Effektivität von Arzneimitteln gegen Krebs

Veröffentlicht am: 20.09.16

Es steht außer Frage, dass Arzneimittel bei Krebserkrankungen das Überleben verlängern und auch Heilungen ermöglichen können. Nur weil eine solche Effektivität nachgewiesen wurde, werden bestimmte Arzneimittel zur Behandlung bestimmter Krebserkrankungen in den wissenschaftlichen Leitlinien empfohlen. An dieser Stelle sollen daher nicht die zahlreichen Erfolge durch Arzneimitteltherapie aufgeführt werden, die z. B. bei Blut-, Brust- oder Darmkrebs erzielt wurden. Vielmehr soll hier auf die Diskussion eingegangen werden, bei der die Effektivität neuer onkologischer Entwicklungen immer wieder hinterfragt wird.

Kritisiert wird häufig, dass die Überlebensvorteile neuer Arzneimittel gering seien und nur „2–3“ Monate umfassen (Lauterbach 2015; Fojo et al. 2014). Um diese Kritik zu überprüfen, wurde vom IGES Institut eine Untersuchung durchgeführt unter Berücksichtigung der zwischen dem 1. Januar 2011 und dem 15. Februar 2016 abgeschlossenen Verfahren zur Nutzenbewertung im Bereich der Onkologie (Höer et al. 2016). Insgesamt wurden 19 Verfahren mit Angaben zu signifikanten Unterschieden der medianen Überlebenszeit identifiziert. Das mediane Überleben entspricht dabei der Zeitspanne, in der die Hälfte der Patienten überlebt hat. In allen diesen 19 Verfahren wurde den Wirkstoffen ein Zusatznutzen in Bezug auf die Lebenszeitverlängerung zugewiesen. In zwölf der 19 Verfahren (63 %) zeigte sich ein medianer Überlebensvorteil, der größer als 3 Monate war. Ein Überlebensvorteil von bis zu 3 Monaten wurde in sieben Verfahren erreicht.

Verteilung des medianen Überlebensvorteils (neues Arzneimittel vs. zweckmäßige Vergleichstherapie) in 19 Nutzenbewertungsverfahren zu onkologischen Arzneimitteln.

Quelle: IGES, Berechnungen nach G-BA-Dokumenten zur frühen Nutzenbewertung

Mittels einer Modellierung konnte darüber hinaus die mittlere Überlebenszeit geschätzt werden. Diese berücksichtigt, dass ein kleinerer Teil der Patienten auch deutlich länger überlebt. Für 84 % (16) der Verfahren ergab die Modellierung, dass der mittlere Überlebensvorteil größer als 3 Monate ist, in 42 % (8) sogar größer als 6 Monate.

Literatur

  • Fojo T, Mailankody S, Lo A. Unintended consequences of expensive cancer therapeutics – the pursuit of marginal indications and a me-too mentality that stifles innovation and creativity: the John Conley Lecture. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2014;140(12):1225–1236
  • GBA. Verfahren der Nutzenbewertung nach § 35a SGB V. 2016, https://www.g-ba.de/informationen/nutzenbewertung (01.03.2016)
  • Höer A, Schiffhorst G, Häussler B. Welche Effekte können von neuen onkologischen Arzneimitteln erwartet werden? Monitor Versorgungsforschung 2016;04:37–40
  • Lauterbach K. Die Krebsindustrie. Berlin: Rowohlt 2015