Impfstoffe J07 Impfstoffe

Veröffentlicht am: 01.12.20

Impfungen dienen der Prävention von Infektionskrankheiten bzw. der Prävention von Risiken, die durch bestimmte Infektionen entstehen können. In Bezug auf Sicherheit und Effektivität sind Impfungen allen anderen Präventionsstrategien überlegen. Bei einer Impfung werden entweder lebende, aber abgeschwächte Krankheitserreger, abgetötete Krankheitserreger oder Bestandteile von Krankheitserregern verabreicht. Das Immunsystem des Impflings bildet daraufhin spezifische Antikörper, die vor einer echten Infektion schützen oder diese zumindest in ihrem Verlauf abmildern. Für viele Impfstoffe ist es notwendig, dass sie mehrfach gegeben werden, da bei vielen Impflingen erst nach einem zweiten oder noch häufigeren Kontakt mit dem Impfstoff ausreichend Antikörper produziert werden. Wiederholungsimpfungen können außerdem erforderlich sein, um den Impfschutz weiter aufrechtzuerhalten, oder – wie bei der Grippeimpfung – bei sich ständig verändernden Erregern.

Mit dem Impfen wird so früh wie möglich begonnen, also bereits im Säuglingsalter. Impfungen werden entsprechend den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI 2014) eingeteilt in Standardimpfungen, Auffrischimpfungen, Indikationsimpfungen und weitere Impfungen.

Standardimpfungen

Für diese Impfungen wird empfohlen, die Grundimmunisierung im Kindesalter durchzuführen (Diphtherie, Haemophilus influenzae b, Hepatitis B, Masern, Mumps, Pertussis, Poliomyelitis, Röteln, Tetanus, Windpocken, Meningokokken der Serogruppe C, Pneumokokken und Rotaviren). Für Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren und seit 2018 auch für Jungen zwischen 9 und 14 Jahren wird die Impfung gegen das humane Papillomavirus (HPV) empfohlen. Die persistierende Infektion mit HPV gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung des Gebärmutterhalskrebses. Zu den empfohlenen Impfungen gehören ferner die jährliche Impfung gegen die saisonale Influenza, eine Impfung gegen Pneumokokken bei Personen ab 60 Jahren und seit Ende 2018 die Impfung gegen Herpes zoster (Gürtelrose) bei Personen ab 60 Jahren.

Auffrischimpfungen

Nach erfolgter Grundimmunisierung und den im Impfkalender genannten Auffrischimpfungen bei Kindern und Jugendlichen sollten im Erwachsenenalter die Impfungen gegen Diphtherie und Tetanus regelmäßig aufgefrischt werden. Bei der nächsten fälligen Impfung sollte diese einmalig mit einer Auffrischung gegen Pertussis kombiniert werden. Personen mit fehlender vorheriger Auffrischimpfung wird eine Auffrischung gegen Poliomyelitis empfohlen.

Indikationsimpfungen

Diese Impfungen werden nur für bestimmte Personenkreise mit höherem Risiko für die jeweiligen Erkrankungen empfohlen, z. B. eine Impfung gegen Hepatitis B bei Dialysepatienten und gegen Röteln bei Frauen mit Kinderwunsch ohne Nachweis von Rötelnantikörpern. Zu den Indikationsimpfungen gehören auch verschiedene Standardimpfungen sowie Impfungen gegen FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), Hepatitis A und Meningokokken (tetravalenter Impfstoff).

Weitere Impfungen

Sonderformen der Indikationsimpfungen werden Personen mit erhöhtem Risiko empfohlen, welches durch berufliche Exposition oder durch Reisen hervorgerufen wird. Diese Impfungen werden in der Regel nicht von der GKV erstattet, sondern müssen vom Arbeitgeber bzw. Impfling selbst bezahlt werden. Hierzu gehören z. B. Impfungen gegen Tollwut oder Typhus. Zu erwähnen sind außerdem die postexpositionellen Impfungen, die nach Erregerexposition zur Prävention der Erkrankung durchgeführt werden, wie z. B. eine Tollwutimpfung.

Impfstoffe werden sehr spezifisch zur Immunisierung gegen ganz bestimmte Viren oder mikrobielle Erreger entwickelt. Diese Spezifität geht so weit, dass im Falle von Erregerarten mit mehreren Stämmen oder Typen die Immunität ggf. nur einen Teil dieser Stämme oder Typen abdeckt. Diese hohe Spezifität von Impfstoffen ist auch der Grund, warum jedes Jahr ein neuer Influenzaimpfstoff entwickelt werden muss: Einerseits verändert sich das Virus ständig, und andererseits ist auch die Verteilung der erwarteten zirkulierenden Subtypen (z. B. H5N1) in jedem Jahr anders.

Daraus folgt, dass es zwischen Impfstoffen nur wenig Austauschmöglichkeiten gibt. Die meisten Impfstoffe definieren eine Teil-Indikationsgruppe, und es gibt nur wenige Teil-Indikationsgruppen, die mehrere Impfstoffe umfassen. Zu Letzteren gehören Impfstoffe gegen Meningitis und Pneumokokken sowie gegen Influenza, Rota und Papillomaviren.

Die Impfstoffe gegen Meningitis unterscheiden sich bzgl. der Stämme, gegen die sie gerichtet sind. Der Impfstoff gegen Meningokokken der Gruppe B schützt nur gegen Erreger der Gruppe B, nicht aber gegen Erreger anderer Gruppen. Von größter Bedeutung ist der konjugierte Impfstoff gegen Meningokokken der Gruppe C. Dieser Impfstoff wird für die im Rahmen des Impfkalenders vorgesehene Immunisierung von Säuglingen und Kleinkindern verwendet. Die übrigen Meningokokkenimpfstoffe, die neben der Gruppe C noch weitere Gruppen abdecken, werden als Indikationsimpfungen bei entsprechend gefährdeten Personen oder als Reiseimpfung eingesetzt (z. B. vor einer geplanten Pilgerfahrt nach Mekka).

Zur Immunisierung gegen Erkrankungen durch Pneumokokken gibt es zwei Impfstoffe: Einen Impfstoff, bei dem die Antigene an ein bestimmtes Trägerprotein konjugiert sind; durch diese Konjugation wird eine stärkere Immunreaktion hervorgerufen und der Impfstoff kann daher bei Säuglingen ab einem Alter von 6 Wochen angewendet werden. Bei dem anderen verfügbaren Impfstoff liegen die Antigene in nicht konjugierter Form vor und der Impfstoff kann daher erst ab einem Alter von 2 Jahren eingesetzt werden. Erst dann ist die Reifung des Immunsystems so weit fortgeschritten, dass die Pneumokokkenantigene in unkonjugierter Form erkannt werden.

In den Teil-Indikationsgruppen der Impfstoffe gegen Rotaviren, Influenza und HPV gibt es je zwei bzw. drei durch die ATC-Klassifikation unterschiedene Wirkstoffe, jedoch sind die Anwendungsgebiete jeweils identisch. Das heißt: Nach bisherigem Erkenntnisstand ist es unerheblich, ob die HPV-Impfung mit dem Impfstoff gegen die Typen 16 und 18, dem gegen die Typen 6, 11, 16 und 18 oder dem Neunfach-Impfstoff durchgeführt wird. Alle drei Impfstoffe unterscheiden sich nur marginal in der Zulassung, die erteilt wurde für die Prävention von Krebsvorstufen im Genitalbereich, hervorgerufen durch HPV.