Verbrauch von blutstillenden Mitteln in der GKV B02 Antihämorrhagika

Veröffentlicht am: 12.12.18

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen*
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
Unspezifische Gerinnungsstörungen1,161,091,111,111,091,081,041,051,041,061,06
Thrombozytopenie0,050,190,300,360,450,530,630,821,02
Faktor-VIII-Mangel0,100,110,100,120,160,170,170,190,170,140,15
Faktor-IX-Mangel0,010,010,010,010,020,020,020,010,010,010,01
Übrige Teil-Indikationsgruppen0,010,010,010,010,020,020,020,010,010,010,01
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen. * Die Angaben berücksichtigen nur die über Apotheken abgegebenen Mittel.

icon download

Blutstillende Mittel gehören zu den sehr selten eingesetzten Arzneimitteln. Im Durchschnitt wurden 2017 pro Versicherten nur 0,03 DDD aus dieser Indikationsgruppe verordnet.

Der Verbrauch von blutstillenden Mitteln ging zwischen 2005 und 2008 von 1,49 auf 1,22 Mio. DDD zurück und stieg bis 2012 auf 1,65 Mio. DDD an. Bis 2015 folgte eine Phase mit langsamerem Wachstum auf 1,86 Mio. DDD. Danach beschleunigte sich der jährliche Verbrauchszuwachs, und 2017 lag der Verbrauch von über Apotheken abgegebenen blutstillenden Mitteln bei rund 2,25 Mio. DDD.

Den größten Anteil am Verbrauch hatten 2017 die Teil-Indikationsgruppen der Mittel bei unspezifischen Gerinnungsstörungen (überwiegend Vitamin K) mit 47 % gefolgt von den Mitteln bei Thrombozytopenie mit 45 %. Mit weitem Abstand folgten auf dem dritten Rang die Faktor-VIII-Produkte mit einem Anteil von knapp 7 %.

Die Verbrauchsentwicklung zeigte sich in verschiedenen Teil-Indikationsgruppen unterschiedlich. Für die Mittel bei unspezifischen Gerinnungsstörungen ging der Verbrauch zwischen 2007 und 2017 von 1,16 auf 1,06 Mio. DDD zurück. Der höchste Rückgang war dabei für den Therapieansatz der lokal angewendeten blutstillenden Mittel zu beobachten, der zweithöchste für den Therapieansatz Vitamin K. Der Verbrauch von Faktor-VIII-Produkten stieg im betrachteten Zeitraum um 48 % und erreichte 2017 rund 150 Tsd. DDD. Zu berücksichtigen ist hier, dass lediglich der Verbrauch von über Apotheken abgegebene Produkte erfasst wird. Daher stellt der hier dargestellte Verbrauch von Blutgerinnungsfaktoren nicht den kompletten Verbrauch für die GKV-Population dar, denn für Blutgerinnungsfaktoren existieren relevante zusätzliche Vertriebswege, z. B. Direktlieferungen an die behandelnden Zentren, die den Großteil des Verbrauchs abdecken.

Die dynamischste Entwicklung ließ sich für die seit 2009 bestehende Teil-Indikationsgruppe der Mittel gegen Thrombozytopenie beobachten. Hier ist ein anhaltendes starkes Verbrauchswachstum festzustellen, das sich 2016 und 2017 nochmals beschleunigte. Der Verbrauch erreichte 2017 1,02 Mio. DDD, was eine Zunahme um 0,2 Mio. DDD bzw. knapp 25 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Ein Großteil des Wachstums geht auf den Wirkstoff Eltrombopag zurück, während der zweite Wirkstoff der Teil-Indikationsgruppe, das Romiplostim, ein deutlich schwächeres Wachstum zeigte. Beide Wirkstoffe wurden ursprünglich zur Behandlung der immunologischen (idiopathischen) thrombozytären Purpura (ITP) zugelassen, einer seltenen Erkrankung. Für Eltrombopag wurde 2013 die Zulassung erweitert, sodass der Wirkstoff auch bei Patienten mit chronischer Hepatitis C und Thrombozytopenie eingesetzt werden kann. Im Jahr 2015 erfolgte eine Zulassungserweiterung für Patienten mit schwerer aplastischer Anämie. Für beide Wirkstoffe wurde außerdem 2015 die Zulassung in Bezug auf Patienten mit ITP erweitert.