Meilensteine bei den Lipidsenkern C10 Lipidsenkende Mittel

Veröffentlicht am: 14.12.18

Bis 1950
  • 1948: Eine der bekanntesten epidemiologischen Studien, die Framingham-Studie, beginnt.
1951–1980
  • 1957: Dawber beschreibt im ersten Ergebnisbericht zur Framingham-Studie den Zusammenhang zwischen Arteriosklerose, Bluthochdruck, Übergewicht und Hypercholesterinämie.
  • 1960er: Gallensäurebindende Mittel (z. B. Colestyramin) werden eingeführt.
  • 1964: Einführung des ersten Fibrats (Clofibrat) in den USA
1981–1990
  • 1989: In Deutschland kommt erstes Statin (Lovastatin) auf den Markt.
1991–2000
  • 1994: Publikation der 4S-Studie
2001–2010
  • 2002: Einführung des ersten Azetidinons (Cholesterolresorptionshemmer) Ezetimib
Seit 2011
  • 2014: Mit Alipogentiparvovec wird die erste Gentherapie gegen eine Lipidstoffwechselstörung eingeführt.
  • 2015: Erster PCSK9-Hemmer (Evolocumab) verfügbar

Der erfolgreichen Entwicklung der Lipidsenker gingen umfangreiche epidemiologische Studien voraus, die den Zusammenhang zwischen erhöhten Blutfetten und einem erhöhten Risiko für Arteriosklerose und Herzkrankheit zeigten. Eine der bekanntesten dieser epidemiologischen Studien ist die Framingham-Studie, die 1948 begann. 1957 publizierten Dawber et al. die ersten Ergebnisse, die einen Zusammenhang zwischen Arteriosklerose, Bluthochdruck, Übergewicht und Hypercholesterinämie zeigten.

In den 1960er-Jahren kamen die ersten Lipidsenker in Form der gallensäurebindenden Substanzen auf den Mart. Ab Ende der 1960er-Jahre folgten die Fibrate als weitere wichtige Gruppe von Lipidsenkern. Die gallensäurebindenden Mittel werden heute kaum noch verordnet, und auch die Fibrate haben heute nur noch eine marginale Bedeutung.

Erster Vertreter der heute dominanten Gruppe der Statine war das 1989 eingeführte Lovastatin, dem 1990 das Simvastatin folgte, das heute als Standard gilt. Statine sorgen einerseits für Senkung des LDL-Cholesterins im Blut. Sie sollen zudem zahlreiche pleiotrope Effekte haben, die möglicherweise mit zur präventiven Wirkung beitragen (z. B. Swenne 2013). Der sehr gute cholesterinsenkende Effekt der Statine war seit ihrer Einführung unumstritten. Die 4S-Studie (Scandinavian Simvastatin Survival Study Group 1994) kann als Durchbruch bezeichnet werden für den Beleg der Wirksamkeit der Statintherapie hinsichtlich der Senkung von Herz-Kreislauf-Risiken. Erst die Entwicklung der Statine und deren umfassende Untersuchung in klinischen Studien hat der Vorbeugung von Komplikationen bei atherosklerotischen Erkrankungen sowie der Sekundärprävention nach Herzinfarkt zu Effektivität und breiter Anwendung verholfen.

2002 wurde mit Ezetimib erstmals wieder ein Wirkstoff mit einem anderen als den bis dahin bekannten Wirkmechanismen eingeführt. Es hemmt die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm und wird häufig mit Statinen kombiniert, wenn deren Wirkung unzureichend ist.

Seit 2015 sind PCSK9-Hemmer verfügbar, monoklonale Antikörper, die indirekt die Zahl der LDL-Rezeptoren auf den Leberzellen erhöhen und so den LDL-Cholesterin-Spiegel im Blut senken.

Im Jahr 2014 war mit Alipogentiparvovec die erste Gentherapie gegen eine seltene Lipidstoffwechselstörung verfügbar, der Lipoproteinlipase-Defizienz (LPLD). Im Zentrum der öffentlichen Diskussion um diesen Wirkstoff stand vor allem der hohe Preis. Wegen der geringen Nachfrage verzichtete jedoch der Hersteller 2017 auf die Verlängerung der befristet erteilten Zulassung.

Literatur

  • Dawber TR, Moore FE, Mann GV. Coronary heart disease in the Framingham study. Am J Public Health Nations Health 1957;47(4 Pt 2):4–24
  • Scandinavian Simvastatin Survival Study Group. Randomised trial of cholesterol lowering in 4444 patients with coronary heart disease: The Scandinavian Simvastatin Survival Study (4S). Lancet 1994;344(8934):1383–1389
  • Swenne CA. Beyond lipid lowering: pleiotropic effects of statins in heart failure. Neth Heart J 2013;21(9):406–407