Verbrauch B01 Antithrombotische Mittel

Veröffentlicht am: 09.09.17

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20062007200820092010201120122013201420152016
Mittel bei erhöhter Neigung zur Bildung von Thromben und Thromboembolien (Thrombozytenaggregationshemmer)1.069,81.099,31.165,71.199,81.288,21.366,91.440,01.495,81.600,91.650,01.698,4
Mittel bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK)0,01,43,04,45,56,05,95,24,33,93,6
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Antithrombotische Mittel werden sehr häufig eingesetzt: Im Mittel erhielt 2016 jeder GKV-Versicherte 24 DDD dieser Wirkstoffe.

Der Verbrauch von antithrombotischen Mitteln hat sich im Beobachtungszeitraum mehr als verfünffacht. 2016 erreichte der Verbrauch 1,7 Mrd. DDD. Die Verbrauchskurve entwickelte sich seit 1996 zweiphasig. Zunächst war bis 2003 ein steiler Anstieg zu beobachten, gefolgt von einem Einbruch im Jahr 2004. Dieser Einbruch war darauf zurückzuführen, dass seit 2004 rezeptfreie Arzneimittel nur noch in bestimmten Fällen erstattet werden. Dies betrifft auch die Acetylsalicylsäure (ASS), die standardmäßig bei akutem Koronarsyndrom oder nach Herzinfarkt eingesetzt wird. Zwar ist der Wirkstoff bei dieser Behandlungsindikation erstattungsfähig, doch wird das Mittel in vielen Fällen von den Patienten selbst gezahlt.

Seit 2005 steigt der Verbrauch wieder an, zunächst mit niedrigen Steigerungsraten. Ab 2010 wurde der Verbrauchsanstieg steiler, und der Verbrauchszuwachs erreichte 2014 mit 110 Mio. DDD ein Maximum in der Phase ab 2004, die Steigerungsrate gegenüber 2013 betrug 7,3 %. Seit 2015 hat sich der Verbrauchszuwachs beruhigt und lag in den letzten beiden Jahren bei jeweils rund 50 Mio. DDD jährlich, was einer Rate von 3 % entspricht. Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass allein die Thrombozytenaggregationshemmer bestimmend für das Verbrauchsgeschehen sind.

Das in den letzten Jahren beobachtete Wachstum ist vor allem auf die neuen oralen Antikoagulanzien (NOAKs) zurückzuführen, deren Verbrauch seit dem Jahr 2012 massiv steigt: 2012 lag der Verbrauch bei 38 Mio. DDD und erreichte 2016 rund 330 Mio. DDD. Den höchsten Anteil an diesem Verbrauch hatte 2016 das Rivaroxaban mit 58 %, gefolgt von Apixaban mit 28 %. Das NOAK mit dem stärksten Wachstum war 2016 Apixaban, dessen Verbrauch um 42 Mio. DDD stieg. Als wichtigste Ursache für die starke Verbrauchszunahme der NOAKs ist die Zulassung für die Anwendung zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern (SPAF) zu nennen. Hier standen bis zur Zulassung der NOAKs nur die Vitamin-K-Antagonisten und ggf. ASS zur Verfügung. Die Anwendung von Vitamin-K-Antagonisten erfordert ein kontinuierliches Monitoring der Blutgerinnung und bei Bedarf eine Anpassung der Dosierung von Vitamin-K-Antagonisten. Dieses Monitoring ist bei den NOAKs nicht erforderlich, womit diese einfacher anzuwenden sind. Der Verbrauch von Vitamin-K-Antagonisten ist seit Einführung der NOAKs zurückgegangen – zwischen 2012 und 2016 um 18 % auf nunmehr 317 Mio. DDD. Dieser Rückgang entspricht inzwischen einem relevanten Anteil des Verbrauchs von NOAKs. Es muss daher angenommen werden, dass die NOAKs zunächst überwiegend bei Patienten eingesetzt wurden, bei denen eine Indikation zur Blutgerinnungshemmung bestand, man jedoch Vitamin-K-Antagonisten nicht anwenden wollte. Das heißt, durch die NOAKs konnte ein offener Bedarf gedeckt werden. Mittlerweile zeigt der Rückgang der Vitamin-K-Antagonisten einen Trend zur Beschleunigung, sodass langfristig von einer Verdrängung dieser Wirkstoffgruppe durch die NOAKs auszugehen ist.

Bei weiteren wichtigen Therapieansätzen der Thrombozytenaggregationshemmer, insbesondere ASS und den P2Y12-Rezeptor-Antagonisten mit Anteilen von 41 bzw. 12 %, blieb der Verbrauch in den letzten drei Jahren annähernd stabil.