Aktuelle und künftige Entwicklungen bei Bluthochdruckmitteln C02–C09 Mittel bei Hypertonie

Veröffentlicht am: 18.12.18

Fazit zu den Entwicklungen bei den Bluthochdruckmitteln

Für Arzneimittel aus der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie mussten von der GKV 2017 insgesamt 20,7 Mio. Euro mehr als im Vorjahr ausgegeben werden.

  • Verbrauch: Der Verbrauch stieg 2017 in der Indikationsgruppe um 0,8 %. Der höchste Verbrauchszuwachs war mit 148 Mio. DDD für die Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System (ACE-Hemmer und AT-II-Antagonisten) zu beobachten. Die Wachstumsrate lag mit 1,7 % niedriger als im Vorjahr. Das Verbrauchswachstum lag für die Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System bis 2008 noch über 10 % und hat sich in den letzten Jahren deutlich abgeschwächt. Die höchste Wachstumsrate zeigte 2017 die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie mit 3,2 %, was allerdings nur knapp 0,16 Mio. DDD entsprach. Insgesamt ist für die Mittel zur Behandlung der Hypertonie ein einsetzender Sättigungseffekt zu erkennen. Der Verbrauch von Diuretika und Betablockern geht langsam, aber stetig zurück.
  • Innovation: Die Indikationsgruppe ist in Bezug auf die Arzneimittel, die bei arterieller Hypertonie eingesetzt werden, inzwischen fast komplett generisch, nachdem in den letzten Jahren auch der Patentschutz für fast alle AT-II-Antagonisten abgelaufen ist. Innovative Arzneimittel finden sich aktuell in der Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie. Teilweise haben diese Arzneimittel allerdings einen Orphan-Drug-Status. Als weitere Innovation ist das Sacubitril/Valsartan zu nennen, das bei Herzinsuffizienz eingesetzt wird und in der Teil-Indikationsgruppe der Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System den Hauptbeitrag zur positiven Innovationskomponente leistete.
  • Preis: Insgesamt führte die Preiskomponente zu – wenn auch geringen – Mehrausgaben. Dazu trugen vor allem die großen, seit Langem generischen Teil-Indikationsgruppen bei. Hier sind anscheinend die Individualrabatte im Mittel zurückgegangen. 2017 wurde diese Entwicklung teilweise kompensiert durch Einsparungen bei den Mitteln gegen pulmonal-arterielle Hypertonie, wo es durch zusätzliche Individualrabatte bei einigen Wirkstoffen zu Preissenkungen kam.

Ausblick auf künftige Entwicklungen bei den Bluthochdruckmitteln

Bis 2015 dominierten in der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie Einspareffekte durch Generikaeinführungen bzw. Preisreduktionen infolge des Wettbewerbs zwischen den Generikaherstellern. So gingen die Ausgaben in jedem Jahr zurück, trotz weiterhin steigenden Verbrauchs. Hier hat nun eine Trendwende eingesetzt, da im Prinzip alle wichtigen Therapieansätze weitgehend generisch verfügbar sind und teilweise ein extrem niedriges Preisniveau erreicht war – für ACE-Hemmer lagen z. B. 2017 die mittleren Apothekenverkaufspreise je DDD bei 7,4 Cent.

Inzwischen ist für die generischen Gruppen zu beobachten, dass die Preise sogar wieder leicht nach oben gehen können, wenn sich durch neue Rabattverträge veränderte Konstellationen ergeben. Der Verbrauch wird weiterhin geringfügig wachsen, wenn sich dieses Wachstum auch im Sättigungsbereich bewegen wird. Lediglich durch Innovationen, die für größere Patientengruppen neue Therapieoptionen erschließen, könnte sich das Wachstum wieder beschleunigen, z. B. durch das neu eingeführte Sacubitril/Valsartan. Eine derartige Entwicklung ist jedoch aktuell nicht zu erkennen. Die Kompensationen durch Generikawettbewerb werden künftig deutlich geringer ausfallen, sodass sowohl Verbrauchssteigerungen als auch Innovationen zu Ausgabensteigerungen führen werden. Angesichts des Gesamtvolumens dieses Marktes werden die durch Verbrauchswachstum bedingten Mehrausgaben relativ unbedeutend erscheinen. Im Sommer 2017 standen Nachrichten im Fokus, dass generisches Valsartan zurückgerufen werden musste, weil es durch Änderung des Syntheseprozesses eines Herstellers zu Verunreinigungen mit einem möglicherweise krebserregenen Stoff gekommen war. Dies Rückrufe werden – wenn überhaupt – jedoch allenfalls einen marginalen Einfluss auf die Verbrauchs- und Ausgabenentwicklung der Indikationsgruppe haben.