Verbrauch L01 Antineoplastische Mittel

Veröffentlicht am: 04.02.26

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen

2024 lag der Verbrauch von Mitteln gegen Krebs bei insgesamt 102,2 Mio. DDD. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Verbrauch um 5,9 Mio. DDD bzw. 6,2 %. Damit waren Mengenzuwachs wie auch die Wachstumsrate auf ähnlichem Niveau wie in den übrigen Jahren seit 2018. Mittel gegen Krebs gehören zu den selten verordneten Arzneimitteln: Bezogen auf alle Versicherten in der GKV wurde im Jahr 2024 jedem Versicherten 1,4 DDD ambulant verordnet.

Eine längere Zeitreihe des Verbrauchs ab 2003 liegt nur für die als Fertigarzneimittel abgegebenen antineoplastischen Mittel vor. Hier fällt auf, dass der Verbrauch im Jahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückging und sich im Jahr 2005 erholte. Dieser Einbruch betraf vor allem die Teil-Indikationsgruppe der Komplementären Therapie und fällt zusammen mit dem 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG).

Der größte Teil der antineoplastischen Arzneimittel wird in Form von Zubereitungen abgegeben, zu denen erst ab 2012 detailliertere Informationen vorliegen. Die Verbrauchsentwicklung kann erst ab diesem Jahr beurteilt werden. Seit 2014 ist ein stetiger Verbrauchszuwachs festzustellen, der sich seit 2018 deutlich beschleunigt hat und 2023 besonders hoch war.

Die Teil-Indikationsgruppe der Antineoplastischen Mittel (inkl. Biologika) umfasste 2024 mit 101,7 Mio. DDD nahezu den gesamten Verbrauch der Indikationsgruppe. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Verbrauch hier um 6 Mio. DDD bzw. 6,2 %. Bei den Mitteln der komplementären Therapie (fast ausschließlich Mistelpräparate) setzte sich auch 2024 der seit vielen Jahren andauernde Verbrauchsrückgang fort, sodass noch ein Verbrauchsvolumen von 0,53 Mio. DDD erreicht wurde.

In der Teil-Indikationsgruppe der Antineoplastischen Mittel werden entsprechend dem Wirkmechanismus der Medikamente zahlreiche Therapieansätze unterschieden. Diese können zwei übergeordneten Kategorien zugewiesen werden: den „konventionellen“ Krebsmitteln, also Mitteln mit bereits lange etablierten Wirkmechanismen, und sogenannten „zielgerichteten“ Therapien, deren Wirkung sich relativ spezifisch gegen bestimmte Strukturen von Krebszellen richtet. Das beobachtete Wachstum ist hauptsächlich auf die zielgerichteten Therapien zurückzuführen. Hier setzte sich das seit Jahren zu beobachtende nahezu stetige Wachstum fort; 2024 stieg der Verbrauch um 6,3 Mio. DDD bzw. 12 %. Der Anteil der zielgerichteten Therapien an den antineoplastischen Mitteln erreichte 2024 rund 58 %. Den stärksten Anteil an diesem Wachstum hatten die zu den Immunonkologika gehörenden PD-1/PDL-1-Inhibitoren (getrieben durch Pembrolizumab), die bei Brustkrebs eingesetzten CDK-Inhibitoren („Ciclibe“) sowie die CD-38 Inhibitoren (insbesondere Daraturumab; bei Multiplem Myelom). In diesen Gruppen wuchs der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Mio. DDD bei den PD-1/PDL-1-Inhibitoren (20 % Wachstumsrate), 0,74 Mio. DDD bei den CDK-Inhibitoren (13 %) sowie 0,46 Mio. DDD (13 %) bei den CD38-Inhibitoren. Der Verbrauch konventioneller Therapien ging 2024 um 0,3 Mio. DDD zurück (-0,73 %).

Bei den konventionellen Krebsmitteln dominierte 2024 der Therapieansatz der Antimetaboliten mit einem Anteil von 41 % (verbrauchsstärkster Wirkstoff 5-Fluorouracil), gefolgt von anderen antineoplastischen Mitteln mit 15 % (wichtigster Wirkstoff Hydroxycarbamid) sowie den platinhaltigen Mitteln und Taxanen mit 13 bzw. 12 %.

Unter den zielgerichteten Therapien führten die PD-1/PDL-1-Inhibitoren mit einem Anteil von 22 %. Hauptvertreter der insgesamt acht Wirkstoffe waren Pembrolizumab und Nivolumab. Die hauptsächlich bei HER-positivem Brustkrebs eingesetzten HER2-Inhibitoren mit ihren beiden häufigsten Vertretern Trastuzumab und Pertuzumab erreichten 2024 einen Anteil von 12 % der zielgerichteten Therapien. Die seit 2016 verfügbaren CDK-Inhibitoren hatten 2024 einen Anteil von knapp 11 %; hier war Palbociclib der Wirkstoff mit dem höchsten Verbrauch.

Unter den zielgerichteten Therapien führten die PD-1/PDL-1-Inhibitoren mit einem Anteil von 20 %. Hauptvertreter der insgesamt 7 Wirkstoffe waren Pembrolizumab und Nivolumab. Die hauptsächlich bei HER-positivem Brustkrebs eingesetzten HER2-Inhibitoren mit ihren beiden häufigsten Vertretern Trastuzumab und Pertuzumab erreichten 2023 einen Anteil von 11 % der zielgerichteten Therapien. Die seit 2016 verfügbaren CDK-Inhibitoren hatten 2023 einen Anteil von knapp 11 %; hier war Palbociclib der Wirkstoff mit dem höchsten Verbrauch.

Von der Einführung von Generika bzw. Biosimilars waren in den letzten fünf Jahren verschiedene umsatzstarke Wirkstoffe betroffen (über 50 Mio. Euro Umsatz im Jahr vor Einführung von Generika bzw. Biosimilars): Bevacizumab und Azacitidin 2020 sowie Nilotinib 2024Bezogen auf den Verbrauch fand sich 2024 der höchste Generikaanteil mit 98 % für Bevacizumab gefolgt von Azacitidin mit 93 %. Nilotinibgenerika sind erst seit November 2024 verfügbar. Ihr Anteil erreichte daher bezogen auf den Nilotinibverbrauch im Jahr 2024 insgesamt nur 0,2 %.