Verbrauch J07 Impfstoffe

Veröffentlicht am: 09.09.17

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20062007200820092010201120122013201420152016
Influenza17,5817,7516,9818,7216,0615,1213,2313,4413,1512,2912,25
Pneumokokken2,303,703,453,252,982,982,752,943,013,013,22
FSME5,008,887,724,263,023,503,433,023,833,093,20
Diphtherie–Hib–Pertussis–Poliomyelitis–Tetanus–Hepatitis B2,122,062,162,152,172,112,062,162,122,382,61
Diphtherie–Pertussis–Tetanus0,570,770,861,001,341,441,561,671,962,002,37
Diphtherie–Pertussis–Poliomyelitis–Tetanus0,661,101,261,451,942,122,202,442,092,311,97
Rotaviren0,000,000,020,020,060,090,120,200,841,031,17
Masern–Mumps–Röteln1,741,070,850,470,430,580,850,960,911,290,96
Masern–Mumps–Röteln–Varizellen0,200,530,801,001,010,990,630,690,660,860,88
Meningitis0,532,201,851,381,030,920,820,780,780,740,82
HPV0,000,961,470,610,390,520,640,650,670,780,80
Tetanus-Toxoid, Kombinationen mit Diphtherie-Toxoid2,512,452,191,901,140,920,790,700,660,620,62
Varizellen0,680,400,360,580,570,440,620,600,570,640,61
Diphtherie–Poliomyelitis–Tetanus1,901,881,481,110,690,580,520,430,500,510,51
Poliomyelitis0,810,770,650,580,480,410,350,340,470,330,41
Kombinationen Hepatitis A, B0,530,660,660,540,460,430,380,300,390,410,41
Hepatitis B0,810,770,680,550,500,430,390,370,350,340,35
Tetanus-Toxoid0,900,860,720,600,460,430,410,350,310,270,25
Diphtherie–Hib–Pertussis–Poliomyelitis–Tetanus0,380,250,240,210,240,190,190,180,180,140,13
Hepatitis A0,060,150,190,150,130,120,120,110,120,120,13
Übrige Impfstoffe0,390,420,330,280,200,200,180,130,140,130,10
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2016 wurden für Versicherte der GKV 33,8 Millionen Impfdosen verbraucht, nur 0,5 Mio. mehr als im Vorjahr. Im Mittel erhielt jeder Versicherte 0,5 Impfdosen. Impfstoffe gehören damit zu den selten verordneten Arzneimitteln. Dies muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass nur die Influenzaimpfung einmal jährlich durchgeführt werden sollte und für die meisten Impfungen nur wenige Impfdosen im Leben erforderlich sind, von denen die meisten im Säuglings- und Kindesalter verabreicht werden.

Im Jahr 2016 war der Verbrauch von Impfstoffen geringer als noch im Jahr 2003 mit 35,2 Mio. Impfdosen. 2007 wurde ein Maximum von 47,6 Mio. Impfdosen erreicht. Dahinter stand ein besonders starker Verbrauchsanstieg von insgesamt 8 Mio. Impfdosen, der durch Impfungen gegen FSME, Meningitis, Pneumokokken und HPV bedingt war. Danach ging der Impfstoffverbrauch wieder zurück. Besonders auffällig ist der Verbrauchsrückgang im Jahr 2010, als im Vergleich zu 2009 5,5 Mio. weniger Impfdosen abgegeben wurden. Haupttreiber dieses Rückgangs waren die Impfungen gegen FSME und Influenza. Die Verbrauchsentwicklung seit 2010 kann man bestenfalls als stabil bezeichnen. Ein starker Verbrauchsanstieg ist häufig auf Impfempfehlungen der STIKO zurückzuführen. Dies trifft z. B. zu für den Verbrauchsanstieg des Pneumokokken-Impfstoffs 2006 und 2007 (RKI 2006), des HPV-Impfstoffs 2008 (RKI 2007) sowie des Rotavirus-Impfstoffs 2013 und 2014 (RKI 2013). 2016 zeigten sich – im Vergleich zum Vorjahr – die höchsten Verbrauchsanstiege bei den Pneumokokken-Impfstoffen (18 %), bei den Rotavirus-Impfstoffen (14 %) und bei den Meningitis-Impfstoffen (10 %). Für die Pneumokokken-Impfung werden seit 2016 ggf. Wiederholungsimpfungen empfohlen (RKI 2016).

Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass 2016 die Influenzaimpfung mit über 36 % den größten Anteil am Verbrauch hatte. Im betrachteten Zeitraum 2006–2016 lag das Verbrauchsmaximum für Influenzaimpfstoffe bei 18,7 Mio. Impfdosen im Jahr 2009. Bis 2012 ging der Verbrauch von Influenzaimpfstoffen auf 13,2 Mio. Impfdosen zurück. Seitdem verlangsamte sich der Verbrauchsrückgang und lag 2016 noch bei knapp 12,3 Mio. Impfdosen, was nur einen sehr geringen Verbrauchsrückgang im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Ob der beobachtete Verbrauchsrückgang in Zusammenhang mit Rabattverträgen von Krankenkassen mit Impfstoffherstellen steht, ist unklar. Die Rabattverträge galten als Ursache für Lieferengpässe von Impfstoffen (NN 2012). Mit dem kürzlich in Kraft getretenem AMVSG gehören solche Verträge der Vergangenheit an (NN 2017).

An zweiter Stelle in Bezug auf den Verbrauch liegen die Impfstoffe gegen Pneumokokken und FSME mit einem Anteil je rund 10 % im Jahr 2016. Der hohe Verbrauchsanteil der FSME-Impfung ist dadurch bedingt, dass für diese Impfung relativ häufig Auffrischimpfungen erforderlich sind, nämlich alle drei bis fünf Jahre. Nachdem in den Jahren 2005–2009 der Verbrauch sehr hoch war und die Werte zwischen rund 4 und 9 Mio. Impfdosen lagen, ist seit 2010 eine Stabilisierung zu beobachten mit Verbrauchswerten zwischen 3,0 und 3,8 Mio. Impfdosen. Die 2007/2008 beobachtete Verbrauchsspitze hängt möglicherweise damit zusammen, dass das RKI damals die Risikogebiete neu definiert hat (Häussler et al. 2010). Der hohe Verbrauchsanteil der Pneumokokken-Impfstoffe erklärt sich dadurch, dass für Säuglinge und Kleinkinder in der Regel eine dreimalige Impfung vorgesehen ist und Personen ab 60 Jahren mindestens einmal geimpft werden sollen (RKI 2016).

Ebenfalls hohe Verbrauchswerte zeigen weitere Impfungen, die entweder als Standardimpfungen im Impfkalender empfohlen werden und/oder bei denen die erforderliche Anzahl von Impfdosen relativ hoch ist. Viermal appliziert wird bei Säuglingen und Kleinkindern die Sechsfachkombination gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae b (Hib), Pertussis, Poliomyelitis, Tetanus und Hepatitis B. Entsprechend finden sich hohe Verbrauchsanteile von rund 7 %. Bei 7 % lag 2016 auch der Verbrauchsanteil der Pertussis-Impfung, die ebenfalls für bestimmte Personengruppen alle zehn Jahre wiederholt werden soll. Für Masern, Mumps, Röteln und Varizellen ist dagegen nur eine zweimalige Impfung vorgesehen, und dementsprechend findet sich ein geringerer Verbrauch.

Erwähnenswert ist, dass der Verbrauch von Kombinationen mit Masernkomponente im Jahr 2015, also dem Jahr, als Masernausbrüche erhebliche Medienreaktion nach sich zogen, stark angestiegen ist und sich zumindest für die Vierfachkombination der Verbrauch auch 2016 auf dem erreichten hohen Niveau halten konnte.

Literatur