Veröffentlicht am: 18.02.26
Bei den blutstillenden Mitteln (Antihämorrhagika) handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Mitteln zur Behandlung bzw. Vorbeugung von Störungen des Gerinnungssystems, die in der Regel mit Blutungen (Hämorrhagien) oder einer vermehrten Blutungsneigung einhergehen. Diesen Störungen können die unterschiedlichsten Ursachen zugrunde liegen. Von größter Bedeutung ist die Behandlung vor allem der angeborenen Störungen des Gerinnungssystems, die auch als Hämophilie bezeichnet werden: Bei diesen Störungen müssen bestimmte Gerinnungsfaktoren substituiert werden, um die Blutgerinnung zu normalisieren. Darüber hinaus werden bei den Antihämorrhagika weitere Teil-Indikationsgruppen unterschieden, die im Folgenden dargestellt werden.
In Bezug auf den Verbrauch ist die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei unspezifischen Gerinnungsstörungen am relevantesten. Hinsichtlich der Ausgaben spielen die verschiedenen Teil-Indikationsgruppen zur Behandlung eines Mangels an Blutgerinnungsfaktoren die größte Rolle, insbesondere der Mangel an Faktor VIII, der bei schwerer Ausprägung zur Hämophilie A führt. Bei Mangel an Blutgerinnungsfaktoren werden die entsprechenden Faktoren ersetzt, um Blutungsepisoden vorzubeugen oder zu behandeln. Erwähnenswert ist außerdem die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei Thrombozytopenie. Bei dieser Erkrankung kommt es durch unterschiedliche Ursachen zu einem Mangel an Blutplättchen, was zu einer erhöhten Blutungsneigung führt. Alle Arzneimittel dieser Teil-Indikationsgruppe sind zugelassen zur Behandlung der Immunthrombozytopenie (ITP). Darüberhinausgehende Zulassungen sind für die verschiedenen Wirkstoffe nicht deckungsgleich; sie umfassen die Thrombozytopenie bei schweren Lebererkrankungen sowie die erworbene aplastische Anämie, einer Störung der Blutbildung, die alle Arten von Blutzellen betrifft.
In den meisten der verschiedenen Teil-Indikationsgruppen der Mittel zur Behandlung von Mangel an Gerinnungsfaktoren werden unterschiedlichen Therapieansätze unterschieden. Die wichtigsten Therapieansätze sind jeweils die spezifischen Gerinnungsfaktoren. Gerinnungsfaktoren können aus dem Blutplasma von Spendern gewonnen werden. Mittlerweile stehen für alle Gerinnungsstörungen biotechnologisch hergestellte Wirkstoffe zur Verfügung, bei denen das Risiko der Übertragung von infektiösen Agenzien geringer ist., die mittlerweile überwiegend biotechnologisch hergestellt werden. Die Wirkstoffe müssen regelmäßig injiziert werden und kompensieren so den bestehenden Faktorenmangel. Zur Therapie der Hämophilie A (Faktor-VIII-Mangel) bzw. der Hämophilie B (Faktor-IX-Mangel) stehen mittlerweile Gentherapien als weiterer Therapieansatz zur Verfügung (Valoctocogen roxaparvovec bzw. Etranacogen dezaparvovec). Durch die einmalig anzuwendende Gentherapie wird über einen Virus jeweils die DNA für ein Gen in Leberzellen transportiert. Dieser Gentransfer versetzt die Leberzellen in die Lage, funktionsfähige Varianten der fehlenden Gerinnungsfaktoren herzustellen.
Für die Behandlung der Hämophilie A ist zudem der Therapieansatz der Faktor-X-Aktivierer zu nennen. Auch der Gerinnungsfaktor VIII aktiviert den Faktor X, und somit stellt dieser Therapieansatz eine Alternative zur klassischen Substitutionstherapie bei Hämophilie A dar. Einziger Vertreter ist bisher das Emicizumab.
Die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei idiopathischer thrombozytärer Purpura umfasst derzeit nur den Therapieansatz der Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten. Über Aktivierung des Thrombopoetin-Rezeptors wird die Produktion von Blutplättchen stimuliert.
Die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei unspezifischen Gerinnungsstörungen gliedert sich in drei Therapieansätze, von denen das Vitamin K am wichtigsten ist. Vitamin K ist ein wichtiger Ko-Faktor bei der Synthese bestimmter Gerinnungsfaktoren, die daher auch Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktoren genannt werden. Hauptanwendung von Vitamin K ist die Vitamin-K-Prophylaxe, die alle Neugeborenen erhalten sollen, damit Blutungen durch einen Vitamin-K-Mangel verhindert werden.