Verbrauch L01 Antineoplastische Mittel

Veröffentlicht am: 09.09.17

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch nach Zubereitungen und Fertigarzneimitteln
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20062007200820092010201120122013201420152016
Zubereitungen, chemisch definiert inkl. Biologika29,837,235,735,535,337,238,9
Fertigarzneimittel, chemisch definiert inkl. Biologika12,713,614,314,915,115,616,216,817,618,419,6
Fertigarzneimittel, komplementäre Therapie6,35,85,44,84,33,62,31,81,71,51,3
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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2016 lag der Verbrauch von Mitteln gegen Krebs bei insgesamt 59,9 Mio. DDD. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Verbrauch um 2,8 Mio. DDD bzw. 5,9 %. Dies ist in der betrachteten Zeitreihe der höchste reale Zuwachs. Mittel gegen Krebs gehören zu den sehr selten verordneten Arzneimitteln: Bezogen auf alle Versicherten in der GKV wurde jedem Versicherten im Jahr 2016 noch nicht einmal eine DDD ambulant verordnet.

Eine längere Zeitreihe des Verbrauchs ab 2003 liegt nur für die als Fertigarzneimittel abgegebenen antineoplastischen Mittel vor. Hier fällt auf, dass der Verbrauch im Jahr 2004 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückging und sich im Jahr 2005 erholte. Dieser Einbruch betraf vor allem die Teil-Indikationsgruppe der komplementären Therapie und fällt zusammen mit dem 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG). Seitdem ist für die Fertigarzneimittel insgesamt ein recht stabiler Verbrauch zu beobachten, allerdings mit steigender Tendenz. 2016 lag der Verbrauch von Fertigarzneimitteln bei 20,9 Mio. DDD und damit 5,3 % höher als im Vorjahr.

Der größte Teil der antineoplastischen Arzneimittel wird in Form von Zubereitungen abgegeben. Im Jahr 2016 waren es 38,9 Mio. DDD, 1,8 Mio. DDD bzw. 4,7 % mehr als im Vorjahr.

Der Verbrauch in der Teil-Indikationsgruppe der chemisch definierten Krebsmittel (inkl. Biologika) insgesamt erreichte 2016 über 585 Mio. DDD. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies ein Wachstum von 5,4 %. Der Verbrauch von Mitteln der komplementären Therapie (fast ausschließlich Mistelpräparate) ist 2016 erneut zurückgegangen und erreichte nur noch 1,3 Mio. DDD.

In der Teil-Indikationsgruppe der chemisch definierten Krebsmittel werden entsprechend dem Wirkmechanismus der Medikamente zahlreiche Therapieansätze unterschieden. Bezogen auf diese Therapieansätze war das Wachstum 2016 am größten für die die Proteinkinase-Inhibitoren mit einem Zuwachs von rund 0,89 Mio. DDD (12,8 %). Der Verbrauch von Immunonkologika hat sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdreifacht und stieg um 0,85 Mio. DDD. Verbrauchsrückgänge in vergleichbarer Dimension gab es in Bezug auf die Therapieansätze nicht.

In der Teil-Indikationsgruppe der chemisch definierten Mittel gegen Krebs war mit knapp 65 % der Anteil der „konventionellen“ Krebsmittel, also der Mittel mit bereits lange etablierten Wirkmechanismen, am höchsten. Innerhalb dieser Gruppe dominierten die Antimetaboliten mit einem Anteil von 42,2 %. Auf Taxane entfielen 2016 rund 12 % der „konventionellen“ Antineoplastika. Die Anteile der zielgerichteten Therapien und der monoklonalen Antikörper lagen jeweils bei knapp 18 % der chemisch definierten Krebsmittel. Unter den zielgerichteten Therapien führte 2016 der Therapieansatz der Proteinkinase-Inhibitoren mit knapp 76 %; Hauptvertreter war hier wiederum das Imatinib. Die erst vor wenigen Jahren eingeführten Immuntherapien folgten an zweiter Stelle mit einem Anteil von gut 10 %; hier lag mit großem Abstand das Nivolumab an erster Stelle. Bei den monoklonalen Antikörpern war der größte Anteil mit gut 44 % für die gegen HER gerichteten Antikörper zu beobachten, die hauptsächlich bei Brustkrebs eingesetzt werden. Der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff war hier das Trastuzumab. Auf dem zweiten Rang lagen bei den monoklonalen Antikörpern mit knapp 27 % die gegen VEGF-gerichteten Antikörper, bei denen ein Großteil des Verbrauchs auf Bevacizumab entfiel, das z. B. bei fortgeschrittenem Darmkrebs zur Anwendung kommt.