Verbrauch A 16 Andere Mittel für das alimentäre System und den Stoffwechsel Mittel aus dem Bereich Ernährung und Stoffwechsel werden vor allem bei seltenen Stoffwechselerkrankungen eingesetzt. Die Ausgaben der GKV lagen 2019 bei fast 592 Mio. Euro, ein Plus von 14,6 % gegenüber 2018.

Veröffentlicht am: 27.10.20

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Tsd. DDD
20092010201120122013201420152016201720182019
Carnitinmangel602,9601,9615,0604,0597,0559,4563,0607,7607,7606,1594,5
Morbus Fabry72,787,6111,3123,4134,7146,0169,9187,4201,4220,0243,2
Morbus Gaucher Typ 132,540,157,471,379,480,387,5100,9100,0102,1108,0
Phenylketonurie10,227,239,245,048,660,662,967,573,482,791,4
Morbus Wilson31,129,734,533,834,833,640,240,043,746,577,2
Morbus Pompe17,122,231,333,636,840,144,348,056,665,770,8
Andere Stoffwechselkrankheiten30,633,535,336,137,739,541,750,654,557,463,2
Schwermetallvergiftung57,958,657,257,656,151,857,554,554,347,846,8
Tyrosinämie Typ 120,423,922,924,225,026,428,532,535,841,644,2
Hypophosphatasie0,00,00,00,00,00,00,97,024,635,243,4
Kurzdarmsyndrom0,00,00,00,00,00,810,217,821,125,732,5
Übrige Indikationsgruppen53,055,359,057,760,165,269,581,592,3120,3144,4
Summe928,3980,01.063,11.086,81.110,31.103,81.176,11.295,41.365,51.451,11.559,5
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Von den Anderen Mitteln für das alimentäre System und den Stoffwechsel wurden im Jahr 2019 1,56 Mio. DDD verbraucht. Die Arzneimittel dieser Indikationsgruppe gehören zu den sehr selten verordneten, und jedem GKV-Versicherten wurden 2019 im Mittel 0,02 DDD verordnet.

Der Verbrauch der Anderen Mittel für das alimentäre System und den Stoffwechsel lag 2019 rund 1,7fach höher als zu Beginn des Betrachtungszeitraums 2003. Der Zuwachs lag 2019 im Vergleich zum Vorjahr bei 108 Tsd. DDD bzw. 7,5 % und war damit höher als in den beiden Vorjahren.

Die Indikationsgruppe zerfällt in sehr viele Teil-Indikationsgruppen, die nicht selten jeweils nur einen Wirkstoff umfassen. Rund 38 % des Verbrauchs entfielen 2019 auf die bei Carnitinmangel eingesetzten Arzneimittel. Hier zeigt der Zeitverlauf für die Vergangenheit jährliche Verbrauchsschwankungen, aber keine eindeutige Entwicklung. 2019 war der Verbrauch im Vergleich zu den drei Vorjahren etwas verringert.

Anders verhält es sich bei den Mitteln zur Behandlung des Morbus Fabry sowie des Morbus Gaucher Typ 1 mit Verbrauchsanteilen von rund 16 % bzw. 7 %. Für die Mittel zur Behandlung des Morbus Fabry ist der Verbrauch in der Vergangenheit stetig gestiegen, und eine Sättigung des Verbrauchs ist nicht absehbar. Der Verbrauch hat sich seit 2009 mehr als verdreifacht. Führend ist hier der Wirkstoff Agalsidase alfa zur Enzymsubstitution. Sein Verbrauchsanteil lag 2019 bei 65 % und ist zugunsten des 2016 eingeführten Migalastat zurückgegangen, während Migalastat seinen Anteil von 3 % auf fast 17 % erhöhen konnte. Der Verbrauch von Mitteln zur Behandlung des Morbus Gaucher Typ 1 war 2019 mehr als dreimal so hoch wie 2009 und ist gegenüber dem Vorjahr um fast 6 % gestiegen. Der größte Teil des Verbrauchs entfiel 2019 mit rund 60 % auf den Therapieansatz der Enzymhemmer, zu denen Miglustat und Eliglustat gehören. Für Miglustat wurde 2015 erstmals ein Generikum eingeführt. Die Generikaanteile am Verbrauch erreichten bis 2018 maximal 3,4 %, stiegen 2019 jedoch auf gut 20 %.

Die höchsten Verbrauchssteigerungen waren für die Mittel bei Morbus Wilson sowie Morbus Fabry zu beobachten. 2019 lag hier der Verbrauch gegenüber 2018 um rund 31 Tsd. bzw. 23 Tsd. DDD höher. Für die Mittel bei Morbus Wilson lag damit die Zuwachsrate bei 66 %. Der Zuwachs ist allein auf den seit 2017 in Deutschland verfügbaren Wirkstoff Trientin zurückzuführen. Nach Angaben der Europäischen ArzneimittelAgentur (EMA) ist Trientindihydrochlorid in Europa seit 1985 verfügbar. Bei der Neuzulassung handelt es sich um das Salz Trientintetrahydrochlorid, das genauso wirkt wie das Dihydrochloridsalz, aber nicht gekühlt gelagert werden muss.

Der seit Jahren zu beobachtende Verbrauchsanstieg in den meisten der einzelnen Teil-Indikationsgruppen dürfte in erster Linie darauf zurückzuführen sein, dass mehr betroffene Patienten behandelt werden. Es ist sowohl möglich, dass bei mehr Patienten eine Diagnose gestellt wird, als auch, dass mehr Patienten einer Behandlung zugeführt werden können. Schließlich ist auch in Betracht zu ziehen, dass die Zahl der behandelbaren Patienten deshalb steigt, weil Patienten durch die Behandlung länger überleben.

Der Verbrauchsanstieg der Indikationsgruppe insgesamt ist auch durch die Einführung neuer Wirkstoffe bedingt, die häufig neue Therapieoptionen für seltene Erkrankungen darstellen, die bis dahin nicht medikamentös behandelt werden konnten. Substitutionseffekte spielen daher kaum eine Rolle.