Verbrauch Mittel mit hemmender Wirkung auf das Immunsystem L04 Immunsuppressiva

Veröffentlicht am: 21.01.19

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch von Immunsupressiva nach Teil-Indikationsgruppen
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20072008200920102011201220132014201520162017
Unspezifische Immunsuppression53,657,559,761,864,767,168,669,468,569,368,3
RA und andere Systemerkrankungen21,125,029,033,438,542,346,351,957,363,167,4
Transplantation17,818,919,720,621,221,822,523,023,223,623,8
Psoriasis0,30,40,20,40,71,01,52,33,67,212,7
Multiple Sklerose0,51,11,31,32,03,04,16,27,48,710,2
Übrige Teil-Indikationsgruppen0,10,40,50,60,81,11,31,82,94,14,9
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Der Verbrauch von Immunsuppressiva erreichte 2017 einen Wert von 187,2 Mio. DDD. Damit setzte sich der seit mehr als zehn Jahren zu beobachtende kontinuierliche Verbrauchsanstieg ungebrochen fort. Der jährliche Verbrauchszuwachs bewegte sich dabei zwischen 7,2 und 13,0 Mio. DDD; 2017 erreichte er einen Wert von 11,3 Mio. DDD bzw. eine Rate von 6,4 %. Dennoch gehören Immunsuppressiva zu den selten verordneten Arzneimitteln, denn der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch lag 2017 in der GKV nur bei 2,6 DDD.

Die größten Teil-Indikationsgruppen waren 2017 die Mittel zur unspezifischen Immunsuppression mit sowie die Mittel bei rheumatoider Arthritis mit jeweils 35,9 %, die überwiegend bei Organtransplantationen eingesetzten Mittel mit 13 %, die Immunsuppressiva bei Psoriasis mit 7 % und die Mittel bei Multipler Sklerose (MS) mit 5 %. (Weitere bei MS eingesetzte Arzneimittel finden sich in den Indikationsgruppe der Immunstimulanzien [L03] sowie der anderen Mittel für das Nervensystem [N07]).

Unauffällig war die Entwicklung bei den unspezifischen Immunsuppressiva, deren Verbrauch seit einigen Jahren weitgehend stabil ist. Gleiches gilt auch für die bei Transplantationen eingesetzten Immunsuppressiva, wo es seit 2013 ebenfalls kaum noch Verbrauchsänderungen gab. Die anderen der genannten Indikationsgruppen zeigten sich dagegen sehr dynamisch.

In der Teil-Indikationsgruppe der überwiegend bei RA eingesetzten Arzneimittel stieg der Verbrauch 2017 um 4,3 Mio. DDD auf nun 67,4 Mio. DDD an. Die Zuwachsrate war mit 6,8 % deutlich geringer als in den Vorjahren, in denen Raten von 10 % und mehr festzustellen waren. Die Teil-Indikationsgruppe gliedert sich in drei Therapieansätze, von denen die TNF-alpha-Inhibitoren und die selektiven Immunsuppressiva mit 68 bzw. 23 % dominierten. Die TNF-alpha-Inhibitoren sind Treiber des Verbrauchswachstums bei den Mitteln gegen RA: Ihr Verbrauch stieg 2017 um 3,5 Mio. DDD. Die wichtigsten Wirkstoffe unter den TNF-alpha-Inhibitoren sind Adalimumab, Infliximab und Etanercept mit Verbrauchsanteilen von 35,9, 26,1 bzw. 22,7 %. Für Infliximab und Etanercept stehen seit 2015 bzw. 2016 Biosimilars zur Verfügung. Der Verbrauchszuwachs bei den Biosimilars war größer als der Verbrauchsrückgang bei den Referenzwirkstoffen. Möglicherweise werden also die günstigeren Preise der Biosimilars genutzt, um noch mehr Patienten mit TNF-alpha-Inhibitoren zu versorgen. Der Anteil von Biosimilars am Verbrauch erreichte 2017 für Infliximab 51,2 %, für Etanercept 34,1 %.

Für die MS-Medikamente stieg der Verbrauch 2017 mit 1,5 Mio. DDD etwas stärker als Vorjahr; die Zuwachsrate lag bei 17,5 %. Auch in dieser Teil-Indikationsgruppe werden unterschiedliche Therapieansätze unterschieden. Jeder Ansatz umfasst derzeit jedoch nur einen Wirkstoff. Führend waren 2017 die Wirkstoffe Fingolimod und Teriflunomid mit Anteilen von rund 45,2 bzw. 31,1 %, gefolgt von Natalizumab mit 22 %. Fingolimod und Teriflunomid werden als Tablette verabreicht, während Natalizumab und Alemtuzumab als infundiert werden müssen.

Das stärkste Wachstum zeigte 2017 die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei Psoriasis. Hier stieg der Verbrauch 2017 von 7,2 Mio. DDD auf 12,7 Mio. DDD, was eine Rate von 75 % bedeutet. Ein beschleunigtes Wachstum für Immunsuppressiva zur Behandlung der Psoriasis ist seit 2011 zu beobachten – damals lag allerdings der Verbrauch noch bei 0,4 Mio. DDD. Das beschleunigte Verbrauchswachstum wurde zunächst von dem 2011 einzig verfügbarem Wirkstoff, dem Ustekinumab, getragen. 2015 kam ein weiterer Antikörper, das Secukinumab, dazu, auf den ein Großteil des Verbrauchszuwachses im Jahr 2016 entfiel. Dennoch war 2017 Ustekinumab der Wirkstoff mit dem stärksten Wachstum. Im Jahr 2017 wurden drei weitere immunsuppressive Antikörper gegen Psoriasis eingeführt. Derzeit befinden sich Wirkstoffe aus zwei Therapieansätzen im Markt, von denen die Interleukin-Rezeptor-Inhibitoren mit knapp 90 % den höchsten Anteil haben. Zu den Interleukin-Rezeptor-Inhibitoren gehören die erwähnten Antikörper und die dominanten Wirkstoffe waren hier 2017 das Ustekinumab mit 53,9 % Verbrauchsanteil und Secukinumab mit rund 33,6 %.