Meilensteine bei den Impfstoffen J07 Impfstoffe

Veröffentlicht am: 09.09.17

Bis 1900
  • 1796 führt Edward Jenner erstmals eine Immunisierung gegen Pocken beim Menschen durch.
  • Entwicklung von Impfstoffen gegen Milzbrand (1881) und Tollwut (1885)
  • 1896: Erster Totimpfstoff (Cholera)
  • 1897: Entwicklung der Tetanusimpfung durch Paul Ehrlich
1901–1950
  • 1913 entwickelt Emil von Behring einen Impfstoff gegen Diphtherie.
  • 1941: Erste Zulassung eines Impfstoffs gegen Influenza
1951–1990
  • Entwicklung von Impfstoffen insbesondere gegen sogenannte „Kinderkrankheiten“ z. B. gegen Poliomyelitis Mitte der 1950er-Jahre
  • 1964: Masern
  • 1967: Mumps
  • 1970: Röteln
  • 1982: Zulassung des ersten Impfstoffs zur aktiven Immunisierung gegen Hepatitis B
1991–2000
  • Seit 1985 verschiedene neue Impfstoffe gegen bakterielle Infektionen (1985 Pneumokokken, 1990 Haemophilus influenzae, 1991 Meningokokken)
2001–2010
  • 2006/07 Einführung der ersten HPV-Impfstoffe zur Senkung des Risikos von Gebärmutterhalskrebs

Die Entdeckung der Impfstoffe hat ihren Ursprung in der Entwicklung der Pockenschutzimpfung, die bereits im Jahr 1796 ohne Kenntnis der immunologischen Vorgänge umgesetzt wurde: In diesem Jahr führte Edward Jenner erstmals erfolgreich Immunisierungen mit einem Sekret aus den Bläschen der Kuhpocken beim Menschen durch. Diese eher zufällig entdeckte, aber dennoch von Jenner konsequent angewandte Methode bildete die Grundlage für die bis weit in das 20. Jahrhundert durchgeführte Pockenschutzimpfung, für die in Deutschland Impfpflicht bestand.

Erst nachdem um 1880 von Louis Pasteur die Prinzipien der aktiven Immunisierung aufgeklärt wurden und Robert Koch den Nachweis von Tuberkelbazillen und Choleraerregern erbrachte, konnten Impfstoffe wie die aktiven Schutzimpfungen gegen Milzbrand (1881) und Tollwut (1885) entwickelt werden. Bis 1885 waren nur Lebendimpfstoffe entwickelt worden, bei denen abgeschwächte Erreger eingesetzt wurden. Ein Impfstoff mit abgetöteten Erregern wurde erstmals in Form eines Choleraimpfstoffs im Jahr 1896 eingeführt. Weitere wichtige Impfungen, die auch heute noch von Bedeutung sind, standen bald zur Verfügung: 1897 wurde von Paul Ehrlich die Tetanusimpfung entwickelt, 1913 von Emil von Behring die Impfung gegen Diphtherie. Im Jahr 1941 wurde erstmals ein Impfstoff gegen Influenza zugelassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte man Impfstoffe gegen verschiedene Viruserkrankungen, insbesondere gegen die sogenannten „Kinderkrankheiten“, beispielsweise Mitte der 1950er-Jahre die Impfung gegen Poliomyelitis (Kinderlähmung), gefolgt von Impfungen gegen Masern (1964), Mumps (1967) und Röteln (1970). Ein wichtiger Meilenstein war die Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Erreger der Hepatitis B. Seit Beginn der 1990er-Jahre kamen verschiedene neue Impfstoffe gegen bakterielle Infektionen auf den Markt, beispielsweise gegen Pneumokokken (1985), Haemophilus influenzae b (1990) und Meningokokken (1991).

2006 bzw. 2007 wurden zwei Impfstoffe gegen verschiedene Typen des humanen Papillomavirus eingeführt. Die Impfung wird bei Mädchen ab dem Alter von 9 Jahren empfohlen. Die durch die Impfung erworbene Immunität schützt vor einer Infektion mit bestimmten humanen Papillomaviren, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können und ursächlich an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind (z. B. Höer et al. 2014).

Der aktuelle Impfkalender sieht für Kinder in den ersten 12 Lebensmonaten Impfungen gegen zwölf verschiedene Erreger vor (RKI 204), wobei jeweils zwei bis vier Teilimpfungen erforderlich sind. Hier sind die Kombinationsimpfstoffe sehr hilfreich, die mehrere Impfstoffe kombinieren und so die Durchführung und Organisation der Impfung für alle Beteiligten erheblich erleichtern, da fast alle empfohlenen Impfungen als intramuskuläre Injektion verabreicht werden müssen. Zu den am häufigsten verbrauchten Impfstoffen gehört heute eine Sechsfachkombination gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae b, Pertussis, Poliomyelitis, Tetanus und Hepatitis B, die im Jahr 2000 zugelassen wurde.

Literatur über die Entwicklung von Impfstoffen

  • Höer A, Dathe K, Haustein R. Schwerpunkt Prävention durch Impfen – J07 Impfstoffe. In: Häussler B, Höer A, Hempel E (Hrsg.) Arzneimittel-Atlas 2014. Berlin: Springer Verlag 2014:184–211
  • Robert Koch-Institut (RKI). Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Stand: August 2014. Epid Bull 2014;34:305–340