Verbrauch von Thrombosemitteln in der GKV B01 Antithrombotische Mittel

Veröffentlicht am: 16.12.18

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-Indikationsgruppe*Verbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
Mittel bei erhöhter Neigung zur Bildung von Thromben und Thromboembolien (Thrombozytenaggregationshemmer)1099,31165,71199,81288,21366,91440,01495,81600,91650,01698,41743,7
Mittel bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK)1,43,04,45,56,05,95,24,33,93,63,3
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen* Dargestellt ist nur der Verbrauch für die beiden größten Teil-Indikationsgruppen. Der jährliche Verbrauch für die übrigen Teilindikationsgruppen insgesamt war im betrachteten Zeitraum nie höher 0,1 Mio. DDD.

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Antithrombotische Mittel werden sehr häufig eingesetzt: Im Mittel erhielt 2017 jeder GKV-Versicherte 24,3 DDD dieser Wirkstoffe.

Der Verbrauch von antithrombotischen Mitteln hat sich im Beobachtungszeitraum mehr als verfünffacht. 2017 erreichte der Verbrauch rund 1,75 Mrd. DDD. Die Verbrauchskurve entwickelte sich seit 1996 zweiphasig. Zunächst war bis 2003 ein steiler Anstieg zu beobachten, gefolgt von einem Einbruch im Jahr 2004. Dieser Einbruch war darauf zurückzuführen, dass seit 2004 rezeptfreie Arzneimittel nur noch in bestimmten Fällen erstattet werden. Dies betrifft auch die Acetylsalicylsäure (ASS), die standardmäßig bei akutem Koronarsyndrom oder nach Herzinfarkt eingesetzt wird. Zwar ist der Wirkstoff bei dieser Behandlungsindikation erstattungsfähig, doch wird das Mittel in vielen Fällen von den Patienten selbst gezahlt.

Seit 2005 steigt der Verbrauch wieder an, zunächst mit niedrigen Steigerungsraten. Ab 2010 wurde der Verbrauchsanstieg steiler, und der Verbrauchszuwachs erreichte 2014 mit 110 Mio. DDD ein Maximum in der Phase ab 2004, die Steigerungsrate gegenüber 2013 betrug 7,3 %. Seit 2015 hat sich der Verbrauchszuwachs beruhigt und lag 2015 und 2016 bei jeweils knapp 50 Mio. DDD jährlich, 2017 bei rund 45 Mio. DDD; die Wachstumsrate ging zwischen 2015 und 2017 von 3 auf 2,6 % zurück. Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass allein die Thrombozytenaggregationshemmer bestimmend für das Verbrauchsgeschehen sind.

Das in den letzten Jahren beobachtete Wachstum ist vor allem auf die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs) zurückzuführen, deren Verbrauch seit dem Jahr 2012 massiv steigt: 2013 lag der Verbrauch noch bei 110 Mio. DDD und hat sich inzwischen fast vervierfacht, so dass 2017 der Verbrauch bei rund 416 Mio. DDD lag. DDD. Die Wachstumsrate lag 2017 bei rund 26 % im Vergleich zum Vorjahr. Den höchsten Anteil an diesem Verbrauch hatte 2017 das Rivaroxaban mit 47 %, gefolgt von Apixaban mit 35 %. Das DOAK mit dem stärksten Wachstum war 2016 und 2017 Apixaban, dessen Verbrauch in den genannten Jahren um 42 Mio. bzw. 50 Mio. DDD stieg. Als wichtigste Ursache für die starke Verbrauchszunahme der DOAKs ist die Zulassung für die Anwendung zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern (SPAF) zu nennen. Hier standen bis zur Zulassung der DOAKs nur die Vitamin-K-Antagonisten und ggf. ASS zur Verfügung. Die Anwendung von Vitamin-K-Antagonisten erfordert ein kontinuierliches Monitoring der Blutgerinnung und bei Bedarf eine Anpassung der Dosierung von Vitamin-K-Antagonisten. Dieses Monitoring ist bei den DOAKs nicht erforderlich, womit diese einfacher anzuwenden sind. Der Verbrauch von Vitamin-K-Antagonisten ist seit Einführung der DOAKs zurückgegangen – zwischen 2013 und 2017 um 24 % auf nunmehr 282 Mio. DDD. Dieser Rückgang entspricht inzwischen einem relevanten Anteil des Verbrauchs von DOAKs. Es muss daher angenommen werden, dass die DOAKs zunächst überwiegend bei Patienten eingesetzt wurden, bei denen eine Indikation zur Blutgerinnungshemmung bestand, man jedoch Vitamin-K-Antagonisten nicht anwenden wollte. Das heißt, durch die DOAKs konnte ein offener Bedarf gedeckt werden. Mittlerweile zeigt der Rückgang der Vitamin-K-Antagonisten einen Trend zur Beschleunigung, sodass langfristig von einer Verdrängung dieser Wirkstoffgruppe durch die DOAKs auszugehen ist.

Weitere wichtige Therapieansätze der Thrombozytenaggregationshemmer sind insbesondere ASS und die P2Y12-Rezeptor-Antagonisten. Für ASS und verwandte Wirkstoffe blieb der Verbrauch in den letzten drei Jahren mit rund 690 Mio. DDD stabil, der Anteil am Verbrauch der Teil-Indikationsgruppe ging jedoch leicht zurück, nämlich von 42 auf 40 %. Ähnlich zeigt sich die Entwicklung für die P2Y12-Rezeptor-Antagonisten mit einem ebenfalls stabilen Verbrauch von rund 205 Mio. DDD und einem leichten Rückgang des Verbrauchsanteils von 13 auf 12 %.