Aktuelle und künftige Entwicklungen bei Bluthochdruckmitteln C02–C09 Mittel bei Hypertonie Als Bluthochdruckmittel kommen sehr verschiedene Wirkstoffgruppen zum Einsatz. Sie verursachten 2019 Ausgaben in Höhe von insgesamt 2,6 Mrd. Euro.

Veröffentlicht am: 09.11.20

Fazit zu den Entwicklungen bei den Blutdruckmitteln

Für Arzneimittel aus der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie mussten von der GKV 2019 insgesamt 70 Mio. Euro mehr als im Vorjahr ausgegeben werden, was bei einem Ausgabenvolumen von insgesamt 2,6 Mrd. Euro einen Zuwachs von 2,8 % bedeutet.

  • Verbrauch: Der Verbrauch stieg 2019 in der Indikationsgruppe um 3,3 %. Der höchste Verbrauchszuwachs war mit 429 Mio. DDD für die Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System (ACE-Hemmer und AT-II-Antagonisten) zu beobachten. Die Wachstumsrate lag hier mit 4,7 % fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Eine noch höhere Wachstumsrate zeigte 2019 nur die Teil-Indikationsgruppe der Calciumkanalblocker mit 5 %. Der bis 2017 erkennbare Sättigungseffekt wurde durch die seit 2018 erkennbare, wieder beschleunigte Verbrauchsentwicklung aufgehoben. Ein Verbrauchswachstum findet sich in allen Indikationsgruppen außer den Betablockern und Diuretika.
  • Innovation: Die Indikationsgruppe ist in Bezug auf die Arzneimittel, die bei arterieller Hypertonie eingesetzt werden, inzwischen komplett generisch, nachdem in den letzten Jahren auch der Patentschutz für alle AT-II-Antagonisten abgelaufen ist. Innovative Arzneimittel finden sich aktuell in der Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie. Teilweise haben diese Arzneimittel allerdings einen Orphan-Drug-Status. Als weitere Innovation ist das Sacubitril/Valsartan zu nennen, das bei Herzinsuffizienz eingesetzt wird und in der Teil-Indikationsgruppe der Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System den Hauptbeitrag zur positiven Innovationskomponente leistete.
  • Preis: Insgesamt führte die Preiskomponente zu Mehrausgaben von 5 Mio. Euro, was bezogen auf die Gesamtausgaben für die Indikationsgruppe sehr gering ist. Dahinter stehen sowohl positive Preiskomponenten, wie z. B. für die ACE-Hemmer und AT-II-Antagonisten (8,9 Mio. Euro), aber auch Einsparungen z. B. durch Betablocker und Diuretika (zusammen 4,4 Mio. Euro).

Ausblick auf künftige Entwicklungen bei den Blutdruckmitteln

Bis 2015 dominierten in der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie Einspareffekte durch Generikaeinführungen bzw. Preisreduktionen infolge des Wettbewerbs zwischen den Generikaherstellern. So gingen die Ausgaben in jedem Jahr zurück, trotz weiterhin steigenden Verbrauchs. Hier hat nun eine Trendwende eingesetzt, da im Prinzip alle wichtigen Therapieansätze generisch verfügbar sind und teilweise ein extrem niedriges Preisniveau erreicht war – für ACE-Hemmer in Form von Monopräparaten lagen z. B. 2019 die mittleren Apothekenverkaufspreise je DDD bei 7,3 Cent.

Inzwischen ist für die generischen Gruppen zu beobachten, dass die Preise sogar wieder leicht nach oben gehen können, wenn sich durch neue Rabattverträge veränderte Konstellationen ergeben. Die Verbrauchsentwicklung hat sich in den letzten beiden Jahren wieder etwas beschleunigt, bedingt vor allem durch den Verbrauchszuwachs bei AT-II-Antagonisten (Sartane), und es bleibt abzuwarten, ob und wie lange sich diese Entwicklung fortsetzt. Die Kompensationen durch Generikawettbewerb werden künftig deutlich geringer ausfallen, sodass sowohl Verbrauchssteigerungen als auch Innovationen zu Ausgabensteigerungen führen werden. Angesichts des Gesamtvolumens dieses Marktes werden die durch Verbrauchswachstum bedingten Mehrausgaben relativ unbedeutend erscheinen.