Prävention, Diagnose und Behandlung

Veröffentlicht am: 17.10.16

Die Grundpfeiler von Prävention, Diagnose und Behandlung.
Quelle: IGES, eigene Darstellung

Krebserkrankungen können potenziell tödlich verlaufen. Bei bestimmten Krebserkrankungen ist es daher am erfolgversprechendsten, in die Prävention zu investieren. Vielfach ist bei Krebs eine frühe Diagnose ausschlaggebend für eine erfolgreiche Behandlung bzw. Heilung. Auch hier sind die Chancen je nach Krebsart sehr unterschiedlich.

Prävention

Nur bei einem Teil der Krebserkrankungen sind präventive Maßnahmen wirksam. Allerdings gibt es Krebserkrankungen, bei denen diese Maßnahmen bislang der erfolgversprechendste Ansatz sind.

Es sind zwei Formen der Prävention zu unterscheiden: zum einen die frühzeitige Ausschaltung von Noxen (Schadstoffen), deren Erfolge sich sehr langfristig bemerkbar machen. Zum anderen sind Screening-Maßnahmen zu nennen, die es erlauben, Vorstufen der Krebserkrankung bzw. ein sehr frühes Stadium der Krebserkrankung zu erkennen.

Da es oft Jahrzehnte dauert, bis sich nach Exposition gegenüber einer Noxe eine Krebserkrankung entwickelt, brauchen entsprechende Präventivmaßnahmen eine lange Vorlaufzeit. Als eine der potenziell wirkungsvollsten Maßnahmen gilt, die Exposition gegenüber Tabakrauch, also aktives wie auch passives Rauchen, zu minimieren. Hier zeigen sich auch bereits Erfolge, am eindrucksvollsten beim Rückgang der Anzahl von an Lungenkrebs Erkrankten. Bei Männern werden bis 90 % der Lungenkrebserkrankungen durch Rauchen ausgelöst, bei Frauen sind es mindestens 60 % (RKI und GEKID 2015). Diese Zahlen zeigen allerdings auch, dass selbst ein völliger Verzicht auf das Rauchen in der Bevölkerung den Lungenkrebs nicht völlig verhindern würde. Tabakrauchen ist zudem ein wichtiger, aber nicht der einzige Risikofaktor für weitere Krebserkrankungen, wie z. B. Kopf-Hals-Tumoren, Harnblasen-, Speiseröhren- oder Dickdarmkrebs. Eine ebenfalls bedeutsame Noxe ist Alkohol. Er fördert z. B. die Entstehung von Leber-, Speiseröhren- und Dickdarmkrebs sowie von Kopf-Hals-Tumoren. Genannt sei außerdem noch die UV B-Strahlung, die ebenfalls mit einfachen Mitteln gemieden bzw. minimiert werden kann, um das Risiko für die Entstehung eines Melanoms zu senken. Berufsbedingte Noxen wie Asbest als Auslöser z. B. von Lungenkrebs spielen inzwischen eine untergeordnete Rolle. Maßnahmen der Primärprävention sind z. B. auch die Impfungen gegen Hepatitis B oder gegen HPV zur Verminderung von Leberkrebs bzw. des Zervixkarzinoms (Gebärmutterhalskrebs).

Als erfolgreiche Screening-Maßnahmen sind die Früherkennungsmaßnahmen für das Zervixkarzinom und den Darmkrebs in Form des Zervixabstrichs bzw. der Vorsorgekoloskopie zu nennen. In beiden Fällen können Vorstufen der jeweiligen Krebserkrankungen erkannt und entfernt werden. Der mögliche Nutzen des Mammografie-Screenings hingegen wird kontrovers diskutiert. In einer aktuellen Studie kommt die International Agency für Research on Cancer (IARC) zu dem Schluss, dass Frauen zwischen 50 und 69 Jahren von dem Screening profitieren (IARC 2015).

Diagnose

Bei den meisten Krebsarten ist eine möglichst frühe Diagnose entscheidend für den Behandlungserfolg. Je weiter fortgeschritten eine Krebserkrankung ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass z. B. der Tumor bereits in erheblichem Ausmaß in benachbarte Organe und Strukturen eingedrungen ist oder es zu Metastasierungen gekommen ist. In diesen Fällen ist dann in der Regel eine Heilung nicht mehr möglich. Bei einigen Krebsarten lohnt es sich, mithilfe von Screening-Maßnahmen in bestimmten Bevölkerungsgruppen bei allen Menschen nach Frühformen der entsprechenden Krebsarten zu suchen (s. Abschn. 2.6).

In allen übrigen Fällen führt erst das Auftreten von Symptomen zu entsprechender Diagnostik oder ein Tumor wird zufällig entdeckt. Die Chance auf eine frühzeitige Diagnose hängt demnach davon ab, ob der Krebs sich bereits in frühen Stadien bemerkbar macht. So ist die Wahrscheinlichkeit, ein Melanom frühzeitig zu entdecken, sehr groß, denn es ist an typischen Merkmalen zu erkennen und entwickelt sich meist an gut zugänglichen Stellen des Körpers. Folglich wird die Mehrzahl dieser Erkrankungen in einem frühen Stadium entdeckt: Zehn Jahre nach der Diagnose sind nur rund 10 % der Patienten am Melanom verstorben (RKI und GEKID 2015). Weniger gut ist bislang die Chance auf eine frühzeitige Diagnose dagegen bei allen Neoplasien (bösartigen Neubildungen), die von inneren Organen ausgehen, erst spät zu Symptomen führen und daher bei den meisten Patienten erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt werden können. Hier sind insbesondere Lungen-, Leber- und Bauchspeicheldrüsenkrebs zu nennen. Lungenkrebs wird nur in der Minderheit der Fälle im Frühstadium entdeckt und rund 90 % der Patienten sind 10 Jahre nach Diagnosestellung verstorben (RKI und GEKID 2015).

Behandlung

Die Behandlung von Krebserkrankungen ist so vielfältig wie die Krebserkrankungen selbst. Einige allgemeingültige Aussagen sind dennoch möglich. Zunächst unterscheiden sich die möglichen Behandlungsansätze abhängig davon, ob es sich um solide Tumoren (in Organen entstehende Tumoren) oder hämatologische Krebserkrankungen (Krebserkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Gewebes) handelt.

Bei soliden Tumoren, bei denen ein kurativer Ansatz möglich ist, wird in der Regel immer versucht, den Primärtumor operativ zu entfernen. Handelt es sich um ein frühes Stadium und ist es noch nicht zu einer Metastasierung gekommen, kann allein durch die operative Entfernung die Heilung erzielt werden. Je nach Art und Ausbreitung der Krebserkrankung wird zusätzlich eine Bestrahlung oder eine Arzneimitteltherapie, z. B eine sich anschließende (sogenannte adjuvante) Chemotherapie, durchgeführt. Diese ist insbesondere bei Brustkrebs von großer Bedeutung, spielt aber auch bei Darmkrebs ab Stadium II eine wichtige Rolle. (Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und Deutschen Krebshilfe e. V. 2012, 2014a). Durch die adjuvante Therapie sollen Mikrometastasen bekämpft werden. Es ist nachgewiesen, dass diese Therapien die Überlebenswahrscheinlichkeit erhöhen.

Ist bei soliden Tumoren eine Heilung nicht mehr möglich, wird eine palliative Therapie durchgeführt. Diese umfasst vielfach auch den Einsatz antineoplastischer Arzneimittel, die mit dem Ziel eingesetzt werden, das Fortschreiten der Erkrankung vorübergehend aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen. Dadurch wird einerseits das Überleben verlängert, andererseits kann dadurch die durch das Tumorwachstum bedingte Symptomatik vermindert werden.

Bei hämatologischen Neoplasien, also Krebserkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Gewebes, spielt die chirurgische Therapie praktisch keine Rolle. Bei den meisten Lymphomen ist in frühen Stadien der Erkrankung die Bestrahlung der wichtigste Pfeiler der Behandlung, ggf. in Kombination mit einer antineoplastischen Arzneimitteltherapie. In späteren Stadien wird die Bestrahlung in der Regel immer mit einer antineoplastischen Arzneimitteltherapie kombiniert. Bei den Leukämien und vielen anderen hämatologischen Neoplasien inkl. des diffus-großzelligen B-Zell-Lymphoms steht die antineoplastische Arzneimitteltherapie im Vordergrund, durch die auch in vielen Fällen eine Heilung möglich ist. So leben z. B. von den an Leukämie erkrankten Patienten 10 Jahre nach der Diagnose noch rund 35 %, von den an Non-Hodgkin-Lymphomen Erkrankten über 40 % und von Patienten mit Hodgkin-Lymphom rund 75 % (RKI und GEKID 2015). Ein weiterer wichtiger Therapieansatz bei den Leukämien und dem B-Zell-Lymphom ist die Stammzelltransplantation. Diese ist für die Patienten sehr belastend und birgt Risiken, ist aber teilweise (z. B. bei der chronisch-lymphatischen Leukämie) die einzige Option, die Aussicht auf Heilung bietet. Auch die Stammzelltransplantation ist ohne den Einsatz von Arzneimitteln nicht möglich.

Unter Umständen wird zunächst auch gar keine Behandlung empfohlen, sondern die weitere Entwicklung wird nach dem Prinzip des „acitive surveillance“ bzw. „watch & wait“ abgewartet. Wichtigstes Beispiel dazu ist das Prostatakarzinom, von dem bekannt ist, dass die meisten Männer mit ihm, aber nicht an ihm sterben. Wenn die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind, können den Patienten dadurch die Nebenwirkungen einer aktiven Behandlung erspart bleiben, ohne ihre Lebenserwartung zu verkürzen (Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und Deutschen Krebshilfe e. V., 2014b). Auch bei verschiedenen hämatologischen Neoplasien, die symptomlos sind, wird zunächst „abwarten und beobachten“ empfohlen, z. B. bei der chronisch-lymphatischen Leukämie oder der Haarzellleukämie (Wendtner et al. 2014, Wörmann 2016).

Literatur

  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Sterbefälle, Sterbeziffern je 100 000 Einwohner (altersstandardisiert) (ab 1980). 2016, http://www.gbe-bund.de (11.07.2016)
  • Hanahan D, Weinberg RA. The hallmarks of cancer. Cell 2000;100(1):57–70
  • Hanahan D, Weinberg RA. Hallmarks of cancer: the next generation. Cell 2011;144(5):646–674
  • Lauby-Secretan B, Scoccianti C, Loomis D, Benbrahim-Tallaa L, Bouvard V, Bianchini F, Straif K; International Agency for Research on Cancer Handbook Working Group. Breast-cancer screening – viewpoint of the IARC Working Group. N Engl J Med 2015;372(24):2353–2358
  • Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und Deutschen Krebshilfe e. V. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. 2012, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/S3-Brustkrebs-v2012-OL-Langversion.pdf (11.07.2016)
  • Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und Deutschen Krebshilfe e. V. S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom. 2014a, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_KRK_Langfassung_1.1.pdf (11.07.2016)
  • Leitlinienprogramm Onkologie der AWMF, Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und Deutschen Krebshilfe e. V. Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. 2014b, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_Prostata_Langversion_3.1.pdf (11.07.2016)
  • Nowell PC. Mechanisms of tumor progression. Cancer Res 1986;46(5):2203–2207
  • RKI und GEKID (Hrsg.) Krebs in Deutschland 2011/12. 10. Berlin 2015
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  • Wagener C, Müller O. Molekulare Onkologie. Stuttgart: Thieme 1999
  • Wendtner C-M, Dreger P, Gregor M, Greil R, Knauf WU, Pritzkuleit R, Schetelig J, Steurer M, Stilgenbauer S. Chronische Lymphatische Leukämie (CLL). Onkopedia Leitlinien. 2014, https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/chronische-lymphatische-leukaemie-cll/@@view/html/index.html (11.07.2016)
  • Wörmann BJ, Ho AD, Rummel MJ, Solenthaler M, Michael Steurer M. Haarzell-Leukämie (HZL). Onkopedia Leitlinien. 2016, https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/haarzell-leukaemie-hzl/@@view/html/index.html (11.07.2016)