Verbrauch J07 Impfstoffe

Veröffentlicht am: 28.01.26

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. Impfdosen
20132014201520162017201820192020202120222023
Influenza13,4413,1512,2912,2512,3013,3914,1619,5319,4717,0615,95
COVID-190,000,000,000,000,000,000,000,0058,1436,335,86
FSME3,023,833,093,203,384,014,944,333,774,055,09
Herpes zoster0,000,000,000,000,000,000,541,892,084,003,56
Pneumokokken2,943,013,013,223,243,393,585,183,833,203,23
Pertussis, Kombinationen mit Toxoiden1,671,962,002,372,982,222,282,332,372,232,38
Diphtherie-Pertussis-Poliomyelitis-Tetanus2,442,092,311,971,822,382,792,692,392,122,26
Diphtherie-HIB-Pertussis-Poliomyelitis-Tetanus-Hepatitis B2,162,122,382,612,662,662,652,452,131,991,92
Rotaviren0,200,841,031,171,211,211,231,221,251,181,11
Masern, Mumps, Röteln0,960,911,290,960,990,961,411,841,401,171,04
HPV0,650,670,780,800,700,701,311,361,180,890,98
Masern,Mumps, Röteln, Varizellen0,690,660,860,880,950,920,721,010,920,900,95
Meningitis0,780,780,740,820,850,850,930,930,930,910,93
Übrige Impfstoffe3,513,693,503,513,393,003,132,562,182,082,23
Impfstoffe gesamt32,533,733,333,834,535,739,747,3102,078,147,5

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Im Jahr 2024 wurden für Versicherte der GKV 44,7 Mio. Impfdosen verbraucht, das entspricht einem Rückgang um rund 6 % im Vergleich zum Vorjahr. Im Mittel erhielt jeder Versicherte 0,6 Impfdosen. Impfstoffe gehören damit zu den selten verordneten Arzneimitteln. Vor dem Hintergrund, dass nur die Influenza- und COVID-Impfung einmal jährlich durchgeführt werden sollte und für die meisten Impfungen nur wenige Impfdosen im Leben erforderlich sind, werden Impfstoffe also eher häufig angewendet.

2021 wurde aufgrund der COVID-19-Impfkampagnen der jemals höchste Verbrauch von Impfstoffen beobachtet. Nach dem deutlichen Verbrauchsrückgang in den Jahren 2022 und 2023 lag der Verbrauch 2024 über dem Niveau vor der Coronapandemie.

Es war im Jahr 2024 ein deutlicher Verbrauchsanstieg bei den Standard- und Indikationsimpfstoffen festzustellen, insbesondere für die Impfstoffe gegen Pneumokokken (um 738 Tsd. Impfdosen bzw. 23 %) sowie FSME (um 453 Tsd. Impfdosen bzw. 9 %). Ferner stieg der Verbrauch von Reiseimpfstoffen (insbesondere Hepatitis, Tollwut, Typhus, Japanische Enzephalitis) erneut deutlich an. Für viele andere Impfstoffe ging der Verbrauch jedoch zurück, besonders für Impfstoffe gegen COVID-19 (um 36 %), Herpes zoster (um 32 %) und Influenza (um 6,8 %).

Im betrachteten Zeitverlauf vor Beginn der Coronapandemie (2020) erreichte der Ver-brauch erstmals 2007 einen Höchstwert von 47,6 Mio. Impfdosen, der durch Impfungen gegen FSME, Meningitis, Pneumokokken und HPV verursacht wurde. Danach ging der Impfstoffverbrauch wieder zurück und erreichte 2012 einen Tiefpunkt, um ab 2018 wie-der anzusteigen. Bedingt durch die COVID-19-Impfung wurde 2021 der bislang höchste Verbrauch von Impfstoffen in Höhe von 102 Mio. Impfdosen beobachtet. Bereits 2023 hat sich der Verbrauch mehr als halbiert, hauptsächlich weil die COVID-19-Impfung in erheblich geringerem Maße genutzt wurde.

Ein starker Verbrauchsanstieg ist häufig auf Impfempfehlungen der STIKO zurückzuführen. Dies trifft z. B. zu für den Verbrauchsanstieg des Herpes-zoster-Impfstoff seit 2019 oder den des Pneumokokkenimpfstoffs 2024. Der Anstieg 2020 war größtenteils eine Folge der COVID-19-Pandemie und betraf vor allem die Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken, für die es Empfehlungen gegeben hatte. Ein weiterer Sondereffekt betraf die Zoster-Impfung: Hier hatte es bis Ende 2019 Lieferengpässe gegeben, sodass erst 2020 die Impfkampagne wirklich gestartet werden konnte.

Der starke Anstieg 2021 um fast 55 Mio. Impfdosen spiegelt den Verbrauch von COVID-Impfstoffen wider, die in Arztpraxen verabreicht wurden. Insgesamt wurden im Jahr 2021 154 Mio. COVID-19-Impfungen durchgeführt (RKI 2024), d.h. ein Großteil der Impfungen wurde durch Impfzentren abgegeben.

Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass 2024 die Influenza-Impfung mit rund 33 % den größten Anteil am Verbrauch von Impfstoffen hatte, die im ärztlichen Bereich (niedergelassene und Betriebsärzte) verabreicht wurden und entspricht rund 14,9 Mio. Impfdosen. Im betrachteten Zeitraum 2013–2023 lag das Verbrauchsmaximum für Influenza-Impfstoffe bei 19,5 Mio. Impfdosen im Jahr 2020. Bis 2012 ging der Verbrauch von Influenza-Impfstoffen auf 13,2 Mio. Impfdosen zurück.

Seitdem verlangsamte sich der Verbrauchsrückgang, und seit 2017 stieg der Verbrauch bis 2020 wieder. Der aktuell zu beobachtende Rückgang bei Influenzaimpfstoffen dürfte am wahrscheinlichsten auf „Impfmüdigkeit“ zurückzuführen sein.

Rang zwei beim Impfstoffverbrauch nahmen mit 12 % die FSME-Impfstoffe ein – mit einem Verbrauch von 5,5 Mio. Impfdosen.

An dritter Stelle in Bezug auf den Verbrauch lagen 2024 die Pneumokokken-Impfstoffe mit knapp 4 Mio. Impfdosen und einem Verbrauchsanteil von rund 9 %. Der hohe Verbrauchsanstieg von fast 23 % im Vergleich zum Vorjahr war durch die STIKO-Empfehlung begründet, ggf. eine zusätzliche Impfung mit dem 20-valenten Impfstoff (PCV20) bei Personen ab 60 Jahren durchzuführen, falls diese bereits mit dem 23-valenten Impfstoff (PPSV23) geimpft wurden.

Der Verbrauch des Zoster-Impfstoffs ist 2024 erneut zurückgegangen, jedoch geringer als noch 2023, und erreichte 2,4 Mio. Impfdosen. Dies kann in erster Linie als Normalisierung angesehen werden, denn der hohe Verbrauchsanstieg 2022 muss wohl als Nachholeffekt interpretiert werden, weil zuvor der Impfstoff nicht in ausreichender Menge verfügbar war (Wegner 2021). Kumulativ beträgt der Verbrauch seit 2019 rund 14,5 Mio. Impfungen. Da für die Immunisierung zwei Impfungen erforderlich sind, hätten bisher mehr als 7 Mio. Menschen geimpft werden können. Dies entspricht rein rechnerisch bisher nur einem Teil der insgesamt mehr als 22 Mio. Menschen ab 60 Jahren, die in der GKV versichert sind. Nach Angaben des RKI lag die Impfquote für Personen ab 60 Jahren im Jahr 2024 bei 24 % (Rieck et al. 2025).

Ebenfalls hohe Verbrauchswerte zeigen weitere Impfungen, die entweder als Standardimpfungen im Impfkalender empfohlen werden und/oder bei denen die erforderliche Anzahl von Impfdosen relativ hoch ist. Dreimal appliziert wird bei Säuglingen und Kleinkindern die Sechsfachkombination gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae b (Hib), Pertussis, Poliomyelitis, Tetanus und Hepatitis B. Entsprechend finden sich hohe Verbrauchsanteile von 4 %. Für Masern, Mumps, Röteln und Varizellen ist dagegen nur eine zweimalige Impfung vorgesehen, und dementsprechend findet sich ein geringerer Verbrauch.

Der Verbrauch von Impfstoffen mit Masernkomponente schwankte im Zeitverlauf: Im Jahr 2015, also dem Jahr, als Masernausbrüche erhebliche Medienreaktion nach sich zogen, stieg der Verbrauch stark an, danach pendelte sich der Verbrauch auf höherem Niveau ein als vor 2015. 2019 war erneut ein stärkerer Anstieg um über 0,2 Mio. Impfdosen (13 %) festzustellen, und 2020 stieg der Verbrauch von Masern-Impfungen sogar um 0,7 Mio. Impfdosen, d. h. um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Dieser starke Anstieg steht sicher in Zusammenhang mit der neu geltenden Impfpflicht, die mit dem Masernschutzgesetz am 1. März 2020 auf den Weg gebracht wurde. Seit 2021 geht der Verbrauch zurück und näherte sich 2024 mit 1,98 Mio. Impfdosen dem Niveau, das vor 2019 zu beobachteten war.

Erwähnenswert ist außerdem, dass auch sich 2019 der Verbrauch von HPV-Impfstoff im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt hat und dieses Verbrauchsniveau auch 2020 bestehen blieb. 2019 stieg der Verbrauch, weil die STIKO die Impfung auch für Jungen empfohlen hat. Im Jahr 2024 lag der Verbrauch bei knapp 1,1 Mio. Impfdosen. Positiv anzumerken ist, dass zwischen 2011 und 2024 der Anteil vollständig gegen HPV geimpfter Mädchen im Alter von 15 Jahren von 27 auf 55 % angestiegen ist. Bei den Jungen lag die entsprechende Quote bei 36 % (Rieck et al. 2025).

Literatur

  • Robert Koch-Institut (RKI) (2024): COVID-19-Impfungen in Deutschland, Berlin:Zenodo. DOI: 10.5281/zenodo.12581481
  • Rieck T, Steffen A, Lottes M, Badenschier F, Feig M, Rau C: Impfquoten in Deutschland Epid Bull 2025;50:3-13, DOI 10.25646/13589.2
  • Wegner C (2021) Shingrix ist zurück. apotheke adhoc. https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/markt/shingrix-ist-zurueck-guertelrose-impfstoff/ (abgerufen am 13.01.2025)