Verbrauch von blutstillenden Mitteln in der GKV B02 Antihämorrhagika Von größter Bedeutung ist der Einsatz von blutstillenden Mitteln bei der Hämophilie (Bluterkrankheit). Die Ausgaben der GKV für in Apotheken abgegebene blutstillende Mittel betrugen 2020 rund 519 Mio. Euro.

Veröffentlicht am: 27.10.21

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen
Teil-Indikationsgruppe*Verbrauch in Mio. DDD
20102011201220132014201520162017201820192020
Thrombozytopenie0,190,260,360,450,530,630,821,021,211,431,64
Unspezifische Gerinnungsstörungen1,111,091,081,041,051,041,061,061,061,050,97
Faktor-VIII-Präparate0,060,080,080,080,090,080,080,090,080,070,22
Hämophilie A, Nicht-Faktoren-Therapie0,000,000,000,000,000,000,000,000,010,030,08
Faktor-IX-Mangel0,010,020,020,020,010,010,010,010,010,010,06
Übrige Teil-Indikationsgruppen0,010,020,020,020,010,010,010,010,010,010,04
Blutstillende Mittel gesamt1,381,471,561,611,691,781,982,192,382,603,02
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Blutstillende Mittel gehören zu den sehr selten eingesetzten Arzneimitteln. Im Durchschnitt wurden 2020 pro Versicherten nur 0,04 DDD aus dieser Indikationsgruppe verordnet.

Der Verbrauch von blutstillenden Mitteln ging zwischen 2005 und 2008 von 1,49 auf 1,16 Mio. DDD zurück und stieg bis 2012 auf 1,56 Mio. DDD an. Bis 2015 folgte eine Phase mit langsamerem Wachstum auf 1,77 Mio. DDD. Danach beschleunigte sich der jährliche Verbrauchszuwachs bis 2019 und nochmals 2020. Im Jahr 2020 lag der Verbrauch von über Apotheken abgegebenen blutstillenden Mitteln bei rund 3,0 Mio. DDD. Die Wachstumsrate betrug 2020 16,1 % und ist insofern ein Artefakt, als sie anzeigt, dass seit September 2020 die Faktorenpräparate ausschließlich durch Apotheken abgegeben werden und die Abgabe durch die behandelnden Zentren nicht mehr möglich ist. Hintergrund ist eine entsprechende Änderung durch das GSAV (Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung)

Den größten Anteil am Verbrauch hatten 2020 die Teil-Indikationsgruppen der Mittel bei Thrombozytopenie mit 54 %, gefolgt von den Mitteln bei unspezifischen Gerinnungsstörungen (überwiegend Vitamin K) mit 32 %. Für alle Faktorenpräparate zusammen lag der Anteil bei 10,3 %, während er 2019 lediglich 3,4 % betrug. Die beide zur Behandlung der Hämophilie A eingesetzten Faktor-VIII-Produkte und die Nicht-Faktoren-Therapie erreichten zusammen einen Anteil von 10,1 %.

Am auffälligsten war im Jahr 2020 die Verbrauchsentwicklung für die Faktorenprodukte, deren Verbrauch mehr als dreimal so hoch war wie im Vorjahr, was allein durch die seit September 2020 geltenden veränderten Abgabebedingungen verursacht war. Hier bilden sich allerdings erst die Auswirkungen eines einzigen Quartals ab. Aus den vorliegenden Daten kann grob abgeleitet werden, dass der tatsächliche Verbrauch von Faktorenpräparaten insgesamt 2020 bei gut 1 Mio. DDD lag, wobei der Großteil auf Faktor-VIII-Präparate entfällt, für die ein Verbrauch von knapp 0,7 Mio. DDD zu erwarten wäre. Die für die Hämophilie A seit 2018 ebenfalls verfügbare Nicht-Faktoren-Therapie in Form von Emicizumab zeigte ebenfalls ein erhebliches Wachstum: Gegenüber 2019 hat sich der Verbrauch mehr als verdoppelt. Möglicherweise spielen hier auch Substitutionseffekte zuungunsten von Faktor-VIII-Präparaten eine Rolle.

Eine ebenfalls sehr dynamische Entwicklung ließ sich für die seit 2009 bestehende Teil-Indikationsgruppe der Mittel gegen Thrombozytopenie beobachten. Hier ist ein anhaltendes starkes Verbrauchswachstum festzustellen, das sich seit 2016 nochmals beschleunigte. Der Verbrauch erreichte 2020 1,6 Mio. DDD, was eine Zunahme um 0,2 Mio. DDD bzw. 15 % gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Ein Großteil des Wachstums geht auf den Wirkstoff Eltrombopag zurück, während ein weiterer Wirkstoff der Teil-Indikationsgruppe, das Romiplostim, ein deutlich schwächeres Wachstum zeigte. Beide Wirkstoffe wurden ursprünglich zur Behandlung der immunologischen (idiopathischen) thrombozytopenischen Purpura (ITP) zugelassen, einer seltenen Erkrankung. Für Eltrombopag wurde 2013 die Zulassung erweitert, sodass der Wirkstoff auch bei Patienten mit chronischer Hepatitis C und Thrombozytopenie eingesetzt werden kann. Im Jahr 2015 erfolgte eine Zulassungserweiterung für Patienten mit schwerer aplastischer Anämie. Für beide Wirkstoffe wurde außerdem 2015 die Zulassung in Bezug auf Patienten mit ITP erweitert.