Meilensteine bei den Mitteln mit dämpfender Wirkung auf das Zentralnervensystem (Psycholeptika) N05 Psycholeptika Psycholeptika wirken vor allem dämpfend auf das Zentralnervensystem. Die Ausgaben für Psycholeptika beliefen sich 2019 auf 676,8 Mio. Euro. 61 % Prozent des Verbrauchs an Psycholeptika entfielen auf Neuroleptika.

Veröffentlicht am: 26.06.26

Bis 1950
  • Nach 1945: Promethazin wird in Frankreich eingeführt; Prototyp der Phenothiazine mit antihistaminerger und antipsychotischer Wirkung
  • 1950: Synthese von Chlorpromazin
1951–1960
  • 1952: Die Anwendung von Chlorpromazin bei Shizophrenie wird empfohlen
  • 1955: Prägung des Begriffs „neuroleptisch“ durch Delay und Deniker
  • 1955: Chlordiazepoxid wird als erstes Benzodiazepin von Leo Sternbach synthetisiert
  • 1958: Synthese von Haloperidol duch Paul Janssen
  • 1958: Synthese von Clozapin
  • 1959: Synthese von Diazepam
  • 1960: Chlordiazepoxid kommt auf den Markt
1961–1980
  • 1963: Einführung von Diazepam
  • 1966: Studie zeigt, dass Clozapin antipsychotisch wirkt und keine extrapyramidal-motorischen Nebenwirkungen hat
  • Ab ca. 1970: Clozapin kommt in mehreren europäischen Ländern als erstes atypisches Neuroleptikum auf den Markt
1981–2000
  • Ab 1990: Einführung weiterer atypischer Neuroleptika
  • 1991: Zopiclon und Zolpidem werden als erste Vertreter der Benzodiazepin-verwandten Mittel eingeführt
2001–2020
  • 2008: Einführung von Melatonin zur Behandlung von Schlafstörungen
  • 2016: Tasimelteon: einziger Wirkstoff zur Therapie von N24SWD (Non-24-hour sleep-wake disorder) bei blinden Menschen
Seit 2021
  • 2022: Einführung Daridorexant zur Behandlung von Schlaflosigkeit (Insomnie)

Neuroleptika und Antipsychotika

Die Entwicklung der antipsychotischen Wirkstoffe nahm ihren Ausgang von den ersten Antihistaminika. Ausgehend vom Wirkstoff Phenbenzamin, dass als erstes Antihistaminikum vermarktet wurde, fand man die Phenothiazine, als dessen erster Vertreter das Promethazin nach dem 2. Weltkrieg in Frankreich eingeführt wurde. Das neuroleptische Potenzial von Promethazin entdeckte der französische Militärchirurg Henry Laborit, der mit dem sogenannten „lytischen Cocktail“ aus Promethazin und dem narkotischen Schmerzmittel Pethidin die Grundlage für die Neuroleptanalgesie legte, einer Narkosevariante. (Ravina 2011). Aufgrund der Wirkungen von Chlorpromazin – das zu verminderter motorischer Aktivität bis hin zur Katalepsie (Zustand, bei dem in einer starren Körperhaltung verblieben wird) und einem Zustand affektiver Indifferenz führt – wurde 1955 von Delay und Deniker der Begriff „neuroleptisch“ geprägt (Ramachandraiah et al. 2009).

Im Jahr 1958 synthetisierte Paul Janssen das Haloperidol im Rahmen der Entwicklung von starken Analgetika. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Wirkungen von Haloperidol eher denen von Chorpromazin glichen. (Ramachandraiah et al. 2009) Haloperidol ist noch heute ein Standardwirkstoff der hochpotenten Neuroleptika.

Ein Problem der Neuroleptika sind die extrapyramidal-motorischen Nebenwirkungen – Bewegungsstörungen, die von den Patienten nicht kontrolliert werden können. Lange Zeit nahm man an, dass diese extrapyramidal-motorischen Störungen untrennbar mit der antipsychotischen Wirkung der Neuroleptika verbunden seien. Bereits 1958 wurde das Clozapin synthetisiert und schon 1959 wurde im Tierversuch festgestellt, dass Clozapin nicht die kataleptischen Wirkungen von Promethazin und Haloperidol hatte. Erst 1966 jedoch wurde in einer klinischen Studie belegt, dass Clozapin antipsychotisch wirkt, aber atypischerweise keine extrapyramidal-motorischen Störungen hervorruft. Die Markteinführung erfolgte jedoch erst etwa ab 1970. (Ramachandraiah et al. 2009)

Ab 1990 wurde eine Reihe weiterer atypischer Neuroleptika eingeführt, von denen einige heute zu den wichtigsten Neuroleptika gehören. Clozapin wird nur noch ausnahmsweise eingesetzt, da es selten zu einer Agranulozytose führen kann.

Anxiolytika und Sedativa

Die Entwicklung der Benzodiazepine basiert auf den Forschungsarbeiten, die Leo Henryk Sternbach in den 1950er Jahren in den Laboratorien der Firma Hoffmann-La Roche begann. 1955 synthetisierte er das Chlordiazepoxid, das 1960 auf den Markt gebracht wurde (Wick 2013). Diazepam ist sicher der bekannteste Vertreter der Benzodiazepine. Es wurde 1959 erstmals synthetisiert, und kam 1963 auf den Markt und ist heute immer noch in Gebrauch. Besonders in den 1970er- und 1980er -Jahren wurden zahlreiche weitere Benzodiazepine eingeführt. Benzodiazepine wirken anxiolytisch, sedierend, muskelrelaxierend und antikonvulsiv und werden dementsprechend eingesetzt. Ihr Vorteil gegenüber den Barbituraten ist ihre große therapeutische Breite, d. h. sie führen bei hoher Überdosierung zwar zu einer ausgeprägten Sedierung, tödliche Ausgänge sind aber selten. Benzodiazepine können bei länger dauernder, regelmäßiger Anwendung zur Abhängigkeit führen.

Die Benzodiazepin-verwandten Mittel haben einen den Benzodiazepinen ähnlichen, aber nicht identischen Wirkmechanismus. Als erste Vertreter der Gruppe wurden 1991 Zopiclon und Zolpidem in Deutschland eingeführt. Man ging zunächst davon aus, dass bei diesen Wirkstoffen das Abhängigkeitspotenzial geringer wäre als bei den Benzodiazepinen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass diese nicht der Fall ist.

Im Jahr 2008 wurde mit der Einführung von Melatonin zur Therapie von Schlafstörungen bei älteren Menschen der neue Therapieansatz der Melatonin-Rezeptor-Agonisten geschaffen.

Tasimelteon ist seit 2016 in Deutschland verfügbar und wurde zugelassen zur Behand-lung von Non-24 (Non-24-hour sleep-wake disorders) bei blinden Menschen, bei denen auf-grund der fehlenden Lichtwahrnehmung die Synchronisation ihres circadianen Rhythmus auf 24 Stunden nicht möglich ist. Tasimelteon wirkt hochspezifisch an den Melatonin-Rezeptoren MT1 und MT2.

Das 2022 eingeführt Daridorexant ist der erste Vertreter der Orexin-Rezeptor-Antagonisten und hemmt die Wirkung der Neuropeptide Orexin A und B. Dadurch wird die Wirkung der Orexine gehemmt, nämlich die Stabilisierung des Wachzustands und die Stimulierung weiterer wachheitsfördernder Hormone wie bspw. Serotonin oder Norepinephrin. Aufgrund des besonderen Wirkmechanismus – Hemmung der Wachheit statt aktiv dämpfen-der Wirkung – führt Daridorexant seltener zu Müdigkeit am nächsten Morgen und kann ohne ausschleichende Dosierung kurzfristig abgesetzt werden. Eine Langzeittherapie mit dem Wirkstoff ist möglich.

Literatur

  • Ravina E (2011) The Evolution of Drug Discovery. Wiley, Weinheim
  • Ramachandraiah CT, Subramaniam N, Tancer M (2009) The story of antipsychotics: Past and present. Indian J Psychiatry 51:324-26
  • Wick J (2013) The History of Benzodiazepines. Consult Pharm 28:538-548