Veröffentlicht am: 23.03.26
Die Bezeichnung der Wirkstoffe in dieser Indikationsgruppe als Antiepileptika umreißt das wichtigste Anwendungsgebiet: Die Arzneimittel werden bei Epilepsie eingesetzt.
Wie die Leitlinie zum ersten epileptischen Anfall und zur Epilepsie im Erwachsenenalter ausführt, ist die Erkrankung dadurch charakterisiert, dass im Gehirn eine ständige Prädisposition dafür gegeben ist, spontan auftretende epileptische Anfälle zu erzeugen. Die Symptomatik kann sehr vielfältig sein die auftretenden Störungen werden in motorische und nicht-motorische untergliedert. Auch die Ursachen der Epilepsie sind vielfältig. Eine Epilepsie kann z. B. genetisch bedingt sein, durch strukturelle Besonderheiten des ZNS, metabolische Störungen oder auch Infektionen entstehen. (Holtkamp und May 2023).
Epilepsien und epileptische Anfälle werden nach der Ort ihrer Entstehung unterteilt: Partielle oder fokale Anfälle entstehen in einer begrenzten Region des Gehirns. Wenn sie sich über die gesamte Hirnrinde ausbreiten, spricht man von sekundär generalisierten Anfällen. Im Gegensatz dazu umfassen primär generalisierte Anfälle von Anfang an die gesamte Hirnrinde. Daneben gibt es nicht-klassifizierte Formen.
Antiepileptika wirken über verschiedene Mechanismen dämpfend auf die Erregbarkeit bzw. Erregungsausbreitung von Neuronen. Sie setzen also die Schwelle für das Auftreten von Anfäl-len herauf. Die Auswahl eines Antiepileptikums und die ggf. erforderliche Anpassung der The-rapie müssen für jeden Patienten individuell erfolgen.
Aufgrund ihres Wirkprinzips können einige Antiepileptika auch bei anderen neurologischen Störungen eingesetzt werden, z. B. beim Cluster-Kopfschmerz oder Neuralgien. Manche Antiepileptika werden überwiegend bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt.
Die Antiepileptika gliedern sich, entsprechend ihrer hauptsächlichen Anwendung, in zwei Teil-Indikationsgruppen.
Die Mittel bei Epilepsie können – je nach Wirkstoff – bei den unterschiedlichsten Formen von epileptischen Anfällen sowohl bei Erwachsenen als auch Kindern eingesetzt werden.
In einer weiteren Teil-Indikationsgruppe werden alle Wirkstoffe zusammengefasst, die bei verschiedenen kindlichen Epilepsien eingesetzt werden.
Die Wirkmechanismen der Antiepileptika sind unterschiedlich. Allen gemeinsam ist, dass sie letztlich dämpfend auf die Erregungsausbreitung im zentralen Nervensystem (ZNS) wirken. Dies kann auf verschiedenen Wegen erreicht werden, z. B. indem bestimmte Ionenkanäle gehemmt werden oder die Wirkung von hemmenden Botenstoffen wie GABA verstärkt wird. Die Einteilung der Antiepileptika ist im Wesentlichen historisch bedingt und orientiert sich bei den älteren Wirkstoffen an der chemischen Struktur. Einige Wirkstoffe, die heute von größter Bedeutung bei der Behandlung epileptischer Anfälle sind, werden keiner bestimmten Gruppe zugeordnet. Die älteren Wirkstoffe werden entsprechend ihrer chemischen Struktur klassifiziert. Nachfolgend sind die aktuell wichtigsten Therapieansätze genannt.
Der Therapieansatz „Andere Antiepileptika“ ist für die Behandlung epileptischer Anfälle am wichtigsten. Hierzu gehören z. B. Levetiracetam und Lamotrigin, die am häufigsten eingesetzten Wirkstoffe. Beide Wirkstoffe hemmen die Freisetzung von aktivierenden Botenstoffen im ZNS.
Unter den Fettsäurederivaten ist vor allem die Valproinsäure von Bedeutung. Der Wirkstoff dämpft die Erregungsweiterleitung im ZNS u. a. durch Hemmung bestimmter Ionenkanäle und indem es die Wirkung von GABA verstärkt. Problematisch ist die fruchtschädigende (teratogene) Wirkung von Valproinsäure, aber sie ist dennoch ein unverzichtbarer Wirkstoff, der bei verschiedenen Anfallsformen angewendet werden kann.
Die Carboxamidderivate hemmen die neuronale Erregbarkeit, indem sie bestimmte Ionenkanäle in den Nervenzellen blockieren, die sogenannten spannungsabhängigen Natriumkanäle. Dadurch wird die Entstehung und Ausbreitung von Anfällen vermindert. Die wichtigsten Vertreter sind Carbamazepin und Oxcarbazepin.