Verbrauch B01 Antithrombotische Mittel Diese Arzneimittel werden überwiegend zur Vermeidung von Blutgerinnseln eingesetzt. Die Ausgaben der GKV lagen 2019 bei rund 2,3 Mrd. Euro und entfielen zu gut 98 % auf Thrombozytenaggregationshemmer.

Veröffentlicht am: 02.03.21

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-Indikationsgruppe*Verbrauch in Mio. DDD
20092010201120122013201420152016201720182019
Mittel bei erhöhter Neigung zur Bildung von Thromben und Thromboembolien (Thrombozytenaggregationshemmer)1199,81288,21366,91440,01495,81600,91650,01698,41743,71792,91844,6
Mittel bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK)4,45,56,05,95,24,33,93,63,33,13,0
Gesamt1204,31293,71372,81446,01501,21605,21654,01702,11747,11796,11847,6
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen* Dargestellt ist nur der Verbrauch für die beiden größten Teil-Indikationsgruppen. Der jährliche Verbrauch für die übrigen Teilindikationsgruppen insgesamt war im betrachteten Zeitraum nie höher als 0,1 Mio. DDD.

icon download

Antithrombotische Mittel werden sehr häufig eingesetzt: Im Mittel erhielt 2019 jeder GKV-Versicherte 25,5 DDD dieser Wirkstoffe.

Der Verbrauch von antithrombotischen Mitteln hat sich im Beobachtungszeitraum mehr als verfünffacht. 2019 erreichte der Verbrauch mehr als 1,8 Mrd. DDD. Die Verbrauchskurve entwickelte sich seit 1996 zweiphasig. Zunächst war bis 2003 ein steiler Anstieg zu beobachten, gefolgt von einem Einbruch im Jahr 2004. Dieser Einbruch war darauf zurückzuführen, dass seit 2004 rezeptfreie Arzneimittel nur noch in bestimmten Fällen erstattet werden. Dies betrifft auch die Acetylsalicylsäure (ASS), die standardmäßig bei akutem Koronarsyndrom oder nach Herzinfarkt eingesetzt wird. Zwar ist der Wirkstoff bei dieser Behandlungsindikation erstattungsfähig, doch wird das Mittel in vielen Fällen von den Patienten selbst gezahlt.

Seit 2005 steigt der Verbrauch wieder an, zunächst mit niedrigen Steigerungsraten. Ab 2010 wurde der Verbrauchsanstieg steiler, und der Verbrauchszuwachs erreichte 2014 mit 110 Mio. DDD ein Maximum in der Phase ab 2004, die Steigerungsrate gegenüber 2013 betrug 7,3 %. Seit 2015 hat sich der Verbrauchszuwachs beruhigt und lag seitdem bei knapp 50 Mio. DDD jährlich mit einer Wachstumsrate von rund 3 %. Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass allein die Thrombozytenaggregationshemmer bestimmend für das Verbrauchsgeschehen sind: Auf sie entfallen 99,8 % des Verbrauchs.

Das in den letzten Jahren beobachtete Wachstum ist vor allem auf die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs) zurückzuführen, deren Verbrauch seit dem Jahr 2012 massiv steigt: 2013 lag der Verbrauch noch bei 110 Mio. DDD und hat sich inzwischen mehr als verfünffacht, sodass 2019 der Verbrauch bei rund 600 Mio. DDD lag. Der Verbrauchsanteil der DOAKs an dem der Thrombozytenaggregationshemmer liegt mittlerweile bei 33 %. Den höchsten Anteil am Verbrauch der DOAKs hatte 2019 das Apixaban mit 41 %, gefolgt von Rivaroxaban mit 37 %. Das DOAK mit dem stärksten Wachstum war in den letzten drei Jahren Apixaban, dessen Verbrauch sich jährlich um 42–51 Mio. DDD erhöhte. Als wichtigste Ursache für die starke Verbrauchszunahme der DOAKs ist die Zulassung für die Anwendung zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern (SPAF) zu nennen. Hier standen bis zur Zulassung der DOAKs nur die Vitamin-K-Antagonisten und ggf. ASS zur Verfügung. Die Anwendung von Vitamin-K-Antagonisten erfordert ein kontinuierliches Monitoring der Blutgerinnung und bei Bedarf eine Anpassung der Dosierung von Vitamin-K-Antagonisten. Ein solches Monitoring wird bei den DOAKs nicht durchgeführt, womit diese einfacher anzuwenden sind. Der Verbrauch von Vitamin-K-Antagonisten ist seit Einführung der DOAKs zurückgegangen – zwischen 2012 und 2019 um 46 % auf nunmehr 209 Mio. DDD. Es ist davon auszugehen, dass die DOAKs zunächst überwiegend bei Patienten eingesetzt wurden, bei denen eine Indikation zur Blutgerinnungshemmung bestand, man jedoch Vitamin-K-Antagonisten nicht anwenden wollte. Das heißt, durch die DOAKs konnte ein offener Bedarf gedeckt werden. Mittlerweile ist jedoch von einer starken Verdrängung der Vitamin-K-Antagonisten durch die DOAKs auszugehen.

Weitere wichtige Therapieansätze der Thrombozytenaggregationshemmer sind insbesondere ASS und die P2Y12-Rezeptor-Antagonisten. Für ASS und verwandte Wirkstoffe fand sich in den letzten drei Jahren ein leicht steigender Verbrauch, der 2019 rund 699 Mio. DDD erreichte, der Anteil am Verbrauch der Teil-Indikationsgruppe ging jedoch leicht zurück, nämlich von 40 auf 38 %. Für die die P2Y12-Rezeptor-Antagonisten fand sich in den Jahren 2017–2019 ein konstanter Verbrauch um 203 Mio. DDD mit einem leichten Rückgang des Verbrauchsanteils von 12 auf 11 %.