Verbrauch J07 Impfstoffe Die Ausgaben für Impfstoffe erreichten 2019 rund 1,3 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Ausgaben um 211,0 Mio. Euro bzw. 19,4 %.

Veröffentlicht am: 09.11.20

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20092010201120122013201420152016201720182019
Influenza18,7216,0615,1213,2313,4413,1512,2912,2512,3013,3914,16
FSME4,263,023,503,433,023,833,093,203,384,014,94
Pneumokokken3,252,982,982,752,943,013,013,223,243,393,58
Diphtherie-Pertussis-Poliomyelitis-Tetanus 1,451,942,122,202,442,092,311,971,822,382,79
Diphtherie-Hib-Pertussis-Poliomyelitis-Tetanus-Hepatitis B2,152,172,112,062,162,122,382,612,662,662,65
Pertussis, Kombinationen mit Toxoiden = DPT1,001,341,441,561,671,962,002,372,982,222,28
Masern-Mumps-Röteln 0,470,430,580,850,960,911,290,960,990,961,41
HPV0,610,390,520,640,650,670,780,800,700,701,31
Rotaviren 0,020,060,090,120,200,841,031,171,211,211,23
Meningitis1,381,030,920,820,780,780,740,820,850,850,93
Varizellen0,580,570,440,620,600,570,640,610,620,640,89
Masern, Mumps, Röteln, Varizellen1,001,010,990,630,690,660,860,880,950,920,72
Herpes zoster0,000,000,000,000,000,000,000,000,000,000,54
Übrige Impfstoffe5,924,303,723,332,923,122,852,902,772,362,24
Impfstoffe gesamt40,835,334,532,232,533,733,333,834,535,739,7
Hib = Haemophilus influenzae b, HPV = Humanes PapillomavirusQuelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2019 wurden für Versicherte der GKV 39,7 Mio. Impfdosen verbraucht, 4,0 Mio. mehr als im Vorjahr. Im Mittel erhielt jeder Versicherte 0,5 Impfdosen. Impfstoffe gehören damit zu den selten verordneten Arzneimitteln. Vor dem Hintergrund, dass nur die Influenzaimpfung einmal jährlich durchgeführt werden sollte und für die meisten Impfungen nur wenige Impfdosen im Leben erforderlich sind, werden Impfstoffe also eher häufig angewendet.

Im Jahr 2019 war der Verbrauch von Impfstoffen fast genauso hoch wie zuletzt im Jahr 2009. 2007 wurde ein Maximum von 47,6 Mio. Impfdosen erreicht. Dahinter stand ein besonders starker Verbrauchsanstieg von insgesamt 8 Mio. Impfdosen, der durch Impfungen gegen FSME, Meningitis, Pneumokokken und HPV bedingt war. Danach ging der Impfstoffverbrauch wieder zurück und erreichte 2012 einen Tiefpunkt mit 32,2 Mio. Impfdosen. Bis 2018 stieg der Verbrauch sehr langsam, aber stetig wieder an, 2019 war mit 11,1 % die höchste Zuwachsrate der letzten zehn Jahre zu beobachten. Ein starker Verbrauchsanstieg ist häufig auf Impfempfehlungen der STIKO zurückzuführen. Dies trifft z. B. zu für den Verbrauchsanstieg des Rotavirus-Impfstoffs 2013 und 2014 (RKI 2013) oder aktuell für den Herpes-zoster-Impfstoff (RKI 2018). 2019 zeigte sich – im Vergleich zum Vorjahr – der höchste Verbrauchsanstieg bei den FSME-Impfstoffen, deren Verbrauch um 0,9 Mio. Impfdosen (Zuwachsrate 23 %) stieg, gefolgt von den Influenzaimpfstoffen mit einem Anstieg von 0,8 Mio. Impfdosen (5,7 %) sowie den HPV-Impfstoffen (0,6 Mio. Impfdosen bzw. 89 %).

Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass 2019 die Influenzaimpfung mit fast 36 % den größten Anteil am Verbrauch hatte. Im betrachteten Zeitraum 2007–2017 lag das Verbrauchsmaximum für Influenzaimpfstoffe bei 18,7 Mio. Impfdosen im Jahr 2009. Bis 2012 ging der Verbrauch von Influenzaimpfstoffen auf 13,2 Mio. Impfdosen zurück. Seitdem verlangsamte sich der Verbrauchsrückgang, und seit 2017 steigt der Verbrauch wieder auf zuletzt 14,2 Mio. Impfdosen. Ob der beobachtete Verbrauchsrückgang in Zusammenhang mit Rabattverträgen von Krankenkassen mit Impfstoffherstellen steht, ist unklar. Die Rabattverträge galten als Ursache für Lieferengpässe von Impfstoffen (NN 2012). Mit dem 2017 in Kraft getretenen AMVSG sollten solche Verträge der Vergangenheit angehören (NN 2017). Tatsächlich wurden teilweise die Altverträge noch berücksichtigt (Winnat 2017).

An zweiter Stelle in Bezug auf den Verbrauch liegen die Impfstoffe gegen FSME mit einem Anteil von über 12 % im Jahr 2019. Der hohe Verbrauchsanteil der FSME-Impfung ist dadurch bedingt, dass für diese Impfung relativ häufig Auffrischimpfungen erforderlich sind, nämlich alle drei bis fünf Jahre. Der hohe Verbrauchsanteil von 9 % der Pneumokokken-Impfstoffe erklärt sich dadurch, dass für Säuglinge und Kleinkinder in der Regel eine dreimalige Impfung vorgesehen ist und Personen ab 60 Jahren mindestens einmal geimpft werden sollen (RKI 2016).

Ebenfalls hohe Verbrauchswerte zeigen weitere Impfungen, die entweder als Standardimpfungen im Impfkalender empfohlen werden und/oder bei denen die erforderliche Anzahl von Impfdosen relativ hoch ist. Viermal appliziert wird bei Säuglingen und Kleinkindern die Sechsfachkombination gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae b (Hib), Pertussis, Poliomyelitis, Tetanus und Hepatitis B. Entsprechend finden sich hohe Verbrauchsanteile von rund 7 %. Für Masern, Mumps, Röteln und Varizellen ist dagegen nur eine zweimalige Impfung vorgesehen, und dementsprechend findet sich ein geringerer Verbrauch.

Erwähnenswert ist, dass der Verbrauch von Impfstoffen mit Masernkomponente im Zeitverlauf schwankte: Im Jahr 2015, also dem Jahr, als Masernausbrüche erhebliche Medienreaktion nach sich zogen, stieg der Verbrauch stark an, danach pendelte sich der Verbrauch auf höherem Niveau ein als vor 2015. 2019 war erneut ein stärkerer Anstieg um über 0,2 Mio. Impfdosen (13 %) festzustellen.

Literatur