Verbrauch J07 Impfstoffe Die Ausgaben für Impfstoffe erreichten 2020 rund 1,52 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Ausgaben um 225 Mio. Euro bzw. 17,4 %.

Veröffentlicht am: 27.10.21

Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (Insight Health), ab 2011 inkl. Zubereitungen
Verbrauch in den Teil-Indikationsgruppen
Teil-IndikationsgruppeVerbrauch in Mio. DDD
20102011201220132014201520162017201820192020
Influenza16,0615,1213,2313,4413,1512,2912,2512,3013,3914,1619,53
Pneumokokken2,982,982,752,943,013,013,223,243,393,585,18
FSME3,023,503,433,023,833,093,203,384,014,944,33
Diphtherie-Pertussis-Poliomyelitis-Tetanus1,942,122,202,442,092,311,971,822,382,792,69
Diphtherie-Hib-Pertussis-Poliomyelitis-Tetanus-Hepatitis B2,172,112,062,162,122,382,612,662,662,652,45
Pertussis, Kombinationen mit Toxoiden = DPT1,341,441,561,671,962,002,372,982,222,282,33
Herpes zoster0,000,000,000,000,000,000,000,000,000,541,89
Masern, Mumps, Röteln0,430,580,850,960,911,290,960,990,961,411,84
HPV0,390,520,640,650,670,780,800,700,701,311,36
Rotaviren0,060,090,120,200,841,031,171,211,211,231,22
Masern, Mumps, Röteln, Varizellen1,010,990,630,690,660,860,880,950,920,721,01
Meningitis1,030,920,820,780,780,740,820,850,850,930,93
Varizellen0,570,440,620,600,570,640,610,620,640,890,73
Übrige Impfstoffe4,303,723,332,923,122,852,902,772,362,241,83
Impfstoffe gesamt35,334,532,232,533,733,333,834,535,739,747,3
Hib = Haemophilus influenzae b; HPV = Humanes Papillomavirus
Quelle: IGES-Berechnungen nach NVI (INSIGHT Health); ab 2011 inkl. Zubereitungen

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Im Jahr 2020 stieg der Verbrauch von Impfstoffen um 19,3 % an und erreichte mit 47,3 Mio. Impfdosen fast den bisher maximalen Verbrauch im Jahr 2007 (47,6 Mio. Impfdosen). Hinter dem Verbrauchsanstieg im Jahr 2007 standen Impfungen gegen FSME, Meningitis, Pneumokokken und HPV. Danach ging der Impfstoffverbrauch wieder zurück und erreichte 2012 einen Tiefpunkt, um ab 2018 wieder anzusteigen. 2020 war der Anstieg genauso hoch wie 2007. Ein starker Verbrauchsanstieg ist häufig auf Impfempfehlungen der STIKO zurückzuführen. Dies trifft z. B. zu für den Verbrauchsanstieg des Rotavirus-Impfstoffs 2013 und 2014 (RKI 2013) oder aktuell für den Herpes-zoster-Impfstoff (RKI 2018b). Der starke Anstieg 2020 war größtenteils eine Folge der COVID-19-Pandemie und betraf vor allem die Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken, für die es Empfehlungen gegeben hatte. Ein weiterer Sondereffekt betraf die Zoster-Impfung: Hier hatte es bis Ende 2019 Lieferengpässe gegeben, sodass es 2020 zu Nachholeffekten kam.

Ein Blick auf die Teil-Indikationsgruppen zeigt, dass 2020 die Influenza-Impfung mit 41 % den größten Anteil am Verbrauch hatte. Im betrachteten Zeitraum 2010–2020 lag das Verbrauchsmaximum für Influenza-Impfstoffe bei 19,5 Mio. Impfdosen im Jahr 2020. Bis 2012 ging der Verbrauch von Influenza-Impfstoffen auf 13,2 Mio. Impfdosen zurück. Seitdem verlangsamte sich der Verbrauchsrückgang, und seit 2017 steigt der Verbrauch wieder. Ob der beobachtete Verbrauchsrückgang in Zusammenhang mit Rabattverträgen von Krankenkassen mit Impfstoffherstellen steht, ist unklar. Die Rabattverträge galten als Ursache für Lieferengpässe von Impfstoffen (ÄrzteZeitung 2012). Mit dem 2017 in Kraft getretenen AMVSG sollten solche Verträge der Vergangenheit angehören (Ärzteblatt 2017).

An zweiter Stelle in Bezug auf den Verbrauch lagen 2020 die Pneumokokken-Impfstoffe mit einem Anteil von 11 %. Der hohe Verbrauchsanteil dieser Impfstoffe erklärt sich dadurch, dass für Säuglinge und Kleinkinder in der Regel eine dreimalige Impfung vorgesehen ist und Personen ab 60 Jahren mindestens einmal geimpft werden sollen (RKI 2016). Der erhebliche Verbrauchsanstieg von Pneumokokken-Impfstoffen um fast 45 % 2020 war auf die vermehrte Impfung von Personen ab 60 Jahren zurückzuführen. Der hohe Verbrauchsanteil der FSME-Impfung von 9 % ist dadurch bedingt, dass für diese Impfung relativ häufig Auffrischimpfungen erforderlich sind, nämlich alle drei bis fünf Jahre. 2020 ging der Verbrauch dieser Impfstoffe um 12 % zurück, erreichte aber dennoch den zweithöchsten Wert im betrachteten Zeitraum.

Ebenfalls hohe Verbrauchswerte zeigen weitere Impfungen, die entweder als Standardimpfungen im Impfkalender empfohlen werden und/oder bei denen die erforderliche Anzahl von Impfdosen relativ hoch ist. Viermal appliziert wird bei Säuglingen und Kleinkindern die Sechsfachkombination gegen Diphtherie, Haemophilus influenzae b (Hib), Pertussis, Poliomyelitis, Tetanus und Hepatitis B. Entsprechend finden sich hohe Verbrauchsanteile um die 5 %. Für Masern, Mumps, Röteln und Varizellen ist dagegen nur eine zweimalige Impfung vorgesehen, und dementsprechend findet sich ein geringerer Verbrauch.

Der Verbrauch von Impfstoffen mit Masernkomponente schwankte im Zeitverlauf: Im Jahr 2015, also dem Jahr, als Masernausbrüche erhebliche Medienreaktion nach sich zogen, stieg der Verbrauch stark an, danach pendelte sich der Verbrauch auf höherem Niveau ein als vor 2015. 2019 war erneut ein stärkerer Anstieg um über 0,2 Mio. Impfdosen (13 %) festzustellen, und 2020 stieg der Verbrauch von Masern-Impfungen sogar um 0,7 Mio. Impfdosen, d. h. um mehr als ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Dieser starke Anstieg steht sicher in Zusammenhang mit der neu geltenden Impfpflicht, die mit dem Masernschutzgesetz am 1. März 2020 auf den Weg gebracht wurde.

Erwähnenswert ist außerdem, dass auch sich 2019 der Verbrauch von HPV-Impfstoff im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt hat und dieses Verbrauchsniveau auch 2020 bestehen blieb. 2019 stieg der Verbrauch, weil die STIKO die Impfung auch für Jungen empfohlen hat.

Literatur