Veröffentlicht am: 20.02.26
| Teil-Indikationsgruppe | Verbrauch in Mio. DDD | ||||||||||
| 2014 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | |
| RA und andere Systemerkrankungen | 51,3 | 56,0 | 61,4 | 66,3 | 73,0 | 80,1 | 85,8 | 94,2 | 102,1 | 109,9 | 117,5 |
| Psoriasis | 2,3 | 3,6 | 7,2 | 12,7 | 17,9 | 24,2 | 32,1 | 39,8 | 47,4 | 56,6 | 65,5 |
| Unspezifische Immunsuppression | 69,4 | 68,5 | 69,3 | 68,3 | 66,8 | 65,9 | 64,8 | 63,6 | 62,6 | 60,6 | 58,9 |
| Multiple Sklerose | 9,6 | 12,7 | 14,0 | 16,0 | 17,9 | 20,0 | 21,4 | 23,6 | 26,9 | 30,3 | 33,3 |
| Transplantation | 23,0 | 23,2 | 23,6 | 23,8 | 24,2 | 24,7 | 25,7 | 25,6 | 26,4 | 26,3 | 27,0 |
| Entzündliche Darmerkrankungen | 0,2 | 0,9 | 1,8 | 2,2 | 3,0 | 3,8 | 5,4 | 7,1 | 8,0 | 9,6 | 11,5 |
| Übrige Teil-Indikationsgruppen | 1,6 | 2,0 | 2,3 | 2,7 | 3,4 | 3,9 | 4,4 | 4,8 | 5,3 | 6,1 | 6,7 |
| Immunsuppressiva gesamt | 157,5 | 166,9 | 179,6 | 191,9 | 206,2 | 222,6 | 239,7 | 258,7 | 278,7 | 299,3 | 320,4 |
Der Verbrauch von Immunsuppressiva erreichte 2024 einen Wert von 320,4 Mio. DDD. Das ist eine Zuwachsrate von 7 %. Damit setzte sich der seit mehr als zehn Jahren zu beobachtende kontinuierliche Verbrauchsanstieg ungebrochen fort und zeigte mit einem Plus von 21,1 Mio. DDD den höchsten Verbrauchsanstieg seit dem Jahr 1996.
Mit einem mittleren Pro-Kopf-Verbrauch von 4,3 DDD im Jahr 2024 gehören Immunsuppressiva zu den häufig verordneten Arzneimitteln.
Die größte Teil-Indikationsgruppe waren 2024 die Mittel die Mittel bei rheumatoider Arthritis und anderen Systemerkrankungen mit 36,7 %. Auf den weiteren Rängen folgten die unspezifischen Immunsuppressiva mit 20,4 %, die Immunsuppressiva bei Psoriasis mit 18,4 %, die Mittel bei Multipler Sklerose mit 10,4 % und die überwiegend bei Organtransplantationen eingesetzten Mittel 8,4 %.
In der Teil-Indikationsgruppe der überwiegend bei RA eingesetzten Arzneimittel stieg der Verbrauch 2024 um 7,6 Mio. DDD auf nun 117,5 Mio. DDD an. Die Zuwachsrate war mit 7 % etwas geringer als 2023. Die Teil-Indikationsgruppe gliedert sich in vier Therapieansätze, von denen die TNF-alpha-Inhibitoren mit 63 % dominierten. Auf JAK-Inhibitoren entfielen rund 17 %. Die TNF-alpha-Inhibitoren sind Treiber des Verbrauchswachstums bei den Mitteln gegen RA: Ihr Verbrauch stieg 2024 um 4 Mio. DDD. Die wichtigsten Wirkstoffe unter den TNF-alpha-Inhibitoren sind Adalimumab, Infliximab und Etanercept mit Verbrauchsanteilen von 45 %, 24 % bzw. 19 %. Für Infliximab, Etanercept und Adalimumab stehen seit 2015, 2016 bzw. 2018 Biosimilars zur Verfügung. Die günstigeren Preise der Biosimilars erleichtern es, noch mehr Patienten mit TNF-alpha-Inhibitoren zu versorgen. Der Anteil von Biosimilars am Verbrauch erreichte 2024 für Infliximab , Etanercept und Adalimumab 90, 85 bzw. 80 %.
Das stärkste Wachstum zeigte auch 2024 wieder die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei Psoriasis. Hier stieg der Verbrauch von um 8,9 Mio. DDD, was eine Rate von 16 % bedeutet. Ein beschleunigtes Wachstum für Immunsuppressiva zur Behandlung der Psoriasis ist seit 2011 zu beobachten – damals lag allerdings der Verbrauch noch bei 0,7 Mio. DDD. Das beschleunigte Verbrauchswachstum wurde zunächst von dem 2011 einzig verfügbaren Wirkstoff, dem Ustekinumab, getragen. Seit 2015 kamen zehn weitere Immunsuppressiva zur Behandlung der Psoriasis auf den Markt. Derzeit gliedert sich der Markt in drei Therapieansätze, von denen die Interleukinrezeptor-Inhibitoren mit rund 96 % den höchsten Anteil haben. Zu den Interleukinrezeptor-Inhibitoren gehören die erwähnten Antikörper, und die dominanten Wirkstoffe waren hier 2024 das Ustekinumab mit 43 % Verbrauchsanteil und Secukinumab mit rund 15 %. Für Ustekinumab sind seit Mitte 2024 Biosimilars verfügbar, deren Anteil bezogen auf das gesamte Jahr 2024 5 % erreichte.
Das anhaltende Verbrauchswachstum von krankheitsmodifizierenden Therapien bei RA und Psoriasis ist einerseits vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Prävalenz dieser Erkrankungen steigt. Allerdings lässt sich der Mehrverbrauch dadurch nur teilweise erklären. Für die Therapie bei RA fordern aktuelle Leitlinien ein deutlich aggressiveres Vorgehen bei der Therapieeskalation, um die Behandlungsziele („treat to target“) möglichst rasch zu erreichen (Fiehn et al. 2018, Smolden et al. 2020). Für die Psoriasis könnte das Wachstum ein Hinweis darauf sein, dass die bereits vor Jahren festgestellte Unterversorgung (Mrowietz et al. 2010) noch nicht beseitigt werden konnte. Wie für die RA wird nun auch für die Psoriasis deutlicher betont, dass bestimmte Behandlungsziele erreicht werde sollen (Remenyik et al. 2020, Nast et al. 2021).
Für die MS-Medikamente stieg der Verbrauch 2024 mit 3 Mio. DDD etwas geringer als im Vorjahr; die Zuwachsrate lag bei 9,9 %. Auch in dieser Teil-Indikationsgruppe werden unterschiedliche Therapieansätze unterschieden. Bis auf die S1P-Rezeptor-Modulatoren (Hauptwirkstoff Fingolimod), die CD-20-Antikörper (häufigster Wirkstoff Ocelizumab), die Fumarsäureester (dominierender Wirkstoff Dimethylfumarat) und die Anti-CD20-Antikörper (führende Wirkstoffe Ocrelizumab und Ofatumumab) umfasst jeder Ansatz derzeit jedoch nur einen Wirkstoff. Die führenden Wirkstoffe innerhalb der immunsuppressiven MS-Mittel waren 2024 Dimethylfumarat und Teriflunomid mit Anteilen von rund 20 % bzw. 15 %, gefolgt von Ocrelizumab Ofatumumab mit jeweils rund 16 % und Fingolimod mit 11 %. Cladribin, Teriflunomid und die S1P-Rezeptor-Modulatoren werden als Tablette verabreicht, während die Antiköper (Alemtuzumab, Natalizumab, Alemtuzumab, Ocrelizumab und Ofatumumab) infundiert werden müssen.
Weitere MS-Mittel, nämlich die Beta-Interferone und das Glatirameracetat, werden als Immunstimulanzien (L03) klassifiziert. Bis zur Einführung der Immunsuppressiva gegen MS waren sie seit Einführung der Beta-Interferone im Jahr 1996 über Jahre hinweg die wichtigsten Mittel zur immunmodulatorischen Therapie der MS. Bezieht man den Verbrauch von Beta-Interferonen und Glatirameracetat mit ein, so zeigt sich, dass sich zwischen 2010 und 2024 der Verbrauch mehr als verdoppelt hat (von 19,5 Mio. auf 43 Mio. DDD). Dabei lag der Anteil von Beta-Interferonen und Glatirameracetat anfangs noch bei 93 % (18,2 Mio. DDD), und ihr Verbrauch stieg bis 2013 auf 20,4 Mio. DDD an. Seitdem geht der Verbrauch von Beta-Interferonen und Glatirameracetat stetig zurück und erreichte 2024 eine Menge von 9,8 Mio. DDD, was einem Anteil von 13 % entspricht.