsichtsmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen führten dazu, dass Infektionen der oberen Atemwege im Vergleich zu den Vorjahren erheblich zurückgingen (siehe z. B. RKI 2021), sodass einerseits seltener die Notwendigkeit bestand, Antibiotika zu verabreichen. Der in den letzten beiden Jahren. Der in den letzten beiden Jahren beobachtete Verbrauch liegt wieder auf dem Niveau vor der Corona-Pandemie, aber deutlich unter den Höchstständen, die vor 2014 erreicht wurden.

Literatur

  • KV Baden-Württemberg (2015) Antibiotikatherapie in der Praxis. Verordnungsforum 36.
  • RKI (2021) Grippeweb. https://grippeweb.rki.de/ (abgerufen am 31.08.2023)
  • Shafiq N, Pandey AK, Malhotra S, Holmes A, Mendelson M, Malpani R, Balasegaram M, Charani E. (2021) Shortage of essential antimicrobials: a major challenge to global health security. BMJ Glob Health. 11:e006961. doi: 10.1136/bmjgh-2021-006961. (abgerufenam 18.01.2023).