Veröffentlicht am: 04.02.26
| Arzneimittelgruppe | Verbrauch in Mio. DDD | ||||||||||||
| 2012 | 2013 | 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | |
| Brustkrebs | 83,2 | 85,0 | 88,6 | 90,3 | 92,5 | 94,9 | 97,4 | 100,0 | 103,9 | 104,9 | 107,6 | 109,8 | 112 |
| Prostatakrebs | 53,3 | 53,4 | 53,8 | 53,7 | 54,1 | 54,2 | 55,2 | 56,5 | 58,1 | 59,5 | 61,4 | 64,5 | 67,7 |
| Zytostatische Hormone gesamt | 136,5 | 138,3 | 142,4 | 144,0 | 146,6 | 149,1 | 152,6 | 156,5 | 162,0 | 164,3 | 169,1 | 174,3 | 179,7 |
Im Jahr 2024 wurden 179,7 Mio. DDD von Arzneimitteln aus der Indikationsgruppe der Zytostatischen Hormone verbraucht. Der Verbrauch war um 5,4 Mio. DDD bzw. 3,1 % höher als im Vorjahr. Jedem Versicherten wurden 2024 im Mittel 2,4 DDD verordnet, womit die Arzneimittel dieser Indikationsgruppe zu den selten verordneten Wirkstoffen gehören.
Seit 1996 hat sich der Verbrauch um das 3,6-Fache erhöht. Die Teil-Indikationsgruppe der bei Brustkrebs eingesetzten Mittel hatte 2024 mit 62 % den höchsten Anteil, der übrige entfiel auf die bei Prostatakrebs verwendeten Wirkstoffe. Der Verbrauch von Brustkrebsmitteln wuchs 2024 um 2,2 Mio. DDD (2,0 %) auf 112 Mio. DDD, der von Mitteln bei Prostatakrebs stieg um 3,2 Mio. DDD (5 %) auf 67,75 Mio. DDD.
Bei den zytostatischen Hormonen zur Brustkrebstherapie hatte 2024 der Therapieansatz der Aromatasehemmer mit rund 66 % den höchsten Anteil mit weiterhin langsam steigender Tendenz. Dieser Therapieansatz ist seit Jahren generisch, und die am häufigsten verordneten Wirkstoffe sind Letrozol (66 %) und Anastrozol (25 %), wobei sich der Anteil von Letrozol langsam erhöht. Die SERM vereinnahmten als zweitgrößter Therapieansatz 32 % des Verbrauchs – mit sinkender Tendenz. Einziger Vertreter ist das Tamoxifen. Der restliche Verbrauch entfiel mit 2,4 % weitestgehend auf die SERD; der Verbrauch des neu eingeführten Elacestrant war 4 % noch marginal.
Der Verbrauch von Tamoxifen ist seit 2021 rückläufig und war 2024 bereits um mehr als 8 Mio. DDD (fast 19 %) niedriger als 2020, nachdem er bis dahin sehr stabil war. Hier sind möglicherweise die Auswirkungen von bestehenden Lieferschwierigkeiten erkennen. In der aktuell verfügbaren interdisziplinären S3-Leitlinie zur Behandlung des Brustkrebses (Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF 2021) wird die endokrine Therapie als adjuvante Therapie empfohlen bei Östrogen- bzw. Progesteron-empfindlichen Tumoren. Die Therapie soll über fünf Jahre durchgeführt werden und im Anschluss die Indikation für eine erweiterte endokrine Therapie über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren geprüft werden. Für die endokrine Therapie werden Tamoxifen und Aromatasehemmer empfohlen. Die inzwischen empfohlene längere Dauer der adjuvanten endokrinen Therapie erklärt die anhaltende Verbrauchssteigerung in der Teil-Indikationsgruppe.
Bei den Mitteln gegen Prostatakrebs dominieren die Therapieansätze der GnRH-Analoga mit 69 %, gefolgt von den Antiandrogenen mit 24 %. Unter den GnRH-Analoga ist der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff das Leuprorelin mit einem Verbrauchsanteil von 80 %. Bei den Antiandrogenen erreichte das Bicalutamid mit 57 % den höchsten Anteil, gefolgt von dem 2013 eingeführten Enzalutamid mit über rund 30 %.
Der Verbrauch der Antiandrogene insgesamt war in den letzten fünf Jahren stabil, doch ging er Verbrauch von älteren Antiandrogenen wie Bicalutamid zugunsten neuerer Androgene bzw. ARPI (Androgene Receptor Pathway Inhibitors) wie Apalutamid, Darolutamid und Enzalutamid zurück. Neuere ARPI werden z. B. dann eingesetzt, wenn eine vorherige Androgenentzugstherapie mit GnRH-Analoga oder älteren Antiandrogenen versagt. Erwähnenswert ist außerdem der noch Therapieansatz der CYP17-Inhibitoren, der 2024 einen Anteil von 4,4 % erreichte und aktuell nur den Wirkstoff Abirateron umfasst. Abirateron wird ähnlich eingesetzt wie neuere ARPI.