Verbrauch von Brustkrebs- und Prostatakrebsmitteln L02 Endokrine Therapie (zytostatische Hormone)

Veröffentlicht am: 21.01.19

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch nach Teil-Indikationsgruppen
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
Brustkrebs75,279,082,084,382,583,284,988,690,292,594,8
Prostatakrebs49,450,151,652,352,853,253,353,753,654,054,1
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2017 wurden 149,1 Mio. DDD von Arzneimitteln aus der Indikationsgruppe der zytostatischen Hormone verbraucht. Der Verbrauch war 2,5 Mio. DDD bzw. um 1,7 % höher als im Vorjahr. Jedem Versicherten wurden 2017 im Mittel 2,1 DDD verordnet, womit die Arzneimittel dieser Indikationsgruppe zu den selten verordneten Wirkstoffen gehören.

Seit 1996 hat sich der Verbrauch fast verdreifacht. Die Teil-Indikationsgruppe der bei Brustkrebs eingesetzten Mittel hatte 2017 mit knapp 64 % den höchsten Anteil, der übrige entfiel auf die bei Prostatakrebs verwendeten Wirkstoffe. Während die Brustkrebsmittel 2017 um 2,3 Mio. DDD (2,5 %) zulegten und einen Verbrauch von 94,8 Mio. DDD erreichten, zeigte sich der Verbrauch der Mittel bei Prostatakrebs mit einem Anstieg um 0,3 % auf 54,1 Mio. DDD gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.

Bei den zytostatischen Hormonen zur Brustkrebstherapie hatte 2017 der Therapieansatz der Aromatasehemmer mit 51 % den höchsten Anteil. Dieser Therapieansatz ist seit Jahren generisch und die am häufigsten verordneten Wirkstoffe sind Letrozol (47 %) und Anastrozol (37%). Die Antiöstrogene vereinnahmten als zweitgrößter Therapieansatz knapp 49 % des Verbrauchs. Der dominante Wirkstoff ist das Tamoxifen, dessen Verbrauchsanteil 2017 bei 95 % lag. Der restliche Verbrauch entfiel auf das Fulvestrant, dessen Verbrauchsanteil sich nach der Einführung von Generika Ende 2015 leicht erhöht hat. Der Generikaanteil erreichte 2017 rund 30%. In der aktuell verfügbaren interdisziplinären S3-Leitlinie zur Behandlung des Brustkrebses (Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF 2017) wird die endokrine Therapie als adjuvante Therapie empfohlen bei Östrogen- bzw. Progesteron-empfindlichen Tumoren. Die Therapie soll über fünf Jahre durchgeführt werden und im Anschluss die Indikation für eine erweiterte endokrine Therapie über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren geprüft werden. Für die endokrine Therapie werden Tamoxifen und Aromatasehemmer empfohlen. Die inzwischen empfohlene längere Dauer der adjuvanten endokrinen Therapie erklärt die anhaltende Verbrauchssteigerung in der Teil-Indikationsgruppe.

Bei den Mitteln gegen Prostatakrebs dominieren die Therapieansätze der GnRH-Analoga mit 72 % gefolgt von den Antiandrogenen mit 23 %. Unter den GnRH-Analoga ist der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff das Leuprorelin mit einem Verbrauchsanteil von 73 %. Bei den Antiandrogenen erreichte das Bicalutamid mit 82 % den höchsten Anteil gefolgt von dem erst vor wenigen Jahren eingeführten Enzalutamid mit über 15 %. Enzalutamid wird z. B. dann eingesetzt, wenn eine vorherige Androgenentzugstherapie mit GnRH-Analoga oder Antiandrogenen versagt. Erwähnenswert ist außerdem der noch relativ junge Therapieansatz der CYP17-Inhibitoren, der 2016 einen Anteil von 3 % erreichte und aktuell nur den Wirkstoff Abirateron umfasst. Abirateron wird ähnlich eingesetzt wie Enzalutamid.

Literatur