Verbrauch J07 Impfstoffe

Veröffentlicht am: 14.12.18

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
Influenza17,7516,9818,7216,0615,1213,2313,4413,1512,2912,2512,30
FSME8,887,724,263,023,503,433,023,833,093,203,38
Pneumokokken3,703,453,252,982,982,752,943,013,013,223,24
Pertussis, Kombinationen mit Toxoiden0,770,861,001,341,441,561,671,962,002,372,98
Diphtherie–Hib–Pertussis–Poliomyelitis–Tetanus–Hepatitis B2,062,162,152,172,112,062,162,122,382,612,66
Diphtherie–Pertussis–Poliomyelitis–Tetanus1,101,261,451,942,122,202,442,092,311,971,82
Rotaviren0,000,020,020,060,090,120,200,841,031,171,21
Masern, Mumps, Röteln1,070,850,470,430,580,850,960,911,290,960,99
Masern, Mumps, Röteln, Varizellen0,530,801,001,010,990,630,690,660,860,880,95
Meningitis2,201,851,381,030,920,820,780,780,740,820,85
HPV0,961,470,610,390,520,640,650,670,780,800,70
Varizellen0,400,360,580,570,440,620,600,570,640,610,62
Tetanus-Toxoid, Kombinationen mit Diphtherie-Toxoid2,452,191,901,140,920,790,700,660,620,620,56
Diphtherie–Poliomyelitis–Tetanus1,881,481,110,690,580,520,430,500,510,510,55
Poliomyelitis0,770,650,580,480,410,350,340,470,330,410,43
Kombinationen Hepatitis A, B0,660,660,540,460,430,380,300,390,410,410,39
Hepatitis B0,770,680,550,500,430,390,370,350,340,350,34
Tetanus-Toxoid0,860,720,600,460,430,410,350,310,270,250,15
Übrige Impfstoffe0,820,760,650,570,520,490,420,440,390,350,34
Hib = Haemophilus influenzae b, HPV = Humanes PapillomavirusQuelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2017 wurden für Versicherte der GKV 34,5 Mio. Impfdosen verbraucht, 0,7 Mio. mehr als im Vorjahr. Im Mittel erhielt jeder Versicherte 0,5 Impfdosen. Impfstoffe gehören damit zu den selten verordneten Arzneimitteln. Vor dem Hintergrund, dass nur die Influenzaimpfung einmal jährlich durchgeführt werden sollte und für die meisten Impfungen nur wenige Impfdosen im Leben erforderlich sind, werden Impfstoffe also eher häufig angewendet.

Im Jahr 2017 war der Verbrauch von Impfstoffen genauso hoch wie im Jahr 2011. 2007 wurde ein Maximum von 47,6 Mio. Impfdosen erreicht. Dahinter stand ein besonders starker Verbrauchsanstieg von insgesamt 8 Mio. Impfdosen, der durch Impfungen gegen FSME, Meningitis, Pneumokokken und HPV bedingt war. Danach ging der Impfstoffverbrauch wieder zurück und erreichte 2012 einen Tiefpunkt mit 32,2 Mio. Impfdosen. Seitdem steigt der Verbrauch sehr langsam, aber stetig wieder an. Ein starker Verbrauchsanstieg ist häufig auf Impfempfehlungen der STIKO zurückzuführen. Dies trifft z. B. zu für den Verbrauchsanstieg des HPV-Impfstoffs 2008 (RKI 2007) oder des Rotavirus-Impfstoffs 2013 und 2014 (RKI 2013). 2017 zeigten sich – im Vergleich zum Vorjahr – die höchsten Verbrauchsanstiege bei den Pertussis-Kombinationen (26 %), bei der Vierfachkombination gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (8 %) und bei der Dreifachkombination gegen Tetanus, Diphtherie und Poliomyelitis (8 %).

Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass 2017 die Influenzaimpfung mit 36 % den größten Anteil am Verbrauch hatte. Im betrachteten Zeitraum 2007–2017 lag das Verbrauchsmaximum für Influenzaimpfstoffe bei 18,7 Mio. Impfdosen im Jahr 2009. Bis 2012 ging der Verbrauch von Influenzaimpfstoffen auf 13,2 Mio. Impfdosen zurück. Seitdem verlangsamte sich der Verbrauchsrückgang, und 2017 war erstmals wieder ein – wenn auch marginaler – Verbrauchsanstieg auf 12,3 Mio. Impfdosen festzustellen. Ob der beobachtete Verbrauchsrückgang in Zusammenhang mit Rabattverträgen von Krankenkassen mit Impfstoffherstellen steht, ist unklar. Die Rabattverträge galten als Ursache für Lieferengpässe von Impfstoffen (NN 2012). Mit dem 2017 in Kraft getretenen AMVSG sollten solche Verträge der Vergangenheit angehören (NN 2017). Tatsächlich wurden teilweise die Altverträge noch berücksichtigt (Winnat 2017).

An zweiter Stelle in Bezug auf den Verbrauch liegen die Impfstoffe gegen Pneumokokken und FSME mit einem Anteil je rund 10 % im Jahr 2017. Der hohe Verbrauchsanteil der FSME-Impfung ist dadurch bedingt, dass für diese Impfung relativ häufig Auffrischimpfungen erforderlich sind, nämlich alle drei bis fünf Jahre. Nachdem in den Jahren 2005–2009 der Verbrauch sehr hoch war und die Werte zwischen rund 4 und 9 Mio. Impfdosen lagen, ist seit 2010 eine Stabilisierung zu beobachten mit Verbrauchswerten zwischen 3,0 und 3,8 Mio. Impfdosen. Die 2007/2008 beobachtete Verbrauchsspitze hängt möglicherweise damit zusammen, dass das RKI damals die Risikogebiete neu definiert hat (Häussler et al. 2010). Der hohe Verbrauchsanteil der Pneumokokken-Impfstoffe erklärt sich dadurch, dass für Säuglinge und Kleinkinder in der Regel eine dreimalige Impfung vorgesehen ist und Personen ab 60 Jahren mindestens einmal geimpft werden sollen (RKI 2016).

Ebenfalls hohe Verbrauchswerte zeigen weitere Impfungen, die entweder als Standardimpfungen im Impfkalender empfohlen werden und/oder bei denen die erforderliche Anzahl von Impfdosen relativ hoch ist. Bei knapp 9 % lag 2017 der Verbrauchsanteil der Pertussis-Impfung, die ebenfalls für bestimmte Personengruppen alle zehn Jahre wiederholt werden soll. Viermal appliziert wird bei Säuglingen und Kleinkindern die Sechsfachkombination gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae b (Hib), Pertussis, Poliomyelitis, Tetanus und Hepatitis B. Entsprechend finden sich hohe Verbrauchsanteile von rund 8 %. Für Masern, Mumps, Röteln und Varizellen ist dagegen nur eine zweimalige Impfung vorgesehen, und dementsprechend findet sich ein geringerer Verbrauch.

Erwähnenswert ist, dass der Verbrauch von Impfstoffen mit Masernkomponente im Jahr 2015, also dem Jahr, als Masernausbrüche erhebliche Medienreaktion nach sich zogen, stark angestiegen ist und danach zwar zurückging, aber auf ein höheres Niveau als vor 2015. Zudem gab es 2017 erneut einen Anstieg von Impfstoffen mit Masernkomponente.

Literatur