Verbrauch L04 Immunsuppressiva Die Ausgaben für Immunsuppressiva beliefen sich 2019 auf 5,7 Mrd. Euro. Gegenüber 2018 ist dies eine Zunahme um 8,4 %. Den höchsten Anteil an den Ausgabenhatten die Mittel bei rheumatoider Arthritis (42,4 %).

Veröffentlicht am: 30.10.20

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen: AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch von Immunsuppressiva nach Teil-Indikationsgruppen
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20092010201120122013201420152016201720182019
RA und andere Systemerkrankungen29,033,436,741,846,251,355,961,466,172,379,0
Unspezifische Immunsuppression59,761,864,767,168,669,468,569,368,366,865,9
Transplantation19,720,621,221,822,523,023,223,623,824,224,7
Psoriasis0,20,40,71,01,52,33,67,212,717,924,1
Multiple Sklerose1,31,32,03,04,19,612,714,016,017,920,0
Übrige Teil-Indikationsgruppen0,50,60,81,11,31,82,94,14,96,37,7
Immunsuppressiva gesamt110,4118,2126,1135,8144,1157,4166,8179,6191,6205,5221,5
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Der Verbrauch von Immunsuppressiva erreichte 2019 einen Wert von 221,5 Mio. DDD. Damit setzte sich der seit mehr als zehn Jahren zu beobachtende kontinuierliche Verbrauchsanstieg ungebrochen fort. 2018 wurde mit 16,0 Mio. DDD der höchste Verbrauchsanstieg beobachtet. Die Zuwachsrate lag bei 7,8 %. Dennoch gehören Immunsuppressiva zu den selten verordneten Arzneimitteln, denn der mittlere Pro-Kopf-Verbrauch lag 2019 in der GKV nur bei 3,1 DDD.

Die größte Teil-Indikationsgruppe waren 2019 die Mittel die Mittel bei rheumatoider Arthritis und anderen Systemerkrankungen mit 36 %. Auf den weiteren Rängen folgten die unspezifischen Immunsuppressiva mit 30 %, die überwiegend bei Organtransplantationen eingesetzten Mittel sowie die Immunsuppressiva bei Psoriasis mit jeweils 11 % und die Mittel bei Multipler Sklerose (MS) mit 9 %. (Weitere bei MS eingesetzte Arzneimittel finden sich in den Indikationsgruppe der Immunstimulanzien [L03].)

Wenig auffällig war die Entwicklung bei den unspezifischen Immunsuppressiva, deren Verbrauch in den Jahren 2012 bis 2017 weitgehend stabil war, sich seitdem jedoch leicht rückläufig entwickelte. Gleiches gilt auch für die bei Transplantationen eingesetzten Immunsuppressiva, wo es seit 2013 nur geringe jährliche Verbrauchsänderungen gab, aber dennoch ein Trend zu leicht zunehmendem Verbrauch erkennbar ist. Die anderen der genannten Indikationsgruppen zeigten sich dagegen sehr dynamisch.

In der Teil-Indikationsgruppe der überwiegend bei RA eingesetzten Arzneimittel stieg der Verbrauch 2019 um 6,7 Mio. DDD auf nun 79,0 Mio. DDD an. Die Zuwachsrate war mit 9,3 % ähnlich stark ausgeprägt wie in den Vorjahren. Die Teil-Indikationsgruppe gliedert sich in drei Therapieansätze, von denen die TNF-alpha-Inhibitoren und die selektiven Immunsuppressiva mit 67 % bzw. 21 % dominierten. Die TNF-alpha-Inhibitoren sind Treiber des Verbrauchswachstums bei den Mitteln gegen RA: Ihr Verbrauch stieg 2019 um 3,6 Mio. DDD. Die wichtigsten Wirkstoffe unter den TNF-alpha-Inhibitoren sind Adalimumab, Infliximab und Etanercept mit Verbrauchsanteilen von 38,8 %, 25,3 % bzw. 21,4 %. Für Infliximab, Etanercept und Adalimumab stehen seit 2015, 2016 bzw. 2018 Biosimilars zur Verfügung. Der Verbrauchszuwachs bei den Biosimilars war größer als der Verbrauchsrückgang bei den Referenzwirkstoffen. Möglicherweise werden also die günstigeren Preise der Biosimilars genutzt, um noch mehr Patienten mit TNF-alpha-Inhibitoren zu versorgen. Der Anteil von Biosimilars am Verbrauch erreichte 2019 für Infliximab 68,3 %, für Etanercept 65,1 % und für Adalimumab 43,7 %.

Für die MS-Medikamente stieg der Verbrauch 2019 mit 2,1 Mio. DDD etwas stärker als im Vorjahr; die Zuwachsrate lag bei 11,8 %. Auch in dieser Teil-Indikationsgruppe werden unterschiedliche Therapieansätze unterschieden. Jeder Ansatz umfasst derzeit jedoch nur einen Wirkstoff. Die drei führenden Wirkstoffe waren 2019 Dimethylfumarat und Fingolimod mit Anteilen von rund 33 % bzw. 24 %, gefolgt von Teriflunomid mit 19 %. Cladribin, Fingolimod und Teriflunomid werden als Tablette verabreicht, während Alemtuzumab, Natalizumab, Alemtuzumab und Ocrelizumab infundiert werden müssen.

Ein starkes Wachstum zeigte auch 2019 erneut die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei Psoriasis. Hier stieg der Verbrauch von 17,9 Mio. DDD im Jahr 2018 auf 24,1 Mio. DDD, was eine Rate von fast 35 % bedeutet. Ein beschleunigtes Wachstum für Immunsuppressiva zur Behandlung der Psoriasis ist seit 2011 zu beobachten – damals lag allerdings der Verbrauch noch bei 0,7 Mio. DDD. Das beschleunigte Verbrauchswachstum wurde zunächst von dem 2011 einzig verfügbaren Wirkstoff, dem Ustekinumab, getragen. Seit 2015 kamen sieben weitere Immunsuppressiva zur Behandlung der Psoriasis auf den Markt. Derzeit gliedert sich der Markt in zwei Therapieansätze, von denen die Interleukinrezeptor-Inhibitoren mit 93 % den höchsten Anteil haben. Zu den Interleukinrezeptor-Inhibitoren gehören die erwähnten Antikörper, und die dominanten Wirkstoffe waren hier 2019 das Ustekinumab mit 55,9 % Verbrauchsanteil und Secukinumab mit rund 25,5 %.