Innovationen bei Mittel mit hemmender Wirkung auf das Immunsystem L04 Immunsuppressiva

Veröffentlicht am: 23.03.26

Neueinführungen zwischen 2020 und 2024
JahrWirkstoffTherapieansatzAnwendung
2020OzanimodS1P-Rezeptor-ModulatorenMultiple Sklerose
2020SiponimodS1P-Rezeptor-ModulatorenMultiple Sklerose
2020UpadacitinibJAK-InhibitorenRheumatoide Arthritis
2020FilgotinibJAK-InhibitorenRheumatoide Arthritis
2021ImlifidaseIgG-AntagonistDesensibilisierung bei Nierentransplantation
2021PonesimodS1P-Rezeptor-ModulatorenMultiple Sklerose
2021SatralizumabIL-6-InhibitorNMOSD
2021BimekizumabIL-Rezeptor-InhibitorenPlaque-Psoriasis
2022DiroximelfumaratFumarsäureesterMultiple Sklerose
2022AvacopanKomplement-C5a-InhibitorenSchwere aktive Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) oder mikroskopischer Polyangiitis (MPA)
2022AnifrolumabInterferon-InhibitorenSystemischer Lupus erythematodes
2022PegcetacoplanKomplement-C3-InhibitorenPNH
2022InebilizumabAnti-CD19-AntikörperNMOSD
2022Efgartigimod alfaFcRn-InhibitorenMyasthenia gravis
2023SutimlimabKomplement-C1s-InhibitorenKälteagglutinin-Krankheit (Cold Agglutinin Disease, CAD)
2023DeucravacitinibJAK-InhibitorenPsoriasis
2023SpesolimabIL-Rezeptor-InhibitorenPsoriasis pustulosa
2023MirikizumabIL-23-InhibitorColitis ulcerosa
2023VoclosporinCalcineurin-InhibitorenLupusnephritis
2023RitlecitinibJAK-InhibitorenAlopecia areata
2024EtrasimodS1P-Rezeptor-Modulatoren Colitis ulcerosa
2024UblituximabIL-Rezeptor-InhibitorenMultiple Sklerose
2024RozanolixizumabFcRn-InhibitorenMyasthenia gravis
2024ZilucoplanTerminale KomplementinhibitorenMyasthenia gravis
2024CrovalimabTerminale KomplementinhibitorenPNH
2024IptacopanProximale KomplementinhibitorenPNH
2024DanicopanProximale KomplementinhibitorenZusatztherapie bei PNH mit hämolytischer Anämie
FcRN = neonataler Fc-Rezeptor, IgG = Immunglobulin G, IL = Interleukin, JAK = Januskinase, NMOSD = Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen, PNH = paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie, S1P = Sphingosin-1 Phosphat

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Quelle: IGES eigene Recherche

Für den Zeitraum 2020 bis 2024 sind für die Indikationsgruppe der Immunsuppressiva 27 Wirkstoffe neu zu berücksichtigen. Die Behandlung der Alopecia areata – einer zu Haarausfall führenden Autoimmunerkrankung – wird bisher von der GKV nicht erstattet.

Die Anwendungsgebiete der insgesamt 27 Wirkstoffe umfassen 14 verschiedene Erkrankungen. Fünf der Wirkstoffe, die zwischen 2020 und 2024 auf den Markt kamen, werden bei Multipler Sklerose eingesetzt, vier bei PNH (paroxysmale nächtliche Hämoglobinurie), jeweils drei bei Myasthenia gravis bzw. Psoriasis und jeweils zwei bei Colitis ulcurosa, NMOSD (Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen), rheumatoider Arthritis bzw. Lupus.

Die 27 neuen Wirkstoffe verteilen sich auf 17 unterschiedliche Therapieansätze. Einige der Therapieansätze wurden durch die Neueinführungen zudem erstmals in der Indikationsgruppe der Immunsuppressiva definiert, was das hohe innovative Potenzial in dieser Indikationsgruppe unterstreicht.

Das 2021 neu eingeführte Enzym Imlifidase verkörpert einen völlig neuen Ansatz bei der Nierentransplantation: Es ist zugelassen zur Anwendung bei Patienten mit Antikörpern gegen ein Spenderorgan. Der Wirkstoff wird vor der Transplantation verabreicht und führt gezielt zum Abbau von IgG, so dass bei Transplantation nur eine geringe Menge von Antikörpern im Blut zirkuliert.

Der FcRn-Inhibitor Efgartimod alfa stellt ebenfalls ein neues Therapiekonzept zur Behandlung der Myasthenia gravis zugelassen ist – einer seltenen Erkrankung, deren typisches Symptom die extreme Muskelermüdung ist – und ist der erste zugelassene Vertreter dieser Wirkstoffklasse. Der Wirkstoff ist ein Fc-Fragment von IgG-Antikörpern und hemmt den sogenannten neonatalen FC-Rezeptor (FcRn). Dadurch wird die Halbwertszeit von IgG-Antikörpern im Blut verkürzt, inklusive von Auto-Antikörpern, die ursächlich für die Myasthenia gravis sind.

Sutimlimab ist der erste therapeutische Hemmstoff des Komplementfaktors C1s. Das Komplementsystem gehört zum Immunsytem und wird in der Regel durch Antikörper nach Bindung an Antigene aktiviert. Die Aktivierung des Komplementsystems spielt auch bei der Symptomatik der Kälteagglutininkrankheit eine Rolle, da sie letztlich zur Zerstörung von Erythrozyten führt, was durch Sutimlimab gehemmt wird.