Verbrauch von Bluthochdruckmitteln in der GKV C02–C09 Mittel bei Hypertonie

Veröffentlicht am: 18.12.18

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003, AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
ACE-Hemmer/ ATII-Antagonisten55076229678872217543782580988393859988098957
Betablocker21032164221922552265226722632267223322062194
Calciumkanalblocker16701801190219611979201720472089211121572169
Diuretika18911943195019561941192018931907187918661837
Antihypertensiva330332333334330334338343343343342
Pulmonale Hypertonie (PAH)1,52,12,52,83,03,23,54,14,55,05,2
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2017 wurden rein rechnerisch jedem Versicherten der GKV 216 DDD von Arzneimitteln aus der Indikationsgruppe der Mittel zur Behandlung der Hypertonie verordnet. Diese Arzneimittel sind damit die am häufigsten verordneten. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Verbrauch je Versicherten geringfügig zurückgegangen. Da der Verbrauch von Mitteln zur Behandlung der Hypertonie insgesamt jedoch leicht gestiegen ist, muss diese Entwicklung als „Verdünnungseffekt“ angesehen werden, dessen Ursache eine gestiegene Zahl von Versicherten ist: Entsprechend der KM6-Statistik des Bundesministeriums für Gesundheit ist 2017 die Zahl der GKV-Versicherten um rund 778 Tsd. auf 71,810 Mio. Versicherte gestiegen. Bezogen auf die Teil-Indikationsgruppen verbrauchte jeder Versicherte 2017 im Mittel 124 DDD eines Mittels mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System (ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten), 31 DDD eines Calciumkanalblockers, 30 DDD eines Betablockers, 26 DDD eines Diuretikums und rund 5 DDD eines Antihypertensivums.

Ein Verbrauchswachstum war 2017 für die ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten, die Calciumkanalblocker sowie die Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie zu beobachten. Mit einer Wachstumsrate von 3,2 % war bei den letztgenannten Mitteln das relative Wachstum am stärksten. Für die übrigen Teil-Indikationsgruppen war der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig.

Der Verbrauch in der gesamten Indikationsgruppe stieg seit 1996 von rund 5,5 Mrd. DDD auf rund 15 Mrd. DDD im Jahr 2017 und lag damit 2,8-fach höher als zu Beginn der betrachteten Zeitreihe. Ab dem Jahr 2001 gab es ein relativ stetiges Wachstum, das in den Jahren 2005–2008 mit rund 900 Mio. DDD pro Jahr besonders kräftig ausfiel. Seit dem Jahr 2009 hat sich der Verbrauchszuwachs deutlich abgeschwächt und lag 2016 und 2017 nur noch bei 215 bzw. 119 Mio. DDD. Somit ist von einer Sättigung des Verbrauchs auszugehen.

Bezogen auf den Verbrauch ist die Teil-Indikationsgruppe der ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten die größte unter den Mitteln bei Hypertonie. 2017 lag ihr Anteil bei 57 %. Betablocker und Calciumkanalblocker hatten Anteile von je 14 % und Diuretika von 12 %. Am geringsten war mit nur 0,03 % der Anteil der Mittel bei pulmonal-arterieller Hypertonie (PAH).

In den letzten zehn Jahren war die Verbrauchsentwicklung in den Teil-Indikationsgruppen sehr unterschiedlich. Die auffälligste Entwicklung zeigten die ACE-Hemmer/AT-II-Antagonisten, deren Verbrauch 2017 fast 9 Mrd. DDD erreichte und damit 1,6-fach höher lag als vor zehn Jahren. Hier ist seit Jahren eine kontinuierliche Abschwächung, aber kein Ende des Wachstums erkennbar.

Der Verbrauch von Calciumkanalblockern stieg seit 2007 um 39 % und lag 2017 bei fast 2,2 Mrd. DDD. Auch hier ist seit 2010 zwar ein deutlich langsameres Wachstum festzustellen und eine Sättigung scheint sich nun einzustellen.

Der Verbrauch von Betablockern lag 2017 bei 2,2 Mrd. DDD und damit nur rund 4 % höher als vor zehn Jahren. Diese Teil-Indikationsgruppe wuchs zu Beginn des betrachteten Zeitraums am langsamsten, erreichte 2012 ihr Maximum und zeigt seitdem einen sehr langsamen, aber stetigen Verbrauchsrückgang.

Für die Diuretika wurde 2017 ein Verbrauch von rund 1,8 Mrd. DDD erreicht. Seit 2012 zeigt auch der Verbrauch dieser Wirkstoffe eine rückläufige Entwicklung und 2017 war der Verbrauch geringer als 2007. Der tatsächliche Verbrauch von Diuretika liegt sehr viel höher, da diese Wirkstoffe sehr häufig als Fixkombination mit anderen Mitteln zur Behandlung der Hypertonie verordnet werden. Doch auch unter Berücksichtigung der Fixkombinationen bleibt festzustellen, dass der Verbrauch von Diuretika zurückgeht.

Am dynamischsten präsentierte sich die Entwicklung bei den Mitteln gegen die PAH. Hier stieg der Verbrauch seit 2007 von 1,5 auf 5,2 Mio. DDD an. Der Verbrauchsanstieg ist Anzeichen dafür, dass es in dieser Teil-Indikationsgruppe relevante Innovationen gegeben hat, die mit dazu beigetragen haben, die Behandlungsergebnisse bei Patienten mit PAH deutlich zu verbessern (Galiè et al. 2015).

Literatur

  • Galiè N, Humbert M, Vachiery JL, Gibbs S, Lang I, Torbicki A, Simonneau G, Peacock A, Vonk Noordegraaf A, Beghetti M, Ghofrani A, Gomez Sanchez MA, Hansmann G, Klepetko W, Lancellotti P, Matucci M, McDonagh T, Pierard LA, Trindade PT, Zompatori M, Hoeper M. 2015 ESC/ERS Guidelines for the diagnosis and treatment of pulmonary hypertension: The Joint Task Force for the Diagnosis and Treatment of Pulmonary Hypertension of the European Society of Cardiology (ESC) and the European Respiratory Society (ERS): Endorsed by: Association for European Paediatric and Congenital Cardiology (AEPC), International Society for Heart and Lung Transplantation (ISHLT).