Verbrauch L04 Immunsuppressiva

Veröffentlicht am: 09.09.17

Quelle: IGES-Berechnungen nach AVR (1996 bis 2002) und NVI (Insight Health) ab 2003; AVR: Arzneiverordnungs-Report
Verbrauch von Immunsupressiva nach Teil-Indikationsgruppen
ArzneimittelgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20062007200820092010201120122013201420152016
Unspezifische Immunsuppression49,953,657,559,761,864,767,168,669,468,569,3
RA und andere Systemerkrankungen17,921,125,029,033,438,542,346,351,957,363,1
Transplantation16,817,818,919,720,621,221,822,523,023,223,6
Multiple Sklerose0,10,51,11,31,32,03,04,16,27,48,6
Psoriasis0,20,30,40,20,40,71,01,52,33,67,2
Übrige Indikationsgruppen0,00,10,40,50,60,81,11,31,82,94,1
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Der Verbrauch von Immunsuppressiva erreichte 2016 einen Wert von 175,9 Mio. DDD. Damit setzte sich der seit mehr als zehn Jahren zu beobachtende kontinuierliche Verbrauchsanstieg ungebrochen fort: Bis 2015 bewegte sich der jährliche Mehrverbrauch zwischen 7 und 10 Mio. DDD. Der Verbrauchszuwachs im Jahr 2016 lag bei 13 Mio. DDD und war der höchste Zuwachs, der für diese Indikationsgruppe jemals beobachtet werden konnte. Daraus ergibt sich für 2016 eine Zuwachsrate von 8 %. Dennoch gehören Immunsuppressiva zu den selten verordneten Arzneimitteln, denn jeder Versicherte der GKV erhielt 2016 lediglich 2,5 DDD.

Die größten Teil-Indikationsgruppen waren 2016 die Mittel zur unspezifischen Immunsuppression mit 39,4 %, die Mittel bei rheumatoider Arthritis (RA) mit 35,9 %, die überwiegend bei Organtransplantationen eingesetzten Mittel mit 31,4 % sowie die Mittel bei Multipler Sklerose (MS) mit 4,9 %. (Weitere bei MS eingesetzte Arzneimittel finden sich in den Indikationsgruppe der Immunstimulanzien [L03] sowie der anderen Mittel für das Nervensystem [N07]). Zu nennen sind schließlich noch die bei Psoriasis eingesetzten Immunsuppressiva mit einem Anteil von 4,1 %.

Unauffällig war die Entwicklung bei den unspezifischen Immunsuppressiva, deren Verbrauch seit einigen Jahren weitgehend stabil ist. Gleiches gilt auch für die bei Transplantationen eingesetzten Immunsuppressiva, wo es seit 2013 ebenfalls kaum noch Verbrauchsänderungen gab. Die anderen der genannten Indikationsgruppen zeigten sich dagegen sehr dynamisch.

In der Teil-Indikationsgruppe der überwiegend bei RA eingesetzten Arzneimittel stieg der Verbrauch 2016 um knapp 5,8 Mio. DDD auf nun 63,1 Mio. DDD an. Dies war in der betrachteten Zeitreihe der höchste beobachtete Verbrauchsanstieg und entspricht einer Rate von 10,1 %. Die Teil-Indikationsgruppe gliedert sich in drei Therapieansätze, von denen die TNF-alpha-Inhibitoren und die selektiven Immunsuppressiva mit 67 bzw. 25 % dominierten. Die TNF-alpha-Inhibitoren sind Treiber des Verbrauchswachstums bei den Mitteln gegen RA: Ihr Verbrauch stieg 2016 um 4,4 Mio. DDD. Die wichtigsten Wirkstoffe unter den TNF-alpha-Inhibitoren sind Adalimumab, Infliximab und Etanercept mit Verbrauchsanteilen von 36,3, 26,6 bzw. 21,7 %. Für Infliximab und Etanercept stehen seit 2015 bzw. 2016 Biosimilars zur Verfügung. Der Verbrauchszuwachs bei den Biosimilars war größer als der Verbrauchsrückgang bei den Referenzwirkstoffen. Möglicherweise werden also die günstigeren Preise der Biosimilars genutzt, um noch mehr Patienten mit TNF-alpha-Inhibitoren zu versorgen. Der Anteil von Biosimilars am Verbrauch erreichte 2016 für Infliximab 29 %, für Etanercept etwas mehr als 8 %.

Für die MS-Medikamente stieg der Verbrauch 2016 mit 1,2 Mio. DDD ähnlich stark wie im Vorjahr; die Zuwachsrate lag bei 16,8 %. Auch in dieser Teil-Indikationsgruppe werden unterschiedliche Therapieansätze unterschieden. Jeder Ansatz umfasst derzeit jedoch nur einen Wirkstoff. Führend waren 2016 die Wirkstoffe Fingolimod und Teriflunomid mit Anteilen von rund 47 bzw. 28 %, gefolgt von Natalizumab mit 23 %. Fingolimod und Teriflunomid können als Tablette verabreicht werden, während Natalizumab und Alemtuzumab als Infusion verabreicht werden müssen.

Das stärkste Wachstum zeigte 2016 die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei Psoriasis. Hier stieg der Verbrauch 2016 von 3,6 Mio. DDD auf 7,2 Mio. DDD und hat sich damit verdoppelt. Ein beschleunigtes Wachstum für Immunsuppressiva zur Behandlung der Psoriasis ist seit 2011 zu beobachten – damals lag allerdings der Verbrauch noch bei 0,4 Mio. DDD. Das beschleunigte Verbrauchswachstum wurde zunächst von dem 2011 einzigen Wirkstoff, dem Ustekinumab, getragen. 2015 kam ein weiterer Antikörper, das Secukinumab, dazu, auf den ein Großteil des Verbrauchszuwachses im Jahr 2016 entfiel. Dominante Wirkstoffe waren 2016 das Ustekinumab mit 51 % Verbrauchsanteil und Secukinumab mit rund 36 %.