Verbrauch L01 Antineoplastische Mittel

Veröffentlicht am: 09.11.20

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch nach Teil-Indikationsgruppen
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20092010201120122013201420152016201720182019
Antineoplastische Wirkstoffe14,815,052,752,052,452,955,558,459,364,569,8
Komplementäre Therapie4,84,33,62,31,81,71,51,31,20,90,8
Antineoplastische Mittel gesamt19,719,456,354,354,254,557,059,760,565,470,6
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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2019 lag der Verbrauch von Mitteln gegen Krebs bei insgesamt 70,6 Mio. DDD. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Verbrauch um 5,2 Mio. DDD bzw. 7,9 %. Im betrachteten Zeitraum seit 2009 stieg damit in den Jahren 2018 und 2019 sowohl in Bezug auf die Verbrauchszunahme gemessen in DDD als auch die Zuwachsraten der Verbrauch am stärksten an. Mittel gegen Krebs gehören zu den sehr selten verordneten Arzneimitteln: Bezogen auf alle Versicherten in der GKV wurde jedem Versicherten im Jahr 2019 noch nicht einmal eine DDD ambulant verordnet.

Eine längere Zeitreihe des Verbrauchs ab 2003 liegt nur für die als Fertigarzneimittel abgegebenen antineoplastischen Mittel vor. Hier fällt auf, dass der Verbrauch im Jahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückging und sich im Jahr 2005 erholte. Dieser Einbruch betraf vor allem die Teil-Indikationsgruppe der Komplementären Therapie und fällt zusammen mit dem 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG).

Der größte Teil der antineoplastischen Arzneimittel wird in Form von Zubereitungen abgegeben, zu denen erst ab 2012 detailliertere Informationen vorliegen. Die Verbrauchsentwicklung kann erst ab diesem Jahr beurteilt werden.

Die Teil-Indikationsgruppe der Antineoplastischen Mittel (inkl. Biologika) umfasste 2019 mit 69,8 Mio. DDD nahezu den gesamten Verbrauch der Indikationsgruppe. Gegenüber dem Vorjahr stieg der Verbrauch hier um 5,3 Mio. DDD bzw. 8,3 %. Bei den Mitteln der komplementären Therapie (fast ausschließlich Mistelpräparate) setzte sich auch 2019 der seit vielen Jahren andauernde Verbrauchsrückgang fort, sodass noch ein Verbrauchsvolumen von 0,8 Mio. DDD erreicht wurde.

In der Teil-Indikationsgruppe der Antineoplastischen Mittel werden entsprechend dem Wirkmechanismus der Medikamente zahlreiche Therapieansätze unterschieden. Diese können zwei übergeordneten Kategorien zugewiesen werden: den „konventionellen“ Krebsmitteln, also Mitteln mit bereits lange etablierten Wirkmechanismen, und sogenannten „zielgerichteten“ Therapien, deren Wirkung sich relativ spezifisch gegen bestimmte Strukturen von Krebszellen richtet. Das beobachtete Wachstum ist hauptsächlich auf die zielgerichteten Therapien zurückzuführen. Hier setzte sich das seit Jahren zu beobachtende nahezu stetige Wachstum fort; 2019 stieg der Verbrauch um fast 19 %. Der Anteil der zielgerichteten Therapien an den antineoplastischen Mitteln erreichte daher 2019 mehr als 44 %. Den stärksten Anteil an diesem Wachstum hatten die Therapieansätze der zu den Immunonkologika gehörenden PD-1-Inhibitoren, die Proteinkinase-Inhibitoren sowie die bei Brustkrebs eingesetzten CDK4/6-Inhibitoren („Ciclibe“). In diesen Gruppen wuchs der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr um jeweils 1,2 Mio. DDD bei den PD-1-Inhibitoren und Proteinkinase-Inhibitoren (48 % bzw. 13% Wachstumsrate) sowie 0,9 Mio. DDD (47 %) bei den CDK4/6-Inhibitoren. Die Verbrauchsentwicklung konventioneller Therapien kann im Zeitverlauf von 2012 bis 2019 als stabil eingestuft werden: Abgesehen von kleineren jährlichen Verbrauchsschwankungen gab es keine Auffälligkeiten.

Bei den konventionellen Krebsmitteln dominierte 2019 der Therapieansatz der Antimetaboliten mit einem Anteil von 42 %, gefolgt von anderen antineoplastischen Mitteln mit 14 % (wichtigster Wirkstoff Hydroxycarbamid) und den Taxanen mit 12 %.

Unter den zielgerichteten Therapien führten die Proteinkinase-Inhibitoren mit einem Anteil von 34 %. Hauptvertreter der insgesamt 37 Wirkstoffe waren Imatinib und Ruxolitinib. Die PD-1-Inhibitoren mit ihren beiden Vertretern Nivolumab und Pembrolizumab erreichten 2018 einen Anteil von 12 % der zielgerichteten Therapien, die bei HER-positivem Brustkrebs eingesetzten monoklonalen Antikörper 17 %, wobei hier Trastuzumab der dominante Wirkstoff war. Die seit 2016 verfügbaren CDK4/6-Inhibitoren hatten 2018 einen Anteil von 9 %; hier war Palbociclib der Wirkstoff mit dem höchsten Verbrauch.

Von der Einführung von Generika bzw. Biosimilars waren in den letzten Jahren verschiedene umsatzstarke Wirkstoffe betroffen (über 50 Mio. Euro Umsatz): Imatinib (2016), Rituximab (2017), Trastuzumab (2018), Pemetrexed (2018) sowie Bortezomib, Dasatinib und Everolimus (jeweils 2019). Für Imatinib lag der Generikaanteil am Verbrauch 2019 bei 63 %, die Anteile der Biosimilars von Rituximab und Trastuzumab erreichten 79 % bzw. 68 %. Für das seit dem Sommer 2018 verfügbare Pemetrexed-Generikum wurde ein Verbrauchsanteil von 77 % beobachtet. Die Verbrauchsanteile der seit 2019 verfügbaren Generika von Bortezomib, Dasatinib und Everolimus erreichten 41 %, 22 % bzw. 48 %. Es zeigt sich, dass in vielen Fällen die Marktdurchdringung von onkologischen Generika oder Biosimilars genauso rasch erfolgt wie bei nicht onkologischen.

Die 2018 neu eingeführten CAR-T-Zell-Therapien Axicabtagen-Ciloleucel und Tisagenlecleucel werden ausschließlich stationär angewendet und spielen daher beim ambulanten Verbrauch keine Rolle. Aufgrund der geringen Anzahl von Patienten, bei denen diesen Therapien angewendet werden, würden sie den Verbrauch auch nur marginal beeinflussen.