Verbrauch L01 Antineoplastische Mittel

Veröffentlicht am: 21.01.19

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch nach Zubereitungen und Fertigarzneimitteln
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
Zubereitungen, chemisch definiert inkl. Biologika29,837,235,735,535,337,238,938,4
Fertigarzneimittel, chemisch definiert inkl. Biologika13,514,214,815,015,516,216,817,518,419,621,3
Fertigarzneimittel, komplementäre Therapie5,85,44,84,33,62,31,81,71,51,31,2
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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2017 lag der Verbrauch von Mitteln gegen Krebs bei insgesamt 60,9 Mio. DDD. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Verbrauch um 1,0 Mio. DDD bzw. 1,7 %. Der Verbrauchsanstieg war damit 2017 sowohl in Bezug auf die Verbrauchszunahme gemessen in DDD als auch die Zuwachsrate geringer als in den beiden Vorjahren: 2015 und 2016 ist der Verbrauch um 2,5 bzw. 2,8 Mio. DDD gestiegen und die Raten lagen bei 4,6 bzw. 5,0 %. Mittel gegen Krebs gehören zu den sehr selten verordneten Arzneimitteln: Bezogen auf alle Versicherten in der GKV wurde jedem Versicherten im Jahr 2017 noch nicht einmal eine DDD ambulant verordnet.

Eine längere Zeitreihe des Verbrauchs ab 2003 liegt nur für die als Fertigarzneimittel abgegebenen antineoplastischen Mittel vor. Hier fällt auf, dass der Verbrauch im Jahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückging und sich im Jahr 2005 erholte. Dieser Einbruch betraf vor allem die Teil-Indikationsgruppe der komplementären Therapie und fällt zusammen mit dem 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG). Seitdem ist für die Fertigarzneimittel insgesamt ein recht stabiler Verbrauch zu beobachten, allerdings mit steigender Tendenz. 2017 lag der Verbrauch von Fertigarzneimitteln bei 22,5 Mio. DDD und damit 7,3 % höher als im Vorjahr.

Der größte Teil der antineoplastischen Arzneimittel wird in Form von Zubereitungen abgegeben. Im Jahr 2017 waren es 38,4 Mio. DDD, 0,5 Mio. DDD bzw. 1,3 % weniger als im Vorjahr. Dazu kamen 22,5 Mio. DDD von Fertigarzneimitteln. Der Verbrauch von Fertigarzneimitteln ist 2017 um 1,5 Mio. DDD bzw. 7,3 % gestiegen.

Der Verbrauch in der Teil-Indikationsgruppe der chemisch definierten Krebsmittel (inkl. Biologika) insgesamt erreichte 2017 über 59,7 Mio. DDD. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies ein Wachstum von 2,0 %. Bei den Mitteln der komplementären Therapie (fast ausschließlich Mistelpräparate) setzte sich auch 2017 der seit vielen Jahren andauernde Verbrauchsrückgang fort, so dass noch ein Verbrauchsvolumen von 1,2 Mio. DDD erreicht wurde.

In der Teil-Indikationsgruppe der chemisch definierten Krebsmittel werden entsprechend dem Wirkmechanismus der Medikamente zahlreiche Therapieansätze unterschieden. Bezogen auf diese Therapieansätze war das Wachstum 2017 am größten für erst Ende 2016 eingeführten CDK4/6-Hemmer, die um 1,08 Mio. DDD zulegten. Der Verbrauch von Immunonkologika stieg 2017 mit 0,83 Mio. DDD (44 %) fast so stark wie 2016 (0,85 Mio. DDD). Starke Verbrauchsrückgänge waren für die Therapieansätze der Taxole (um 0,39 Mio. DDD bzw. 8,4 %) und der Antimetabolite (um 0,37 Mio. DDD bzw. 2,3 %) zu beobachten.

In der Teil-Indikationsgruppe der chemisch definierten Mittel gegen Krebs war 2017 mit knapp 61,2 % der Anteil der „konventionellen“ Krebsmittel, also der Mittel mit bereits lange etablierten Wirkmechanismen, am höchsten, aber geringer als in den beiden Vorjahren (2015: 67,3 %, 2016: 64,4 %). Innerhalb dieser Gruppe dominierten die Antimetaboliten mit einem Anteil von 42,7 %. Auf Taxane entfielen 2017 rund 12 % der „konventionellen“ Antineoplastika. Die Anteile der zielgerichteten Therapien und der monoklonalen Antikörper lagen bei knapp 19 % bzw. 17 % der chemisch definierten Krebsmittel und die seit 2011 verfügbaren Immunonkologika erreichten einen Anteil von 3,2 %. Unter den zielgerichteten Therapien führte 2017 der Therapieansatz der Proteinkinase-Inhibitoren mit rund 75 %; Hauptvertreter waren hier die Wirkstoffe Imatinib und Ruxolitinib. Auf die CDK4/6-Hemmer entfielen 2017 bereits knapp 10 % des Verbrauchs von zielgerichteten Therapien. Führender Wirkstoff war das Palbociclib. Bei den monoklonalen Antikörpern war der größte Anteil mit gut 42 % für die gegen HER gerichteten Antikörper zu beobachten, die hauptsächlich bei Brustkrebs eingesetzt werden. Der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff war hier das Trastuzumab. Auf dem zweiten Rang lagen bei den monoklonalen Antikörpern mit knapp 26 % die gegen VEGF-gerichteten Antikörper, bei denen ein Großteil des Verbrauchs auf Bevacizumab entfiel, das z. B. bei fortgeschrittenem Darmkrebs zur Anwendung kommt. Unter den Immunonkologika zeigte das Nivolumab den höchsten Verbrauch.

Für Imatinib sind seit Dezember 2016 Generika im Markt, für Rituximab seit April 2017 Biosimilars. Der Verbrauchsanteil der Generika/Biosimilars lag 2017 bei 48 % für Imatinib und bei 14,9 % für Rituximab.