Aktuelle und künftige Entwicklungen bei Bluthochdruckmitteln C02–C09 Mittel bei Hypertonie

Veröffentlicht am: 09.09.17

Fazit zu den Entwicklungen bei Blutdruckmitteln

Für Arzneimittel aus der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie mussten von der GKV 2016 insgesamt 66,8 Mio. Euro mehr als im Vorjahr ausgegeben werden.

  • Verbrauch: Der Verbrauch stieg 2016 in der Indikationsgruppe um 1,4 %. Der höchste Verbrauchszuwachs war mit 210 Mio. DDD für die Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System (ACE-Hemmer und AT-II-Antagonisten) zu beobachten. Die Wachstumsrate lag bei 2,2 %. Das Verbrauchswachstum lag für die Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System bis 2008 noch über 10 % und hat sich in den letzten Jahren deutlich abgeschwächt. Die höchste Wachstumsrate zeigte 2016 die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie mit 10,5 %, was allerdings nur knapp 0,5 Mio. DDD entsprach.
  • Innovation: Die Indikationsgruppe ist in Bezug auf die Arzneimittel, die bei arterieller Hypertonie eingesetzt werden, inzwischen fast komplett generisch, nachdem in den letzten Jahren auch der Patentschutz für fast alle AT-II-Antagonisten abgelaufen ist. Innovative Arzneimittel finden sich aktuell in der Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie. Teilweise haben diese Arzneimittel allerdings einen Orphan-Drug-Status. Als weitere Innovation ist das Sacubitril/Valsartan zu nennen, das bei Herzinsuffizienz eingesetzt wird und in der Teil-Indikationsgruppe der Mittel mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System den Hauptbeitrag zur positiven Innovationskomponente leistete.
  • Preis: Insgesamt führte die Preiskomponente zu Mehrausgaben. Dazu trugen vor allem die großen, seit Langem generischen Teil-Indikationsgruppen bei. Hier sind anscheinend die Individualrabatte im Mittel zurückgegangen. Kompensiert wurde diese Entwicklung lediglich durch geringe Einsparungen bei den Mitteln gegen pulmonale Hypertonie, wo bei den neu eingeführten Wirkstoffen die Verhandlungen zu den Erstattungspreisen Preissenkungen bewirkten.

Ausblick auf künftige Entwicklungen bei Blutdruckmitteln

In den letzten Jahren dominierten in der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie Einspareffekte durch Generikaeinführungen bzw. Preisreduktionen infolge des Wettbewerbs zwischen den Generikaherstellern. So gingen die Ausgaben in jedem Jahr zurück, trotz weiterhin steigenden Verbrauchs. Hier ist nun eine Trendwende erkennbar, da im Prinzip alle wichtigen Therapieansätze weitgehend generisch verfügbar sind und teilweise ein extrem niedriges Preisniveau erreicht war – für ACE-Hemmer liegen z. B. die mittleren Apothekenverkaufspreise je DDD bei 8 Cent. Inzwischen ist für die generischen Gruppen zu beobachten, dass die Preise sogar wieder leicht nach oben gehen können, wenn sich durch neue Rabattverträge veränderte Konstellationen ergeben. Der Verbrauch wird weiterhin wachsen, wenn sich dieses Wachstum voraussichtlich auch im Sättigungsbereich bewegen wird. Lediglich durch Innovationen, die für größere Patientengruppen neue Therapieoptionen erschließen, könnte sich das Wachstum wieder beschleunigen, z. B. durch das neu eingeführte Sacubitril/Valsartan. Eine derartige Entwicklung ist jedoch aktuell nicht zu erkennen. Die Kompensationen durch Generikawettbewerb werden künftig deutlich geringer ausfallen, sodass sowohl Verbrauchssteigerungen als auch Innovationen zu Ausgabensteigerungen führen werden. Angesichts des Gesamtvolumens dieses Marktes werden die durch Verbrauchswachstum bedingten Mehrausgaben relativ unbedeutend erscheinen.