Aktuelle und künftige Entwicklungen bei blutstillenden Mitteln B02 Antihämorrhagika Von größter Bedeutung ist der Einsatz von blutstillenden Mitteln bei der Hämophilie (Bluterkrankheit). Die Ausgaben der GKV für in Apotheken abgegebene blutstillende Mittel betrugen 2020 rund 519 Mio. Euro.

Veröffentlicht am: 27.10.21

Fazit zu den Entwicklungen bei den blutstillenden Mitteln

In der Indikationsgruppe der Blutstillenden Mittel stiegen die Ausgaben im Jahr 2020 um 255,7 Mio. Euro (97 %). Der Großteil dieser Mehrausgaben war dadurch bedingt, dass seit September 2020 Faktorenpräparate nahezu ausschließlich durch Apotheken abgegeben werden müssen und nicht mehr durch die Behandlungszentren. Dies wurde durch das GSAV (Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung) beschlossen.

  • Verbrauch: Bedingt durch die geänderten Abgabebedingungen stieg auch der Verbrauch 2020 erheblich stärker als in den Vorjahren. Die Zuwachsrate erreichte 16 %, und der Verbrauch lag bei 3 Mio. DDD.
  • Innovation: Die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei Thrombozytopenie besteht seit 2009, und der Verbrauchsanstieg kann hier als Hinweis auf innovative Arzneimittel interpretiert werden. Die Einführung von Fostamatinib im Jahr 2020 hat zur Folge, dass nun zwei Therapieansätze unterschieden werden müssen. Aufgrund des bisher geringen Volumens von Fostamatinib sind hier bisher keine nennenswerten Entwicklungen sichtbar. Ebenso als Indikator für Innovation ist die Verbrauchsdes neu eingeführten Wirkstoffs Emicizumab (eingesetzt bei Hämophilie A als Nicht-Faktoren-Therapie) anzusehen, mit dem ein völlig neuer Behandlungsansatz zur Verfügung steht.
  • Preis: Die Preisstellt für 2020 zu einem großen Teil die Einsparungen dar, die durch die Preisverhandlungen zu Emicizumab infolge der Nutzenbewertung erzielt werden konnten.

Ausblick auf künftige Entwicklungen bei den blutstillenden Mitteln

Da erst seit September 2020 Faktorenpräparate nur noch durch Apotheken abgegeben werden, ist für 2021 mit einem noch viel stärkeren Anstieg von Verbrauch und Ausgaben zu rechnen. Dabei handelt es sich jedoch um eine scheinbare Erhöhung, da die Ausgaben auch bisher schon für die Kassen anfielen, jedoch bisher nicht sichtbar waren.

Für die nächsten Jahre ist mit einem weiteren Verbrauchsanstieg von Mitteln bei Thrombozytopenie zu rechnen und daher auch mit weiterhin steigenden Ausgaben.

Auch für den Antikörper Emicizumab zur Behandlung von Patienten mit Hämophilie A wird voraussichtlich der Verbrauch weiter steigen. Möglicherweise sorgen Substitutionseffekte dafür, dass weniger Faktor-VIII-Präparate verordnet werden.

Es ist bisher nicht absehbar, wann die erste Gentherapie zur Behandlung der Hämophilie A oder B zugelassen sein wird. Wenn solche Therapien zur Verfügung stehen, werden sie voraussichtlich deutlich zum Ausgabenanstieg bei blutstillenden Mitteln beitragen.