Verbrauch von Brustkrebs- und Prostatakrebsmitteln L02 Endokrine Therapie (zytostatische Hormone) Die Ausgaben für zytostatische Hormone lagen 2019 bei 916,6 Mio. Euro. Im Vergleich zu 2018 sind sie um 112,0 Mio. Euro bzw. rund 14 % gestiegen. Dies war ausschließlich durch die Mittel für Prostatakrebs bedingt.

Veröffentlicht am: 14.12.20

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch nach Teil-Indikationsgruppen
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20092010201120122013201420152016201720182019
Brustkrebs82,084,382,583,285,088,690,392,594,997,4100,0
Prostatakrebs51,652,352,853,353,453,853,754,154,255,256,5
Zytostatische Hormone gesamt133,5136,6135,3136,5138,3142,4144,0146,6149,1152,6156,5
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2019 wurden 156,5 Mio. DDD von Arzneimitteln aus der Indikationsgruppe der Zytostatischen Hormone verbraucht. Der Verbrauch war 3,9 Mio. DDD bzw. um 2,5 % höher als im Vorjahr. Jedem Versicherten wurden 2019 im Mittel 2,2 DDD verordnet, womit die Arzneimittel dieser Indikationsgruppe zu den selten verordneten Wirkstoffen gehören.

Seit 1996 hat sich der Verbrauch mehr als verdreifacht. Die Teil-Indikationsgruppe der bei Brustkrebs eingesetzten Mittel hatte 2019 mit knapp 64 % den höchsten Anteil, der übrige entfiel auf die bei Prostatakrebs verwendeten Wirkstoffe. Während die Brustkrebsmittel 2019 um 2,6 Mio. DDD (2,7 %) zulegten und einen Verbrauch von genau 100 Mio. DDD erreichten, zeigte sich der Verbrauch der Mittel bei Prostatakrebs mit einem Anstieg um 1,1 % auf 56,5 Mio. DDD gegenüber dem Vorjahr geringer erhöht.

Bei den zytostatischen Hormonen zur Brustkrebstherapie hatte 2019 der Therapieansatz der Aromatasehemmer mit 54 % den höchsten Anteil. Dieser Therapieansatz ist seit Jahren generisch, und die am häufigsten verordneten Wirkstoffe sind Letrozol (52 %) und Anastrozol (34 %). Die Antiöstrogene vereinnahmten als zweitgrößter Therapieansatz knapp 46 % des Verbrauchs. Der dominante Wirkstoff ist das Tamoxifen, dessen Verbrauchsanteil 2019 bei 95 % lag. Der restliche Verbrauch entfiel auf das Fulvestrant. In der aktuell verfügbaren interdisziplinären S3-Leitlinie zur Behandlung des Brustkrebses (Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF 2020) wird die endokrine Therapie als adjuvante Therapie empfohlen bei Östrogen- bzw. Progesteron-empfindlichen Tumoren. Die Therapie soll über fünf Jahre durchgeführt werden und im Anschluss die Indikation für eine erweiterte endokrine Therapie über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren geprüft werden. Für die endokrine Therapie werden Tamoxifen und Aromatasehemmer empfohlen. Die inzwischen empfohlene längere Dauer der adjuvanten endokrinen Therapie erklärt die anhaltende Verbrauchssteigerung in der Teil-Indikationsgruppe.

Bei den Mitteln gegen Prostatakrebs dominieren die Therapieansätze der GnRH-Analoga mit 72 % gefolgt von den Antiandrogenen mit 22 %. Unter den GnRH-Analoga ist der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff das Leuprorelin mit einem Verbrauchsanteil von 75 %. Bei den Antiandrogenen erreichte das Bicalutamid mit 78 % den höchsten Anteil gefolgt von dem 2013 eingeführten Enzalutamid mit über 19 %. Enzalutamid wird z. B. dann eingesetzt, wenn eine vorherige Androgenentzugstherapie mit GnRH-Analoga oder Antiandrogenen versagt. Erwähnenswert ist außerdem der noch relativ junge Therapieansatz der CYP17-Inhibitoren, der 2019 einen Anteil von 5 % erreichte und aktuell nur den Wirkstoff Abirateron umfasst. Abirateron wird ähnlich eingesetzt wie Enzalutamid.

Literatur