Verbrauch L02 Endokrine Therapie (zytostatische Hormone)

Veröffentlicht am: 09.09.17

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health)
Verbrauch nach Teil-Indikationsgruppen
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20062007200820092010201120122013201420152016
Brustkrebs73,375,279,082,084,382,583,284,988,690,292,5
Prostatakrebs32,334,235,137,038,639,039,639,740,140,540,3
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2016 wurden 132,8 Mio. DDD von Arzneimitteln aus der Indikationsgruppe der zytostatischen Hormone verbraucht. Der Verbrauch war 2,1 Mio. DDD bzw. um 1,6 % höher als im Vorjahr. Jedem Versicherten wurden 2016 im Mittel 1,9 DDD verordnet, womit die Arzneimittel dieser Indikationsgruppe zu den selten verordneten Wirkstoffen gehören.

Seit 2005 ist der Verbrauch um knapp 33 Mio. DDD angestiegen; dies entspricht einer Zuwachsrate von 33 %. Die Teil-Indikationsgruppe der bei Brustkrebs eingesetzten Mittel hatte 2016 mit fast 70 % den höchsten Anteil, der übrige entfiel auf die bei Prostatakrebs verwendeten Wirkstoffe. Während die Brustkrebsmittel 2016 um 2,2 Mio. DDD (2,5 %) zulegten und einen Verbrauch von 92,5 Mio. DDD erreichten, zeigte sich der Verbrauch der Mittel bei Prostatakrebs mit 40,3 Mio. DDD gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert.

Bei den zytostatischen Hormonen zur Brustkrebstherapie hatte 2016 der Therapieansatz der Aromatasehemmer mit 51 % den höchsten Anteil. Alle drei Wirkstoffe dieses Therapieansatzes sind seit einigen Jahren generisch verfügbar, und der Generikaanteil liegt bei über 99 %. Die Antiöstrogene vereinnahmten als zweitgrößter Therapieansatz knapp 49 % des Verbrauchs. Der dominante Wirkstoff ist das Tamoxifen, dessen Verbrauchsanteil 2016 bei 96 % lag. Der restliche Verbrauch entfiel auf das Fulvestrant. In der aktuell verfügbaren – inzwischen in Überarbeitung befindlichen – interdisziplinären S3-Leitlinie der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zur Behandlung des Brustkrebses (Leitlinienprogramm Onkologie 2012) wird die endokrine Therapie als adjuvante Therapie empfohlen bei Östrogen- bzw. Progesteron-empfindlichen Tumoren. Für Frauen vor der Menopause wird Tamoxifen als Mittel der Wahl empfohlen, für Frauen nach der Menopause Aromatasehemmer. Es sind unterschiedliche Therapieschemata möglich, wobei entweder nur Tamoxifen, nur Aromatasehemmer oder beides in Folge gegeben wird.

Bei den Mitteln gegen Prostatakrebs dominieren die Therapieansätze der GnRH-Analoga mit 62 % gefolgt von den Antiandrogenen mit 32 %. Unter den GnRH-Analoga ist der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff das Leuprorelin (mehr als die Hälfte des Verbrauchs). Bei den Antiandrogenen erreichte das Bicalutamid mit 83 % den höchsten Verbrauchsanteil gefolgt von dem erst vor wenigen Jahren eingeführten Enzalutamid mit über 13 %. Enzalutamid wird z. B. dann eingesetzt, wenn eine vorherige Androgenentzugstherapie mit GnRH-Analoga oder Antiandrogenen versagt. Erwähnenswert ist außerdem der noch relativ junge Therapieansatz der CYP17-Inhibitoren, der 2016 einen Anteil von 4 % erreichte und aktuell nur den Wirkstoff Abirateron umfasst. Abirateron wird ähnlich eingesetzt wie Enzalutamid.

Literatur