Blutstillende Mittel (Antihämorrhagika) B02 Antihämorrhagika

Veröffentlicht am: 19.12.18

Bei den blutstillenden Mitteln (Antihämorrhagika) handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Mitteln zur Behandlung bzw. Vorbeugung von Störungen des Gerinnungssystems, die in der Regel mit Blutungen (Hämorrhagien) oder einer vermehrten Blutungsneigung einhergehen. Diesen Störungen können die unterschiedlichsten Ursachen zugrunde liegen. Von größter Bedeutung ist die Behandlung vor allem der angeborenen Störungen des Gerinnungssystems, die auch als Hämophilie bezeichnet werden: Bei diesen Störungen müssen bestimmte Gerinnungsfaktoren substituiert werden, um die Blutgerinnung zu normalisieren. Darüber hinaus werden bei den Antihämorrhagika weitere Teil-Indikationsgruppen unterschieden, die im Folgenden dargestellt werden.

Pharmakotherapeutische Übersicht zu den Antihämorrhagika*
Teil-IndikationsgruppeTherapieansatzWirkstoff (Einführung**)
Unspezifische GerinnungsstörungenBestimmte Aminosäuren hemmen das Fibrinolysesystem.Tranexamsäure
Aminomethylbenzoesäure
Lokale Mittel zur Blutstillung (Hämostatika)Absorbierbarer Gelatineschwamm
Oxidierte Zellulose
Kollagen
Blutgerinnungsfaktoren, Kombinationen
Kollagen, Kombinationen
Vitamin K ist ein zentraler Ko-Faktor bei der Synthese von Gerinnungsfaktoren.Phytomenadion
Alpha-1-Antitrypsin-MangelAlpha-1-Antitrypsin wird bei schwerem Mangel substituiert.Alpha-1-Antitrypsin
ThrombozytopenieThrombopoetin-Rezeptor-Agonisten fördern die Produktion von Blutplättchen.Romiplostim (2009)
Eltrombopag (2010)
Faktor-VIII-MangelFaktor VIII wird bei schwerem Mangel substituiert.Gerinnungsfaktor VIII
Octocog alfa (1993)
Turoctocog alfa (2014)
Simoctocog alfa (2014)
Nonacog gamma (2015)
Moroctocog alfa (1999)
Efmoroctocog alfa (2016)
Susoctocog alfa (2016)
Faktor-IX-MangelFaktor IX wird bei schwerem Mangel substituiert.Gerinnungsfaktor IX
Nonacog alfa (1999)
Albutrepenonacog alfa (2016)
Eftrenonacog alfa (2016)
Lonoctocog alfa (2017)
Nonacog beta pegol (2017)
Faktor-XIII-MangelFaktor XIII wird bei schwerem Mangel substituiert.Gerinnungsfaktor XIII
Faktor-VII-MangelFaktor VII wird bei schwerem Mangel substituiert.Gerinnungsfaktor VII
Eptacog alfa (aktiviert) (1996)
Von-Willebrandt-KrankheitFaktor VIII mit Von- Willebrandt-Faktor zur SubstitutionVon-Willebrand-Faktor und Gerinnungsfaktor VIII in Kombination
Von-Willebrand-Faktor zur SubstitutionVon-Willebrand-Faktor
Faktor-X-MangelFaktor X wird bei schwerem Mangel substituiert.Gerinnungsfaktor X
Mangel anderer BlutgerinnungsfaktorenAndere Blutgerinnungsfaktoren in Kombination zur SubstitutionGerinnungsfaktoren IX, II, VII und X in Kombination
Faktor-VIII-Inhibitor-bypass-Aktivität
* Genannt sind alle Wirkstoffe, die zwischen 2013 und 2017 mindestens in einem Jahr verfügbar waren.** Bei Einführung vor 1978 kann das Jahr der tatsächlichen Einführung in Deutschland abweichen, da es dazu ggf. keine einheitlichen Angaben gibt.Quelle: IGES, eigene Recherchen

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Teil-Indikationsgruppen bei den blutstillenden Mitteln

In Bezug auf den Verbrauch ist die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei unspezifischen Gerinnungsstörungen von größter Bedeutung. Hinsichtlich der Ausgaben spielen die verschiedenen Teil-Indikationsgruppen zur Behandlung eines Mangels an Blutgerinnungsfaktoren die größte Rolle, insbesondere der Mangel an Faktor VIII, der bei schwerer Ausprägung zur Hämophilie A führt. Bei Mangel an Blutgerinnungsfaktoren werden die entsprechenden Faktoren ersetzt, um Blutungsepisoden vorzubeugen oder zu behandeln. Erwähnenswert ist außerdem die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei Thrombozytopenie. Bei dieser Erkrankung kommt es durch unterschiedliche Ursachen zu einem Mangel an Blutplättchen, was zu einer erhöhten Blutungsneigung führt. Arzneimittel dieser Teil-Indikationsgruppe wurden zunächst zur Behandlung er immunologischen (idiopathischen) Purpura zugelassen, doch wurde inzwischen die Zulassung für den Wirkstoff Eltrombopag erweitert, sodass er inzwischen auch bei verschiedenen Thrombozytopenien anderer Ursache eingesetzt werden kann.

Therapieansätze bei den blutstillenden Mitteln

In den verschiedenen Teil-Indikationsgruppen der Mittel zur Behandlung von Mangel an Gerinnungsfaktoren werden keine unterschiedlichen Therapieansätze unterschieden. In einigen dieser Teil-Indikationsgruppen steht aktuell lediglich ein Wirkstoff zur Verfügung, in anderen auch mehrere. Immer handelt es sich dabei um spezifische Gerinnungsfaktoren, die bei bestimmten Störungen eingesetzt werden. So sind z. B. alle Wirkstoffe der Teil-Indikationsgruppe Faktor-VIII-Mangel geeignet, den Mangel an Faktor VIII zu behandeln, und ihre Wirkungsweise ist jeweils identisch. Unterschiede gibt es bei der Herstellung und der Wirkdauer. Gerinnungsfaktoren können aus dem Blutplasma von Spendern gewonnen werden. Insbesondere für die Substitution der Faktoren VIII und IX steht dagegen auch eine Auswahl von rekombinanten Wirkstoffen zur Verfügung, die mithilfe biotechnologischer Verfahren hergestellt werden und bei denen das Risiko der Übertragung von infektiösen Agenzien geringer ist.

Die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei idiopathischer thrombozytärer Purpura umfasst derzeit nur den Therapieansatz der Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten. Über Aktivierung des Thrombopoetin-Rezeptors wird die Produktion von Blutplättchen stimuliert.

Die Teil-Indikationsgruppe der Mittel bei unspezifischen Gerinnungsstörungen gliedert sich in drei Therapieansätze, von denen das Vitamin K am wichtigsten ist. Vitamin K ist ein wichtiger Ko-Faktor bei der Synthese bestimmter Gerinnungsfaktoren, die daher auch Vitamin-K-abhängige Gerinnungsfaktoren genannt werden. Hauptanwendung von Vitamin K ist die Vitamin-K-Prophylaxe, die alle Neugeborenen erhalten sollen, damit Blutungen durch einen Vitamin-K-Mangel verhindert werden.