Innovationen bei Mitteln zur Behandlung von Viruserkrankungen J05 Antivirale Mittel zur systemischen Anwendung Antivirale Mittel zur inneren Anwendung verursachten 2019 Ausgaben in Höhe von 956 Mio. Euro. Diese Ausgaben entfielen hauptsächlich auf die Mittel zur Behandlung von HIV/Aids mit einem Anteil von 70 % sowie die Mittel zu Behandlung der Hepatitis C, deren Anteil bei rund 21 % lag.

Veröffentlicht am: 09.11.20

Neueinführungen zwischen 2015 und 2019
JahrWirkstoffTherapieansatzAnwendung
2015DasabuvirNS5B-HemmerChronische Hepatitis C
2015Ombitasvir, Paritaprevir und Ritonavir Kombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2016Elbasvir und GrazoprevirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2016Velpatasvir und SofosbuvirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2016Tenofoviralafenamid in insgesamt drei unterschiedlichen FixkombinationenKombinationen gegen HIV/AidsHIV/Aids
2017TenofoviralafenamidNukleosideHepatitis B
2017Sofosbuvir, Velpatasvir und VoxilaprevirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2017Glecaprevir und PibrentasvirKombinationen gegen Hepatitis CChronische Hepatitis C
2017Emtricitabin, Tenofoviralafenamid, Darunavir und CobicistatKombinationen gegen HIV/AidsHIV/Aids
2018Bictegravir, Emtricitabin, TenofoviralafenamidKombinationen gegen HIV/AidsHIV/Aids
2018Dolutegravir und RilpivirinKombinationen gegen HIV/AidsHIV/Aids
2018LetermovirTerminase-InhibitorZytomegalievirus (CMV)
2019DoravirinNNRTIHIV/Aids
2019Doravirin, Lamivudin, TenofovirdisoproxilKombinationen gegen HIV/AidsHIV/Aids
Quelle: IGES, eigene RechercheNNRTI = Nichtnukleosidale Inhibitoren der reversen Transkriptase; NRTI = Nukleosidale, nukleotidale Inhibitoren der reversen Transkriptase

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Zwischen 2015 und 2019 wurden insgesamt 18 neue Produkte zur systemischen antiviralen Therapie eingeführt. Diese enthalten 13 neue Wirkstoffe – wobei einzelne Wirkstoffe, wie z. B. Tenofoviralafenamid, mehrfach in verschiedenen Kombinationen zugelassen wurden und einige Kombinationen zur Anwendung bei chronischer Hepatitis C je zwei neue Wirkstoffe enthalten. Tenofoviralafenamid wurde außerdem für zwei verschiedene Anwendungsgebiete zugelassen (HIV/Aids sowie Hepatitis B). Der Großteil der Wirkstoffe, nämlich insgesamt neun, wird bei der chronischen Hepatitis C eingesetzt, drei neue Wirkstoffe erweitern das verfügbare Spektrum zu Therapie von HIV/Aids. Das Tenofoviralafenamid wird zusätzlich zur Behandlung der Hepatitis B angewendet, und ein neuer Wirkstoff dient der Vorbeugung von Infektionen durch das Zytomegalievirus (CMV).

Die zur Therapie der chronischen Hepatitis C neu eingeführten Wirkstoffe wurden zunächst als Monopräparate zugelassen, die mit anderen Wirkstoffen kombiniert werden müssen. Alle ab 2016 zugelassenen Produkte kamen ausschließlich als fixe Wirkstoffkombinationen auf den Markt: Ähnlich wie bei HIV/Aids ist es für die Viruselimination bei chronischer Hepatitis C erforderlich, eine Wirkstoffkombination zu verabreichen.

Bis auf das Doravirin wurden die neuen Wirkstoffe gegen das HIV alle in Form von Fixkombinationen zugelassen. Viele Kombinationen enthalten Tenofovir, das in Form des Tenofovirdisoproxil bereits seit vielen Jahren zur Verfügung steht. Es wurde nun als Tenofoviralafenamid in unterschiedlichen Fixkombinationen auf den Markt gebracht. Sowohl Tenofoviralafenamid als auch Tenofovirdisoproxil sind Prodrugs, die im Organismus in die aktive Form, das Tenofovir, überführt werden. Bei Tenofoviralafenamid geschieht dies erst in den Zielzellen, sodass weniger Tenofovir entsteht, das im übrigen Organismus wirkt bzw. dort zu unerwünschten Wirkungen führt. Man erhofft sich dadurch eine bessere Verträglichkeit.

Bei Letermovir, das 2018 zur Vorbeugung von CMV-Infektionen eingeführt wurde, handelt es sich um einen Terminase-Inhibitor, eine neue Wirkstoffklasse. Anders als bisherigen Wirkstoffe gegen CMV greift Letermovir ausschließlich virusspezifische Strukturen an und beeinflusst nicht den menschlichen DNA-Stoffwechsel. Letermovir ist ein Orphan Drug und wird bei Stammzelltransplantation eingesetzt, um eine Reaktivierung bzw. Neuerkrankung der Patienten mit CMV zu verhindern.