Meilensteine bei Mitteln zur Anregung des Immunsystems L03 Immunstimulanzien

Veröffentlicht am: 09.09.17

Bis 1980
  • 1957: Entdeckung der antiviralen Eigenschaften von Interferon
  • 1960er Jahre: Entdeckung von Glatirameracetat
1981–1990
  • 1986: Interferone können gentechnisch hergestellt werden.
  • 1987: Einführung der ersten Interferone alpha
1991–2000
  • 1991: Einführung der ersten koloniestimulierenden Faktors (Filgrastim)
  • 1993: Zulassung von BCG-Impfstoff zur Behandlung von Blasenkrebs
  • 1996/97: Einführung der Beta-Interferone zur Anwendung bei Multipler Sklerose (MS)
2001–2010
  • 2001: Einführung von Glatirameracetat zur Behandlung der MS
  • 2009: Plerixafor zur Stammzellmobilisierung
Seit 2011
  • Keine maßgeblichen Neuerungen in der Indikationsgruppe

Die Indikationsgruppe der Immunstimulanzien ist eine heterogene Gruppe von Arzneimitteln, die bei verschiedenen Erkrankungen und Störungen eingesetzt werden. In der Forschung werden erste Grundlagen schon viele Jahre vor Einführung der ersten Wirkstoffe entdeckt: So wurden bereits 1957 die antiviralen Eigenschaften von Interferon entdeckt und das Glatirameracetat ist schon seit den 1960er-Jahren bekannt. Es wurde damals als Copolymer 1 synthetisiert, mit dem eigentlich im Tiermodell eine Autoimmunenzephalitis ausgelöst werden sollte. Doch entsprechende Versuche blieben erfolglos. Stattdessen zeigte sich, dass Copolymer 1 das genaue Gegenteil bewirkte: Es unterdrückte die entzündlichen Vorgänge bei einer experimentellen Autoimmunenzephalitis (McGraw und Lublin 2013). Bis Glatirameracetat für die Anwendung bei Multipler Sklerose (MS) zur Verfügung stand, sollte es noch viele Jahre dauern: Erst 2001 wurde dieser Wirkstoff in Deutschland eingeführt.

Auch auf die therapeutische Anwendung von Interferonen musste sehr lange gewartet werden. Erst seit 1986 können Interferone gentechnisch und damit in ausreichend großen Mengen für die therapeutische Anwendung produziert werden. 1987 wurden die ersten Interferone alpha eingeführt. Noch einmal zehn Jahre dauerte es, bis 1996/97 die Beta-Interferone zur Behandlung der MS eingeführt wurden, die neben Glatirameracetat auch heute noch den Standard für die Basistherapie der schubförmig verlaufenden MS darstellen.

Seit 1991 steht mit Filgrastim der erste gentechnisch produzierte koloniestimulierende Faktor zur Verfügung. Mit diesem Wirkstoff kann der Abfall von bestimmten weißen Blutkörperchen (Neutropenie) behandelt werden, wie er z. B. bei einer Chemotherapie gegen Krebserkrankungen auftreten kann.

2009 kam der Wirkstoff Plerixafor auf den Markt. Mit ihm lassen sich Stammzellen aus dem Knochenmark mobilisieren. Dadurch wird die autologe Stammzelltransplantation, wie sie bei Patienten mit Lymphom oder multiplem Myelom durchgeführt wird, erleichtert.