Verbrauch C02–C09 Mittel bei Hypertonie Als Bluthochdruckmittel kommen sehr verschiedene Wirkstoffgruppen zum Einsatz. Sie verursachten 2019 Ausgaben in Höhe von insgesamt 2,6 Mrd. Euro.

Veröffentlicht am: 09.11.20

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20092010201120122013201420152016201720182019
ACE-Hemmer/ AT- II-Antagonisten67887221754378258098839385998809895791969624
Calciumkanalblocker19021961197920172047208921112157219422402352
Betablocker22192255226522672263226722332206216921292095
Diuretika19501956194119201893190718791866183718201830
Antihypertensiva333334330334338343343343342341350
Pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH)2,52,83,03,23,54,14,54,95,25,45,6
Summe13 195,713 730,414 061,314 366,614 641,915 002,515 170,515 385,715 504,515 731,616 257,1
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2019 wurden rein rechnerisch jedem Versicherten der GKV 224 DDD von Arzneimitteln aus der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie verordnet. Diese Arzneimittel sind damit die am häufigsten verordneten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Verbrauch je Versicherten um fast 7 DDD, also rund 3 % erhöht. Bezogen auf die Teil-Indikationsgruppen verbrauchte jeder Versicherte 2019 im Mittel 133 DDD eines Mittels mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System (ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten), 32 DDD eines Calciumkanalblockers, 29 DDD eines Betablockers, 25 DDD eines Diuretikums und rund 5 DDD eines Antihypertensivums.

Ein Verbrauchswachstum, das mindestens bei 2 % oder mehr im Vergleich zum Vorjahr lag, war 2019 für die ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten, die Calciumkanalblocker, die Antihypertensiva sowie die Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie zu beobachten. Mit einer Wachstumsrate von 5 % war bei den Calciumkanalblockern das relative Wachstum am stärksten. Für die Betablocker und Diuretika geht der Verbrauch seit einigen Jahren gering, aber stetig zurück bzw. stagniert.

Der Verbrauch in der gesamten Indikationsgruppe stieg seit 1996 von rund 5,5 Mrd. DDD auf rund 16,3 Mrd. DDD im Jahr 2019 und war damit fast 3-fach höher als zu Beginn der betrachteten Zeitreihe. Ab dem Jahr 2001 gab es ein relativ stetiges Wachstum, das in den Jahren 2005–2008 mit rund 900 Mio. DDD pro Jahr besonders kräftig ausfiel. Ab dem Jahr 2009 hatte sich der Verbrauchszuwachs deutlich abgeschwächt. 2019 war es mit einem Zuwachs von 526 Mio. DDD erstmals wieder deutlich höher als in den Vorjahren. Bis 2017 ließ sich die Verbrauchsentwicklung dahingehend interpretieren, dass es nahezu zu einem Sättigungseffekt gekommen war. Seit 2018 hat sich die Verbrauchsentwicklung jedoch wieder beschleunigt.

Bezogen auf den Verbrauch ist die Teil-Indikationsgruppe der ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten die größte unter den Mitteln bei Hypertonie. 2019 lag ihr Anteil bei 59 %. Es folgten Calciumkanalblocker (15 %), Betablocker (13 %) und Diuretika (11 %). Am geringsten war mit nur 0,03 % der Anteil der Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH), was der relativen Seltenheit dieser Erkrankung entspricht.

In den letzten zehn Jahren war die Verbrauchsentwicklung in den Teil-Indikationsgruppen sehr unterschiedlich. Die auffälligste Entwicklung zeigten die ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten, deren Verbrauch 2019 fast 10 Mrd. DDD erreichte und damit 1,4-fach höher lag als vor zehn Jahren. Hier war bis 2017 eine kontinuierliche Abschwächung des Wachstums erkennbar, doch hat es sich seitdem wieder beschleunigt, sodass kein Ende des Wachstums erkennbar ist.

Der Verbrauch von Calciumkanalblockern stieg seit 2009 um rund ein Viertel und lag 2019 bei mehr als 2,3 Mrd. DDD. Hier war das Wachstum von 2010 bis 2018 langsam, aber stetig, und 2019 mit einem fast 5%igem Zuwachs deutlicher ausgeprägt als in den Vorjahren.

Der Verbrauch von Betablockern lag 2019 bei 2,1 Mrd. DDD und damit um 1,6 % niedriger als im Vorjahr. Diese Teil-Indikationsgruppe wuchs zu Beginn des betrachteten Zeitraums am langsamsten, erreichte 2012 ihr Maximum und zeigt seitdem einen sehr langsamen, aber stetigen Verbrauchsrückgang.

Für die Diuretika wurde 2019 ein Verbrauch von rund 1,8 Mrd. DDD erreicht. Seit 2012 zeigt auch der Verbrauch dieser Wirkstoffe eine rückläufige Entwicklung. 2019 zeigte sich der Verbrauch gegenüber dem Vorjahr fast unverändert, aber um 6 % geringer als vor zehn Jahren. Der tatsächliche Verbrauch von Diuretika liegt sehr viel höher, da diese Wirkstoffe sehr häufig als Fixkombination mit anderen Mitteln zur Behandlung der Hypertonie verordnet werden. Doch unter Berücksichtigung der Fixkombinationen ist sogar noch deutlicher zu erkennen, dass der Verbrauch von Diuretika rückläufig ist.

Am dynamischsten präsentierte sich die Entwicklung bei den Mitteln gegen die PAH. Hier stieg der Verbrauch seit 2008 von 2,1 auf 5,6 Mio. DDD an. Der Verbrauchsanstieg ist Anzeichen dafür, dass es in dieser Teil-Indikationsgruppe relevante Innovationen gegeben hat, die mit dazu beigetragen haben, die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit PAH deutlich zu verbessern (Galiè et al. 2015).

Literatur

  • Galiè N, Humbert M, Vachiery JL et al.; 2015 ESC/ERS Guidelines for the diagnosis and treatment of pulmonary hypertension: The Joint Task Force for the Diagnosis and Treatment of Pulmonary Hypertension of the European Society of Cardiology (ESC) and the European Respiratory Society (ERS): Endorsed by: Association for European Paediatric and Congenital Cardiology (AEPC), International Society for Heart and Lung Transplantation (ISHLT).