Verbrauch C10 Lipidsenkende Mittel Lipidsenker werden bei Patienten mit entsprechender Risikokonstellation eingesetzt, um das Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall) zu verhindern. Im Jahr 2019 lagen die Ausgaben der GKV für Lipidsenker bei 576 Mio. Euro.

Veröffentlicht am: 09.11.20

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report

Lipidsenker lassen sich als besonders häufig verordnete Arzneimittel klassifizieren. Im Jahr 2019 lagen die mittleren Pro-Kopf-Werte für den Verbrauch dieser Arzneimittel bei rund 37 DDD.

Der Verbrauch von Lipidsenkern hat sich im Zeitraum zwischen 2003 und 2019 mehr als verdreifacht und erreichte 2019 einen Wert von über 2,6 Mrd. DDD. Der Verbrauch wuchs insbesondere im Zeitraum zwischen 2005 und 2009, als das Verbrauchswachstum sich zwischen 100 und 180 Mio. DDD jährlich bewegte, was mit Zuwachsraten zwischen 12 % und 17 % einherging. Nachdem sich das Wachstum nach 2009 verlangsamt hatte, ist seit 2014 wieder ein etwas steilerer Verbrauchszuwachs festzustellen. 2019 stieg der Verbrauch um 206 Mio. DDD bzw. 8,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Das steile Wachstum ab 2005 folgte den Patentausläufen der ersten Statine, insbesondere von Simvastatin im Jahr 2003. Auch das Wachstum der letzten Jahre geht hauptsächlich auf den Therapieansatz der Statine zurück. 2019 war in Bezug auf den hier dargestellten Zeitverlauf der absolut höchste jährliche Zuwachs zu beobachten. Für den Therapieansatz der Ezetimib-haltigen Präparate ist schon seit 2016 ein beschleunigtes Wachstum zu beobachten, das anscheinend durch den Patentablauf von Ezetimib im Jahr 2018 noch befeuert wurde. Die Wachstumsrate für diesen Therapieansatz lag 2019 bei fast 17 %. Das Verbrauchswachstum ist möglicherweise in Zusammenhang mit der Publikation von Studienergebnissen zu sehen, die einen Vorteil für Ezetimib bei bestimmten Patientengruppen zeigen (Nußbaumer et al. 2016, Kato et al. 2017). Der neue Therapieansatz der PCSK9-Hemmer hat nur einen sehr geringen Anteil an der Verbrauchssteigerung der Lipidsenker.

Als Anlass für die jüngste Beschleunigung, insbesondere des Statinwachstums, muss möglicherweise die Leitlinie der ESC und EAS (European Society of Cardiology und European Atherosclerosis Society) gesehen werden, die im Herbst 2016 veröffentlicht wurde. Sie empfiehlt, entsprechend dem individuellen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse das LDL-Cholesterin zielwertorientierte zu senken (Catapano et al. 2016).

Am Verbrauch der Lipidsenker hatte 2018 der Therapieansatz der Statine einen Anteil von 92,0 %. Weitere 6,1 % entfielen auf den Therapieansatz der Azetidinone mit Ezetimib sowie dessen Kombinationen mit Statinen. Lediglich 0,2 % des Verbrauchs war dem Therapieansatz der PCSK9-Hemmer zuzuordnen. Der Anteil von Statinen erreichte 2015 mit 93,1 % ein Maximum und ist seitdem vor allem zugunsten der Azetidinone zurückgegangen. Innerhalb des Therapieansatzes der Statine fällt die Verdrängung von Simvastatin durch Atorvastatin auf: Nach dem Patentablauf von Atorvastatin 2012 stieg dessen Verbrauchsanteil von 5 % auf 46,7 %, der somit 2019 erstmals höher lag als der von Simvastatin, dessen Anteil von 85 % auf nur noch 45,8 % im Jahr 2019 zurückging.

Literatur

Catapano AL, Graham I, De Backer G et al.; ESC Scientific Document Group. 2016 ESC/EAS Guidelines for the Management of Dyslipidaemias. Eur Heart J 2016;37(39):2999–3058

Kato ET, Cannon CP, Blazing MA et al. Efficacy and Safety of Adding Ezetimibe to Statin Therapy Among Women and Men: Insight From IMPROVE-IT (Improved Reduction of Outcomes: Vytorin Efficacy International Trial). J Am Heart Assoc 2017;6(11):e006901

Nußbaumer B, Glechner A, Kaminski-Hartenthaler A et al. Ezetimibe-statin combination therapy: efficacy and safety as compared with statin monotherapy—a systematic review. Dtsch Arztebl Int 2016;113(26):445–453